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Fragwürdige Aufforstung

Freitag, 28. März 2014, 06:47 Uhr
Dass es in weiten Teilen des Naturparkes Südharz seit der Wende zu massiven Verlusten bei Trocken- und Halbtrockenrasen vor allem durch Nutzungsaufgabe gekommen ist, ist bekannt. Trotz genügender Gesetze und Vorschriften...

Fragwürdige Aufforstung (Foto: Bodo Schwarzberg) Fragwürdige Aufforstung (Foto: Bodo Schwarzberg)

An dieser Tendenz konnten auch einige Paragraphen im Thüringer Naturschutzgesetz, die FFH-Richtlinie der EU mit ihrem Verschlechterungsverbot, wenigstens zum Teil auch die Pflegerichtlinien für Schutzgebiete und auch die Biodiversitätsstrategien Thüringens und des Bundes sowie verschiedene Pflegeprogramme insgesamt bisher nur wenig ändern.

Der neu gegründete Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser bzw. dessen Projekte beginnen gegenwärtig, auch auf einigen größeren Flächen regional eine Trendumkehr anzuschieben.

Ein zu unkritischer Einsatz der Rinderweide auf sensiblen Flächen (siehe nnz zum Thema Flechten), die inkonsequente Umsetzung von Pflegeprogrammen oder auch Aufforstungen können positive Entwicklungen stellenweise jedoch auch ins Gegenteil verkehren.

Das obige Foto entstand gestern an einem verbuschenden Halbtrockenrasen zwischen Buchholz und Neustadt. Jemand hat vollkommen standortfremde Fichten angepflanzt und dessen "Schicksal" so möglicherweise endgültig besiegelt. Damit wird die Vernichtung der nach Thüringer Naturschutzgesetz geschützten Halbtrockenrasen an dieser Stelle nicht nur weiter vorangetrieben. Auch eine Erhaltung dieses Landschaftsausschnittes in seiner regional typischen Eigenart ist auf diese Art gewiss nicht möglich.

Ähnliches geschah vor wenigen Jahren auch am Weg von Woffleben in Richtung Gedenkstätte Dora am Hagenberg (ebenfalls mit Fichte), wodurch ein Standort der gefährdeten Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) vernichtet wurde. Schlimm genug schon, dass gerade kleinere Halbtrockenrasen nur sehr selten noch einmal die Chance haben, wieder extensiv bewirtschaftet zu werden.

Derartige Aufforstungen mit standortfremden Gehölzen aber widersprechen den Zielen des Naturschutzes im Freistaat Thüringen und auch darüber hinaus noch zusätzlich. Sie verstärken die bisherige, negative Tendenz. Nicht jeder Quadratmeter in Deutschland sollte zudem einem Drang nach Gewinn unterliegen müssen. Vielleicht hat die Untere Naturschutzbehörde Möglichkeiten, um derartigen Entwicklungstendenzen Einhalt zu gebieten, zum Beispiel auch im hier dargestellten Fall.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

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