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Braucht Nordhausen ein Hotel?

Donnerstag, 10. April 2014, 15:37 Uhr
Diese Frage wird in der Rolandstadt seit der Wende gestellt. Sie ist bislang nur ungenügend beantwortet und das aus gutem Grund...


Es gab in Nordhausen schon mehrere Anläufe, ein Vier-Sterne-Hotel in die Innenstadt zu holen. Sie alle scheiterten. Mal am Konzept, mal am nicht passenden Grundstück, mal an der unzureichenden Finanzierung. Jetzt kommt ein Investor aus Berlin, schnappt sich ein Grundstück, das zwei Jahrzehnte lang verfiel und baut ein Hotel. Na sowas!

Ein Drei-Sterne-Hotel wird da vermutlich noch im ersten Halbjahr dieses Jahres seine Pforten öffnen. Das zweite von Motel Plus nach Berlin. Warum gerade in Nordhausen? Ganz einfach, weil es hier Potential in diesem Segment gibt. Und dabei, das wissen Dienstreisende, ist Drei-Sterne-Neu so gut wie Vier-Sterne-Alt. Schließlich soll übernachtet werden. Bei der Berliner Kette könnte das für ein Doppelzimmer runde 50 Euro kosten. Zum Vergleich: in Berlin kann man in einem Vier-Sterne-Hotel für diese 50 Euro logieren und angenehm frühstücken. Der Autor dieser Zeilen nutzt die Möglichkeit bei Auswärtsspielen seiner Lieblings-Fußballmannschaft in der Hauptstadt.

Das Konzept des neuen Hotels an der Ecke Freiher-vom-Stein-Straße/Cohn-Straße passt maßgeschneidert zu den Bedürfnissen, die es auch in Nordhausen zu geben scheint. So hat zum Beispiel ein Bildungsträger in der Rolandstadt für seine bundesweiten Angebote einen jährlichen Bedarf bis zu 2.000 Übernachtungen. In Nordhausen kann das nicht realisiert werden, also wird bislang zum Beispiel nach Sondershausen ausgewichen. Mit dem neuen Hotel soll es positiv verlaufende Verhandlungen gegeben haben. Na, also, geht doch.

Aber - das machte das gestrige Bürgergespräch deutlich - in die Nordhäuser City soll ein Vier-Sterne-Hotel. Pech - es gibt sicherlich den einen oder anderen Investor, doch es gibt keinen Betreiber, der das Risiko eingeht. Dabei ist sicher auch Bedarf an derartigen Übernachtungen vorhanden. Da ein Kongress, den das Klinikum ausrichtet, dort eine Branchentagung der Autohändler. Die Bedarfe bündeln - all das wurde bereits versucht. Vergeblich.

Denn was tun, wenn eine Auslastung, die eine Wirtschaftlichkeit garantiert, nicht erreicht wird? Dieses Wagnis wird derzeit nicht eingegangen. Schon einmal standen runde sechs Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung, doch die Banken spielten nicht mit. Nordhausen kann vermutlich nichts bieten, was den normalen Touristen zum längeren Verweilen einladen könnte.

Das ist schade, ist aber verständlich, weil nicht zu ändern. Und so werden wir hier in Nordhausen weiter auf die Vier Sterne warten müssen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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