nnz-Betrachtung: Quo Vadis FHN?
Montag, 21. April 2014, 19:00 Uhr
Die Landtagsfraktion der Linken stellt eine Studie zur Hochschulentwicklung vor und stellt damit aus Sicht der SPD Nordhausen als Hochschulstandort in Frage. Angriff, Konter, Wahlkampf. Was besagte Studie über die Nordhäuser Fachhochschule genau berichtet, hat die nnz zusammengetragen...
Die Studie "Campus Thüringen", welche die Linke-Fraktion im Erfurter Landtag im vergangenen Jahr in Auftrag gab, beschäftigt sich mit Konzepten der Hochschulentwicklung in Thüringen und fordert dabei vor allem mehr (über-)regionale Kooperation. Man habe nach fast 25 Jahren Hochschulentwicklung erfolgreiche Einrichtungen wie Weimar und Jena, und andere, die hinter den Erwartungen zurückblieben, wie Erfurt und Nordhausen, schreiben die Gutachter eingangs.
Aus dem SPD geführtem Forschungsministerium heißt es daraufhin, Standorte in Frage zu stellen sei der falsche Weg und spricht von einem "ausdifferenziertem" und "leistungsfähigem" Hochschulsystem. Angesichts schwindender Gelder und sinkender Einwohnerzahlen brauche man ein Zukunftskonzept, die Studie mache konkrete Vorschläge, aber man betrachte einige dieser Vorschläge kritisch, heißt es aus der CDU. Die ganze Wahlkampfepisode ist nun knapp eine Woche her und es ist Ruhe.
Korrektur: es war Ruhe. Ostern ist schließlich fast vorbei. Heute meldete sich der Landtags-Direktandidat der Nordhäuser SPD, Andreas Wieninger zu Wort und erklärte "der Standort Nordhausen gehört ausgebaut und nicht infrage gestellt. Mit solchen Forderungen ist die LINKE in Nordhausen unwählbar."
Angesichts solcher Meldungen fragt sich der geneigte Beobachter dann schon ob die FH Nordhausen wohl bald Geschichte sein könnte. Ein Blick in besagte Studie lohnt daher.
Veröffentlicht wurde die Studie im Auftrag Landtagsfraktion der Linken von der Berliner "MehrWertConsult-Strategieberatung" und geschrieben von dessen Geschäftsführer Benjamin Hoff und Christian Schaft. Erster ist Mitglied der Partei die Linke, letzterer kandidiert für selbige um ein Mandat im Thüringer Landtag.
Ziel der Studie sei es, Möglichkeiten prüfen zu lassen, Hochschulen zu fusionieren oder miteinander kooperieren zu lassen, so dass aus den Synergien ein verbessertes Verhältnis von landesseitigem Finanzierungsaufwand zu Ertrag in Forschung und Lehre erfolgt.
Aufgrund mangelnder finanzieller Mittel, bemerken die Autoren zu Beginn der Studie, habe man sich nicht auf Studienangebote oder Forschungsschwerpunkte konzentrieren, geschweige denn Gespräche vor Ort durchführen können. Stattdessen wurde mit Daten gearbeitet, die vom Land Thüringen und den Hochschulen selbst veröffentlicht wurden.
Die Gutachter empfehlen auf das Versprechen der Aufrechterhaltung aller Hochschuleinrichtungen in der bisherigen Form zu verzichten und stattdessen die Kooperationsbeziehungen zu verbessern. Die FH Nordhausen sei augenfälligster Ausdruck des Bemühens um eine regional ausgewogene Hochschulstruktur, die bisherige Politik mache aber an den Ländergrenzen halt wodurch regionalpolitische Standortentscheidungen verfestigt würden, die bei dem von der Studie verfolgten Ansatz überregionaler Kooperationen nicht überzeugend seien.
In Bezug auf Nordhausen beanstandet die Studie, dass die FH es versäume, die nahe liegende Frage nach regionaler Kooperation zu beantworten. Die Gutachter empfehlen eine länderübergreifende Kooperation in Lehre, Forschung und Verwaltung mit der Hochschule Harz in Abstimmung mit dem Bildungsministerium Sachsen-Anhalt. Außerdem soll die Verwaltungsfachhochschule Gotha an die Nordhäuser Hochschule ausgelagert werden. Im Ergebnis sollten beide Hochschulen (FHN und Hochschule Harz Anm. d. Red.) so eng kooperieren, dass unabhängig von der Ländergrenze faktisch eine Hochschulstruktur mit drei Standorten entsteht, heißt es in der Studie.
Die Existenz der Fachhochschule Nordhausen als solches wird dabei nicht in Frage gestellt, wohl aber ihre derzeitige Struktur. Ob es sinnvoll ist, wenn die Ministerien zweier Bundesländern an der Hochschule mitreden, ist zumindest zweifelhaft. Unzweifelhaft ist hingegen, das in unserem Reformfreudigen Bildungssystem auch die Hochschullandschaft in den Fokus geraten wird. Das liegt in der Natur der Sache. Reformen müssen immer sein und wenn es nur darum geht sich zu profilieren. Nach dem Wahlkampf ist schließlich vor dem Wahlkampf.
