Auftakt mit Matschie
Freitag, 04. April 2014, 16:43 Uhr
Der Thüringer Vize-Ministerpräsident war heute Vormittag in Sondershausen, um der Auftaktveranstaltung zur Kulturentwicklungskonzeption der Landkreise NDH und KYF beizuwohnen. Richtige Neuigkeiten bot die Auftaktveranstaltung des ehrgeizigen Projektes im Blauen Saal des Sondershäuser Schlosses noch nicht, aber einige interessante Zwischentöne waren zu hören.
Der Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur verwies anfänglich auf die Leistungen aus dem Kulturlastenausgleich und darauf, dass der Freistaat nicht nur die regionalen Leuchttürme, sondern auch eine breite Basis kultureller Angebote fördern wolle. Es bedürfe aber eines langen Atems und eben solcher Konzepte wie diesem hier für die Landkreise Nordhausen und Kyffhäuser. Die sind sich in letzter Zeit immer näher gekommen, was auch ein Verdienst der beiden neuen Landrätinnen ist.
So lobte denn die Kyffhäuserin Antje Hochwind ausdrücklich die gute Kooperation mit dem Landkreis Nordhausen. Sie will bei aller Konzentration auf das wichtige Kyffhäuserdenkmal aber auch den ländlichen Raum kulturell weiter entwickeln. Ihre Nordhäuser Kollegin Birgit Keller pflichtet ihr bei und machte ihrerseits ein spannendes Verhältnis zwischen der kulturell übermächtigen Kreisstadt Nordhausen und den anderen Orten aus. Beispielsweise das liebevoll restaurierte Schloss Heringen sieht sie als einen neuen Schwerpunkt kulturpolitischer Anstrengungen.
Die kulturelle Bildung hoben beide als zentrale Aufgabe heraus und lobten das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger, ohne das in Zeiten leerer Kassen kaum noch etwas möglich wäre.
Der Projektleiter Dr. Patrick S. Föhl vom beauftragten Institut für Kulturpolitik und dessen Leiter Dr. Norbert Sievers stellten daraufhin erste Ergebnisse der bisherigen Arbeit vor. Als größte Herausforderung sehen sie wenig überraschend die demografische Entwicklung der Region. Es werden immer weniger Bewohner, die sind älter, es gibt zu den kulturellen Punkten eine relativ schlechte Verkehrsanbindung. Eine überdurchschnittlich hohe Armutsrate und mangelnde Jobs zwingen den Nordthüringern eine hohe Mobilität auf, um Berufe auszuüben. Das führt zu Stress, viele kulturell aktive Menschen pendeln unter der Woche oder wandern aus der Region ab.
In ersten Befragungen der Kulturschaffenden sprachen diese sich für eine Stärkung der Laienkulturarbeit vor Ort aus, die Konkurrenz gerade mit dem touristisch starken Ostharz solle bedacht oder partnerschaftlich aufgearbeitet werden. Wettbewerb oder Kooperation? Ist ein Wettbewerb mit einer so schlechten touristischen Infrastruktur wie in den untersuchten Landkreisen überhaupt möglich?
Die örtlichen Experten beschrieben in den Interviews Kulturknoten, deren hohes Identifikationspotenzial zu einer Ankerfunktion führt, an der andere sich andocken könnten. Das Bild des Ankers wurde noch oft gebraucht und gemeint sind bspw. das ohnehin schon die Landkreise verbindende Theater, der Kyffhäuser oder das Panoramamuseum Bad Frankenhausen. Die Darstellung und Aufarbeitung der vielfältigen Geschichte von der Kaiserpfalz und freien Reichsstadt über Bauernkriege bis hin zu den Gräueln der Nazizeit wurde auch benannt.
Eine wichtige Erkenntnis der Befragungen war außerdem, dass der Eindruck entsteht, alle Orte wollen alle Felder der Kultur gleichzeitig beackern. Eine mangelnde Kulturpolitik ohne Visionen wurde den Landkreisen für die jüngere Vergangenheit attestiert. Die mögliche Überlastung der Systeme befürchten viele und um Touristen über mehrere Tage in der Region zu halten fehle die notwendige Infrastruktur.
