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Und es floss in Strömen

Samstag, 12. April 2014, 16:20 Uhr
Wasser ist lebenswichtig. Ohne die Zorge wäre Nordhausen nicht gegründet worden, ohne den Mühlgraben hätte sich die Stadt nicht entwickeln können. Die Geschichte des Wassers in Nordhausen wird jetzt von einer neuen Ausstellung in der Flohburg beleuchtet und die nnz hat sie sich einmal angesehen…

Der Nordhäuser Mühlgraben, dessen Errichtung durch fränkische Ingenieure wir noch vor den Beginn der eigentlichen „Stadt“-geschichte datieren, prägte mehr als eintausend Jahre lang das Leben der Stadt. Die Mühlen des Mittelalters und die Kornbrennereien der Neuzeit lagen an der Wasserstraße, die sich durch die Unterstadt zog. Heute kennt kaum ein Nordhäuser den Verlauf des alten Grabens und nur ein paar alte Fotos und Gemälde lassen die besondere Atmosphäre erahnen, die der Mühlgraben der Stadt verlieh.

Für Burg und Bürger war der Graben Überlebensnotwendig. Täglich stiegen die alten Nordhäuser hinab um unterhalb von Wassertreppe und Neuem Weg ihr Wasser zu holen. Optimal war die Lösung der Franken allerdings auch nicht, wie die Nordhäuser 1198 erfahren mussten. Denn neben Verschmutzungen durch Gerber und Fleischer, die hier den unappetitlichen Teil ihrer Arbeit verichteten (zum Beispiel das auswaschen von Innereien und Kutteln unterhalb der „Kutteltreppe“), periodische Schwankungen und dem einfachen Umstand das es anstrengend war, das Wasser jeden Tag bergauf zu schleppen, hatte der Graben einen entscheidenden Nachteil: er lag außerhalb der Mauern. 1198 musste sich die Stadt deswegen ihren Belagerern die Tore öffnen, weil innerhalb der Mauern der Durst nicht mehr auszuhalten war. Nach diesem Ereignis tauchen die ersten Brunnen in der Oberstadt auf.

Diese und andere Geschichten erzählt die neue Ausstellung in der Flohburg „…und es floss in Strömen“. Dies ist nur die erste Ausstellung zum Thema, erklärte Astrid Lautenschläger, die für die Ausstellung verantwortlich ist, 2016 soll eine weitere und tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema folgen. „Inspiriert hat mich das Buch über den Mühlgraben von Rainer Hellberg und Fritz Schmalz“ erzählt Lautenschläger „doch bald war klar dass die Wasserversorgung ein Riesenthema ist und im Grunde das Leben dieser Stadt widerspiegelt“. In Zusammenarbeit mit dem Wasserverband wurden deshalb gleich zwei Ausstellungen zum Thema geplant.

und es floss in Strömen (Foto: Angelo Glashagel) und es floss in Strömen (Foto: Angelo Glashagel)

Diese erste Ausstellung ist in zehn Teile gegliedert und stellt, reich bebildert, die Wasserkunst der Rolandsstadt vor. Der schon erwähnte Mühlgraben und die zahlreichen Brunnen sind nur zwei Themen. Auf die im 16. Jahrhundert hochmoderne „Ober- und Unterkunst“ (errichtet 1546 und 1598) wird ebenso eingegangen wie den Bau der Talsperre (1903, die erste in Thüringen). Auch wenig bekannte Umstände werden behandelt so zum Beispiel erhielt Nordhausen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Kanalisation. Ihr Erbauer Wilhelm Geißler schrieb später das erste Standardwerk zur Abwasseraufbereitung, das bis in die späten 50er Jahre in Ost und West Pflichtlektüre für Wasserfachkräfte war.

Der zweite Teil der jetzt eröffneten Ausstellung befasst sich mit der Badekultur und beginnt bei den „Badestuben“ des Mittelalters. Die Mode war von den Kreuzrittern aus dem Orient mitgebracht worden und erfreute sich bald großer Beliebtheit. In den vier Nordhäuser Badestuben konnte man sich nach Ankündigung durch den Ausrufer an zwei Tagen in der Woche von Mägden waschen und mit Lavendelöl massieren lassen. Die Damen sorgten wohl auch nicht immer allein für das hygienische Wohl: eines der Häuser lag direkt neben dem „Hurenhaus“.

Mit dem Freibad an der Rothleimmühle und schließlich dem Badehaus wird der Besucher dann wieder in die moderne geführt.

Auch die umfassende Arbeit der beiden Lokalhistoriker Fritz Schmalz und Rainer Hellberg würdigt die Ausstellung. Ohne ihre Forschungen zum Mühlgraben und anderen Themen wäre die Lokalgeschichte Nordhausens um vieles ärmer. Hellberg war im vergangenen Jahr, Schmalz bereits 2005 verstorben.

Astrid Lautenschläger hat die Ausstellung organisiert und aufgebaut (Foto: Angelo Glashagel) Astrid Lautenschläger hat die Ausstellung organisiert und aufgebaut (Foto: Angelo Glashagel)

Zur Ausstellung wird auch ein Rahmenprogramm geboten. Am 23. April lädt man zum „Flohburggespräch“ mit Ulrich Schardt. Ab 18 Uhr geht es dann um „1000 Jahre Wasserkunst in Nordhausen". Am 13. Mai referiert Frank Lawrenz, dessen wunderbare Fotografien in der Ausstellung zu sehen sind, ab 18 Uhr über die zahlreichen Zierbrunnen der Stadt. Zum Internationalen Museumstag am 18. Mai wartet das Team der Flohburg dann mit Aktionen für Kinder rund ums Wasser auf.

Führungen durch die Sonderausstellung finden statt am:

15.04. um 11 Uhr
25.04. um 15 Uhr
06.05. um 11 Uhr
16.05. um 15 Uhr
20.05. um 11 Uhr
23.05. um 15 Uhr


Autor: red

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