Was bleibt also? Eine von unabhängigen Experten mit begrenzten Mitteln durchgeführte Studie, die ein paar interessante Vorschläge macht, aber wahrscheinlich nur von einem überschaubaren Personenkreis aufmerksam gelesen werden wird. Ein bisschen Aufmerksamkeit für die Thüringer Linke und Wahlkampfmunition für die Nordhäuser SPD. Wahlkampf eben.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Studie "Campus Thüringen", welche die Linke-Fraktion im Erfurter Landtag im vergangenen Jahr in Auftrag gab, beschäftigt sich mit Konzepten der Hochschulentwicklung in Thüringen und fordert dabei vor allem mehr (über-)regionale Kooperation. Man habe nach fast 25 Jahren Hochschulentwicklung erfolgreiche Einrichtungen wie Weimar und Jena, und andere, die hinter den Erwartungen zurückblieben, wie Erfurt und Nordhausen, schreiben die Gutachter eingangs.
Aus dem SPD geführtem Forschungsministerium heißt es daraufhin, Standorte in Frage zu stellen sei der falsche Weg und spricht von einem "ausdifferenziertem" und "leistungsfähigem" Hochschulsystem. Angesichts schwindender Gelder und sinkender Einwohnerzahlen brauche man ein Zukunftskonzept, die Studie mache konkrete Vorschläge, aber man betrachte einige dieser Vorschläge kritisch, heißt es aus der CDU. Die ganze Wahlkampfepisode ist nun knapp eine Woche her und es ist Ruhe.
Korrektur: es war Ruhe. Ostern ist schließlich fast vorbei. Heute meldete sich der Landtags-Direktandidat der Nordhäuser SPD, Andreas Wieninger zu Wort und erklärte "der Standort Nordhausen gehört ausgebaut und nicht infrage gestellt. Mit solchen Forderungen ist die LINKE in Nordhausen unwählbar."
Angesichts solcher Meldungen fragt sich der geneigte Beobachter dann schon ob die FH Nordhausen wohl bald Geschichte sein könnte. Ein Blick in besagte Studie lohnt daher.
Veröffentlicht wurde die Studie im Auftrag Landtagsfraktion der Linken von der Berliner "MehrWertConsult-Strategieberatung" und geschrieben von dessen Geschäftsführer Benjamin Hoff und Christian Schaft. Erster ist Mitglied der Partei die Linke, letzterer kandidiert für selbige um ein Mandat im Thüringer Landtag.
Ziel der Studie sei es, Möglichkeiten prüfen zu lassen, Hochschulen zu fusionieren oder miteinander kooperieren zu lassen, so dass aus den Synergien ein verbessertes Verhältnis von landesseitigem Finanzierungsaufwand zu Ertrag in Forschung und Lehre erfolgt.
Aufgrund mangelnder finanzieller Mittel, bemerken die Autoren zu Beginn der Studie, habe man sich nicht auf Studienangebote oder Forschungsschwerpunkte konzentrieren, geschweige denn Gespräche vor Ort durchführen können. Stattdessen wurde mit Daten gearbeitet, die vom Land Thüringen und den Hochschulen selbst veröffentlicht wurden.
Die Gutachter empfehlen auf das Versprechen der Aufrechterhaltung aller Hochschuleinrichtungen in der bisherigen Form zu verzichten und stattdessen die Kooperationsbeziehungen zu verbessern. Die FH Nordhausen sei augenfälligster Ausdruck des Bemühens um eine regional ausgewogene Hochschulstruktur, die bisherige Politik mache aber an den Ländergrenzen halt wodurch regionalpolitische Standortentscheidungen verfestigt würden, die bei dem von der Studie verfolgten Ansatz überregionaler Kooperationen nicht überzeugend seien.
In Bezug auf Nordhausen beanstandet die Studie, dass die FH es versäume, die nahe liegende Frage nach regionaler Kooperation zu beantworten. Die Gutachter empfehlen eine länderübergreifende Kooperation in Lehre, Forschung und Verwaltung mit der Hochschule Harz in Abstimmung mit dem Bildungsministerium Sachsen-Anhalt. Außerdem soll die Verwaltungsfachhochschule Gotha an die Nordhäuser Hochschule ausgelagert werden. Im Ergebnis sollten beide Hochschulen (FHN und Hochschule Harz Anm. d. Red.) so eng kooperieren, dass unabhängig von der Ländergrenze faktisch eine Hochschulstruktur mit drei Standorten entsteht, heißt es in der Studie.
Die Existenz der Fachhochschule Nordhausen als solches wird dabei nicht in Frage gestellt, wohl aber ihre derzeitige Struktur. Ob es sinnvoll ist, wenn die Ministerien zweier Bundesländern an der Hochschule mitreden, ist zumindest zweifelhaft. Unzweifelhaft ist hingegen, das in unserem Reformfreudigen Bildungssystem auch die Hochschullandschaft in den Fokus geraten wird. Das liegt in der Natur der Sache. Reformen müssen immer sein und wenn es nur darum geht sich zu profilieren. Nach dem Wahlkampf ist schließlich vor dem Wahlkampf.
Was bleibt also? Eine von unabhängigen Experten mit begrenzten Mitteln durchgeführte Studie, die ein paar interessante Vorschläge macht, aber wahrscheinlich nur von einem überschaubaren Personenkreis aufmerksam gelesen werden wird. Ein bisschen Aufmerksamkeit für die Thüringer Linke und Wahlkampfmunition für die Nordhäuser SPD. Wahlkampf eben.
Angelo Glashagel
