nnz-Forum: Zu früh gefreut?
Dienstag, 01. April 2014, 11:44 Uhr
Kein KO-Kriterium für die Biomethananlage wollten die EVN-Geschäftsführer Dörflinger und Göppel laut nnz vom 3. Februar in dem Vorhaben der Bundesregierung sehen, das Erneuerbare Energien-Gesetz zu überarbeiten. Allerdings konstatierten sie damals eine Berührung ihres Projekts. Dazu die Wortmeldung eines Lesers der nnz...
Es scheint also so zu sein, dass noch lange nicht alle Messen gesungen sind, was das aberwitzige Versiegelungs-, Lärm- und auch ansonsten unökologische Vorhaben betrifft und dass den Strategen die Angst um die zu erwartenden Profite im Nacken sitzt.
Wenn selbst die konservative Bundesregierung mit ihrem der Wirtschaft zutiefst ergebenen Minister Gabriel bisher nichts an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber einem weiteren Ausbau der Biogasanlagen geändert hat, so spricht dies Bände. Immerhin ist die altehrwürdige Akademie der Naturforscher Leopoldina aus Halle zur deutschen Nationalakademie erkoren worden.
Sie berät auch die Bundesregierung und brachte, wie die nnz-Leser wissen, im vergangenen Jahr ein kritisches Papier gegen die Verbrennung von Nahrungspflanzen zur Lösung von Energieproblemen heraus. Dass dieses Gutachten (http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=114034), welches ich seinerzeit in der nnz zur Diskussion stellte, von der EVN und den mit ihr kooperierenden Vertretern von Fachhochschule und Rathaus praktisch vom Tisch gewischt wurde, lässt keinesfalls auf ein Denken in Kategorien wahrer Nachhaltigkeit schließen, sondern eher auf das Primat rein ökonomischer Ziele und wohl auch gut funktionierender Seilschaften.
Doch das Leopoldina-Papier scheint man zumindest in Berlin mit anderen Augen zu sehen: So schrieb der Tagesspiegel gestern in seiner Onlineausgabe: Und auch die massive Einschränkung des Ausbaus von Biogasanlagen ist bisher nicht korrigiert worden, obwohl sich dagegen unter anderen Bayern und Thüringen wehren. Der EEG- Entwurf sieht einen jährlichen Ausbau von Biogasanlagen von 100 Megawatt vor, und die auch nur, wenn sie mit Rest- und Abfallstoffen Strom erzeugen und nicht mehr mit extra dafür angebautem Mais. (http://www.tagesspiegel.de/politik/energiewende-deutsche-ausnahmen/9695562.html)
Diese Anti-Maishaltung deckt sich mit den Inhalten des Berichts Zur Lage der Natur in Deutschland, aktuell herausgegeben vom Bundesumweltministerium. Darin wird Position gegen eine ganz besonders pestizid-, wasser- und düngerintensive Maiswirtschaft bezogen, u.a. weil diese das allgemeine Artensterben weiter voranbringt.
Wenn Biomethananlagen so viel mit Nachhaltigkeit zu tun hätten, wie man im provinziellen Nordhausen gern propagiert, hätten die Bundesregierung und zahlreiche Wissenschaftler sowie Umweltverbände gewiss weniger Bedenken. Gern wird ignoriert, dass der ökologische Fußabdruck des Menschen nur real ermittelt werden kann, wenn jeder, und ich meine wirklich jeder einzelne Einflussfaktor im Zuge wirtschaftlicher Erschließungen einbezogen wird.
Das bedeutet z.B. auch die Energiebilanzen und den Ressourcenverbrauch zur Herstellung und zum Betrieb der Anlage selbst und der LKW mit einzubeziehen, die die Anlage beliefern, jene für die Herstellung der notwendigen Agrochemikalien, die von der Anlage verursachte Bodenversiegelung und Artenverluste, die Veränderung des Wasserhaushalts, u.s.w.
Von einer so genauen Aufstellung las ich bisher nichts seitens der Planer. Die Natur aber ist ein geschlossenes System und kein offenes. Das vergessen wir oft. Was passiert, wenn all diese Faktoren außen vor gelassen werden, präsentiert uns die ökologische Gesamtsituation der Erde auf dramatische Weise. Das IPCC warnte in Yokohama erst jüngst wieder mit eindringlichen Worten.
