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Vollsperrung durch Menschenkette

Mittwoch, 30. April 2014, 06:42 Uhr
Am gestrigen Nachmittag zeigte die Kreisstadt Nordhausen auf brisante Art und Weise, warum Sie den Namen „Grüne Stadt im Herzen Deutschlands“ tatsächlich verdient hätte. Das Füchse und Waschbären in der Nacht durch die leeren Straßen und Hinterhöfe der Anwohner streifen ist wohl den meisten bereits zu Ohren gekommen, allerdings handelt es sich diesmal um einen ganzen Familienzug von schützenswerten Tieren...

Gerettet (Foto: privat) Gerettet (Foto: privat)

Bei einem alltäglichen Blick von seinem Balkon, um kopfschüttelnd dem Verkehr auf der Bundesstraße vor der Haustür mahnend zu prüfen, entdeckte Sebastian Kupfer plötzlich eine Flugentenfamilie mit mindestens einem Dutzend prächtiger Küken, allerdings inmitten der Straßenbahnschienen. Kurz wurde noch darüber sinniert wie es dazu kommen kann, der Lärm der anrollenden Straßenbahn ertönte!

Geistesgegenwärtig rief Stadtratskandidat Kupfer seinen Mitbewohnern auf, mit ihnen die Straßenbahn zum Halten zu bringen. Glücklicherweise hielt der Bahnfahrer rechtzeitig an, sodass die vergeblich aus der Schiene zu klettern versuchenden Jungtiere gerettet werden konnten.

Das Muttertier war natürlich durch dieses ganze Prozedere schon sehr nervös und fauchte lautstark um sich. Schnell wurde den Beteiligten und Anwohnern klar es muss Hilfe her, denn es war circa halb Vier. Das heißt, auf der B4 reihte sich Stoßstange an Stoßstange wie jeden Tag. Man beschloss die Feuerwehr zu rufen. Als diese jedoch eine geschlagene halbe Stunde nach dem Notruf endlich eintraf, hatten die Anwohner und hilfsbereiten Passanten bereits in Eigenregie die Bundesstraße komplett gesperrt.

Ein waghalsiges Vorhaben, gerade auf dieser Straße und zu dieser verkehrsintensiven Tageszeit. Einmal mehr zeigte sich vor den Augen der zahlreichen Autofahren wie hilfsbereit und liebevoll, Mensch und Tier doch sein können und sollten!

Wie an einer Kette gezogen watschelte die Familie nun zur anderen Straßenseiten, doch leider verirrten sich die Tiere im Hinterhof der Autoschrauber-Familie Helmvogt. Fast zeitgleich kam auch endlich die Feuerwehr, um mit einem großen Kescher das Muttertier zu fangen, was misslang und das Muttertier von dannen flog. Es machte sich folglich Angst bei den Beteiligten breit, dass die Mutter nun ihre Tiere nach dem unsäglichen Stress einer Bundesstraße mitten im Herz einer Grünen-Stadt, ihre Kinder auf immer verlassen hat.

Denn die äußerst aktiven Kücken wurden in der Wartezeit bereits präventiv von Carolin Günthel und ihrer Studienfreundin Anne Rabin eingesammelt und sicher in einem Karton verwahrt. Nach kurzem Diskurs entschloss man sich anschließend mit den Jungen zum Ufer der Zorge zu laufen, sodass die Mutter den Rufen ihrer Schützlinge eventuell nacheilt. Eine sehr gute Idee wie sich herausstellte, denn schon nach wenigen Minuten war die Familie wieder vereint und konnte gemeinsam im Sonnenuntergang ihre Entdeckungsreise auf der Zorge glücklich fortsetzen.
Autor: red

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