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Lichtblick: Der Einzug

Freitag, 11. April 2014, 07:00 Uhr
„Esel sind Partner, mit denen man Pferde stehlen kann.“ So lautet ein Sprichwort. Mit ihnen kann man durch dick und dünn gehen. Treue sagt man ihnen nach. Und man kann gut mit ihnen gehen. So sind sie bekannt als treue Lasttiere...


Im Gegensatz zu Pferden, auf die sich Könige und Kaiser setzten, mit denen man Krieg, Luxus und Hochmut verband sind Esel friedliebende und friedfertige Tiere. Auf einem solchen Tier kommt Jesus geritten. Ohne Glanz und Glamour. Ganz einfach und still, friedliebend als Friedefürst reitet er in die Tempelstadt Jerusalem ein.

Er selbst weiß, was ihm hier blüht. Ob es die Anderen auch wissen? Die, die an den Rändern des Weges stehen und sich Palmzweige von den Bäumen rissen als sie hörten, dass dieser Jesus in ihre Stadt kommt. Da wedeln sie also mit ihren Hoffnungszweigen. Legen ihm Kleider auf den Weg, dass der Staub nicht aufgewirbelt wird und um ihm zu zeigen, wie sehr sie diesen Mann schätzen.

Ich bin so ein Stück Jerusalem. Wie in einer Stadt, so geht es in mir oft sehr turbulent zu. Wie die Menschen, so unterschiedlich und widersprüchlich, sind manches Mal meine Gefühle. Wie die Wohnungen und Häuser, so unterschiedlich sind manche Lebenslagen, in denen ich mich plötzlich befinde und einnisten muss…oder darf. Wie die Straßen, so unterschiedlich sind die Wege meines Lebens. Und da zieht jemand bei mir ein. Ohne großen Wirbel um sich zu machen. Friedfertig und treu. Da tritt er ungefragt in mein Leben ein, dieser Jesus. Und ich höre von ihm. Und ich eile, um etwas von ihm mitzubekommen. Und ich hege Hoffnung, dass es gut wird mit mir und wedele ihm diese Hoffnung um die Ohren. Ich lege manches Schweigen und Vergessen wie Kleider auf so manchen Lebensweg der Vergangenheit und hoffe, dass dieser Jesus keinen Staub in meinem Leben aufwirbelt.

Da zieht er ein …und was mache ich daraus? Gehöre ich zu denjenigen, die ihn gleich wieder raus haben wollen, nichts von ihm sehen, nichts von ihm hören wollen. Und laut schreie, ein wenig später, aber schreie: Kreuzige ihn! Oder gehöre ich zu denjenigen, die ihm eine Bleibe bieten und hoffen, dass niemand etwas davon erfährt, dass er bei mir eingekehrt ist? Gehöre ich zu denjenigen, die mit ihm gehen und ihn in den Alltag integrieren. Ihn aber dann, wenn es darauf ankommt verrate und verleugne? Oder gehöre ich zu denen, die sich im Wettrennen ereifern und ihn als lebendigen Gott meines Herzens annehme und ihn meine Wege mitgehen lasse…unaufdringlich, selbstverständlich?

Kann dieser Gott mit mir Pferde stehlen? Möchte ich ihn ehren, in dem ich ihn mittrage in mein Leben hinein?

Dass ich dich aushalte, guter Gott, das wünsche ich mir. Dass du mir nicht zur Last wirst, vielleicht ja aber zur Aufgabe, das wünsche ich mir. Dass du immer wieder bei mir einziehen willst, das erbitte ich von dir, guter Gott.
Pfarrerin Esther M. Fauß
Autor: red

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