Wir müssen sehr schnell lernen, die von uns geschaffenen, die Menschheit bedrohenden Umweltprobleme durch Maßhalten zu lösen und nicht durch die Schaffung neuer, auch in Nordhausen. Biomethananlagen sind in dieser oder jener Form also überall und derartige Planer, wie wir sie haben, leider auch.
Bodo Schwarzberg
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Es scheint also so zu sein, dass noch lange nicht alle Messen gesungen sind, was das aberwitzige Versiegelungs-, Lärm- und auch ansonsten unökologische Vorhaben betrifft und dass den Strategen die Angst um die zu erwartenden Profite im Nacken sitzt.
Wenn selbst die konservative Bundesregierung mit ihrem der Wirtschaft zutiefst ergebenen Minister Gabriel bisher nichts an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber einem weiteren Ausbau der Biogasanlagen geändert hat, so spricht dies Bände. Immerhin ist die altehrwürdige Akademie der Naturforscher Leopoldina aus Halle zur deutschen Nationalakademie erkoren worden.
Sie berät auch die Bundesregierung und brachte, wie die nnz-Leser wissen, im vergangenen Jahr ein kritisches Papier gegen die Verbrennung von Nahrungspflanzen zur Lösung von Energieproblemen heraus. Dass dieses Gutachten (http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=114034), welches ich seinerzeit in der nnz zur Diskussion stellte, von der EVN und den mit ihr kooperierenden Vertretern von Fachhochschule und Rathaus praktisch vom Tisch gewischt wurde, lässt keinesfalls auf ein Denken in Kategorien wahrer Nachhaltigkeit schließen, sondern eher auf das Primat rein ökonomischer Ziele und wohl auch gut funktionierender Seilschaften.
Doch das Leopoldina-Papier scheint man zumindest in Berlin mit anderen Augen zu sehen: So schrieb der Tagesspiegel gestern in seiner Onlineausgabe: Und auch die massive Einschränkung des Ausbaus von Biogasanlagen ist bisher nicht korrigiert worden, obwohl sich dagegen unter anderen Bayern und Thüringen wehren. Der EEG- Entwurf sieht einen jährlichen Ausbau von Biogasanlagen von 100 Megawatt vor, und die auch nur, wenn sie mit Rest- und Abfallstoffen Strom erzeugen und nicht mehr mit extra dafür angebautem Mais. (http://www.tagesspiegel.de/politik/energiewende-deutsche-ausnahmen/9695562.html)
Diese Anti-Maishaltung deckt sich mit den Inhalten des Berichts Zur Lage der Natur in Deutschland, aktuell herausgegeben vom Bundesumweltministerium. Darin wird Position gegen eine ganz besonders pestizid-, wasser- und düngerintensive Maiswirtschaft bezogen, u.a. weil diese das allgemeine Artensterben weiter voranbringt.
Wenn Biomethananlagen so viel mit Nachhaltigkeit zu tun hätten, wie man im provinziellen Nordhausen gern propagiert, hätten die Bundesregierung und zahlreiche Wissenschaftler sowie Umweltverbände gewiss weniger Bedenken. Gern wird ignoriert, dass der ökologische Fußabdruck des Menschen nur real ermittelt werden kann, wenn jeder, und ich meine wirklich jeder einzelne Einflussfaktor im Zuge wirtschaftlicher Erschließungen einbezogen wird.
Das bedeutet z.B. auch die Energiebilanzen und den Ressourcenverbrauch zur Herstellung und zum Betrieb der Anlage selbst und der LKW mit einzubeziehen, die die Anlage beliefern, jene für die Herstellung der notwendigen Agrochemikalien, die von der Anlage verursachte Bodenversiegelung und Artenverluste, die Veränderung des Wasserhaushalts, u.s.w.
Von einer so genauen Aufstellung las ich bisher nichts seitens der Planer. Die Natur aber ist ein geschlossenes System und kein offenes. Das vergessen wir oft. Was passiert, wenn all diese Faktoren außen vor gelassen werden, präsentiert uns die ökologische Gesamtsituation der Erde auf dramatische Weise. Das IPCC warnte in Yokohama erst jüngst wieder mit eindringlichen Worten.
Wir müssen sehr schnell lernen, die von uns geschaffenen, die Menschheit bedrohenden Umweltprobleme durch Maßhalten zu lösen und nicht durch die Schaffung neuer, auch in Nordhausen. Biomethananlagen sind in dieser oder jener Form also überall und derartige Planer, wie wir sie haben, leider auch.
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Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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