Dem könne mit koordinierenden Servicestellen Ehrenamt begegnet werden oder anderen neuen Strukturen, in denen die Kulturschaffenden neue Partner finden könnten. Die Einrichtung von Modellprojekten wurde ebenfalls vorgeschlagen.
In der Podiumsdiskussion der Politiker und Projektleiter mit den anwesenden gut fünfzig Vertretern von Institutionen und Vereinen waren sich alle einig, das es sehr wünschenswert ist, wenn die Macher vor Ort sich künftig stärker in Planungen einbringen könnten. Schwerpunkte sehen die Verantwortlichen in der Schaffung kultureller Modellprojekte und vor allem in der kulturellen Bildung. Eine kulturtouristische Entwicklung müsse sich aus Sicht aller interkommunal aufstellen. Christoph Matschie analysierte, dass die Entwicklung schwierig werden könnte, machte aber auch Mut und versicherte, dass Statistiken allein noch kein unabwendbares Schicksal darstellen und in einer klugen Zusammenführung der Angebote eine große Chance liegen kann.
Birgit Keller ergänzte, dass die beiden Landkreise vorgelegt hätten und der kommende Entwicklungsprozess nicht schmerzlos verlaufen würde, aber die derzeitige Vielfalt muss unbedingt erhalten werden. Antje Hochwind schätzte ein, dass eine gute Basis vorhanden sei, nun gelte es die neuen Potenziale zu erkennen und die Zusammenarbeit auszubauen.
Die Frage der Nordhäuser zweiten Beigeordneten Hannelore Haase, was denn nach der Kulturentwicklungskonzeption konkret vom Land zu erwarten sei, konnte Matschie heute nicht beantworten. Ihre Sondershäuser Kollegin Cornelia Kraffzick betonte, Kultur habe immer auch mit Finanzen zu tun und man müsse starke Punkte setzen wie es das Theater oder die Kreismusikschulen seien.
Minister Matschie versicherte, die kulturelle Bildung als Rückgrat der Entwicklung zu betrachten und dass das Land eben diese starken Anker in der Region auch zukünftig will.
Es bleibt noch viel zu tun in den nächsten Schritten der Konzeptentwicklung, aber der heutige Auftakt macht Mut, dass sich hier etwas entwickelt, was langfristig in der Region wirken und neue Impulse verleihen kann.
OLAF SCHULZE
Autor: nnzDer Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur verwies anfänglich auf die Leistungen aus dem Kulturlastenausgleich und darauf, dass der Freistaat nicht nur die regionalen Leuchttürme, sondern auch eine breite Basis kultureller Angebote fördern wolle. Es bedürfe aber eines langen Atems und eben solcher Konzepte wie diesem hier für die Landkreise Nordhausen und Kyffhäuser. Die sind sich in letzter Zeit immer näher gekommen, was auch ein Verdienst der beiden neuen Landrätinnen ist.
So lobte denn die Kyffhäuserin Antje Hochwind ausdrücklich die gute Kooperation mit dem Landkreis Nordhausen. Sie will bei aller Konzentration auf das wichtige Kyffhäuserdenkmal aber auch den ländlichen Raum kulturell weiter entwickeln. Ihre Nordhäuser Kollegin Birgit Keller pflichtet ihr bei und machte ihrerseits ein spannendes Verhältnis zwischen der kulturell übermächtigen Kreisstadt Nordhausen und den anderen Orten aus. Beispielsweise das liebevoll restaurierte Schloss Heringen sieht sie als einen neuen Schwerpunkt kulturpolitischer Anstrengungen.
Die kulturelle Bildung hoben beide als zentrale Aufgabe heraus und lobten das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger, ohne das in Zeiten leerer Kassen kaum noch etwas möglich wäre.
Der Projektleiter Dr. Patrick S. Föhl vom beauftragten Institut für Kulturpolitik und dessen Leiter Dr. Norbert Sievers stellten daraufhin erste Ergebnisse der bisherigen Arbeit vor. Als größte Herausforderung sehen sie wenig überraschend die demografische Entwicklung der Region. Es werden immer weniger Bewohner, die sind älter, es gibt zu den kulturellen Punkten eine relativ schlechte Verkehrsanbindung. Eine überdurchschnittlich hohe Armutsrate und mangelnde Jobs zwingen den Nordthüringern eine hohe Mobilität auf, um Berufe auszuüben. Das führt zu Stress, viele kulturell aktive Menschen pendeln unter der Woche oder wandern aus der Region ab.
In ersten Befragungen der Kulturschaffenden sprachen diese sich für eine Stärkung der Laienkulturarbeit vor Ort aus, die Konkurrenz gerade mit dem touristisch starken Ostharz solle bedacht oder partnerschaftlich aufgearbeitet werden. Wettbewerb oder Kooperation? Ist ein Wettbewerb mit einer so schlechten touristischen Infrastruktur wie in den untersuchten Landkreisen überhaupt möglich?
Die örtlichen Experten beschrieben in den Interviews Kulturknoten, deren hohes Identifikationspotenzial zu einer Ankerfunktion führt, an der andere sich andocken könnten. Das Bild des Ankers wurde noch oft gebraucht und gemeint sind bspw. das ohnehin schon die Landkreise verbindende Theater, der Kyffhäuser oder das Panoramamuseum Bad Frankenhausen. Die Darstellung und Aufarbeitung der vielfältigen Geschichte von der Kaiserpfalz und freien Reichsstadt über Bauernkriege bis hin zu den Gräueln der Nazizeit wurde auch benannt.
Eine wichtige Erkenntnis der Befragungen war außerdem, dass der Eindruck entsteht, alle Orte wollen alle Felder der Kultur gleichzeitig beackern. Eine mangelnde Kulturpolitik ohne Visionen wurde den Landkreisen für die jüngere Vergangenheit attestiert. Die mögliche Überlastung der Systeme befürchten viele und um Touristen über mehrere Tage in der Region zu halten fehle die notwendige Infrastruktur.
Dem könne mit koordinierenden Servicestellen Ehrenamt begegnet werden oder anderen neuen Strukturen, in denen die Kulturschaffenden neue Partner finden könnten. Die Einrichtung von Modellprojekten wurde ebenfalls vorgeschlagen.
In der Podiumsdiskussion der Politiker und Projektleiter mit den anwesenden gut fünfzig Vertretern von Institutionen und Vereinen waren sich alle einig, das es sehr wünschenswert ist, wenn die Macher vor Ort sich künftig stärker in Planungen einbringen könnten. Schwerpunkte sehen die Verantwortlichen in der Schaffung kultureller Modellprojekte und vor allem in der kulturellen Bildung. Eine kulturtouristische Entwicklung müsse sich aus Sicht aller interkommunal aufstellen. Christoph Matschie analysierte, dass die Entwicklung schwierig werden könnte, machte aber auch Mut und versicherte, dass Statistiken allein noch kein unabwendbares Schicksal darstellen und in einer klugen Zusammenführung der Angebote eine große Chance liegen kann.
Birgit Keller ergänzte, dass die beiden Landkreise vorgelegt hätten und der kommende Entwicklungsprozess nicht schmerzlos verlaufen würde, aber die derzeitige Vielfalt muss unbedingt erhalten werden. Antje Hochwind schätzte ein, dass eine gute Basis vorhanden sei, nun gelte es die neuen Potenziale zu erkennen und die Zusammenarbeit auszubauen.
Die Frage der Nordhäuser zweiten Beigeordneten Hannelore Haase, was denn nach der Kulturentwicklungskonzeption konkret vom Land zu erwarten sei, konnte Matschie heute nicht beantworten. Ihre Sondershäuser Kollegin Cornelia Kraffzick betonte, Kultur habe immer auch mit Finanzen zu tun und man müsse starke Punkte setzen wie es das Theater oder die Kreismusikschulen seien.
Minister Matschie versicherte, die kulturelle Bildung als Rückgrat der Entwicklung zu betrachten und dass das Land eben diese starken Anker in der Region auch zukünftig will.
Es bleibt noch viel zu tun in den nächsten Schritten der Konzeptentwicklung, aber der heutige Auftakt macht Mut, dass sich hier etwas entwickelt, was langfristig in der Region wirken und neue Impulse verleihen kann.
OLAF SCHULZE
