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Geplant oder überrascht?

Donnerstag, 27. März 2014, 19:15 Uhr
320.000 Euro sollen noch in diesem Jahr in die Erneuerung von Brandschutzmaßnahmen im Nordhäuser Theater investiert werden. Was aber genau soll umgebaut werden. Die nnz auf Spurensuche im Musentempel...

Uralt-Technik (Foto: nnz) Uralt-Technik (Foto: nnz)
Wie aus einer anderen Welt: das ist ein Teil der "Sprühflutanlage" für die Hauptbühne

Der Finanzausschuss des Nordhäuser Stadtrates hatte am Montag "grünes Licht" für die Maßnahme gegeben. Konkret muss der städtische Haushalt mit 190.000 Euro als überplanmäßige Ausgabe belastet werden, der "Rest" sind Fördermittel des Landes Thüringen sowie Eigenmittel des Theaters (siehe nnz-Archiv).

Bei dem heutigen Rundgang durch das Theater erläuterte Intendant Lars Tietje die Notwendigkeit der Umbauten. "Die Mängel waren immer bekannt, wurden aber vorher offensichtlich anders bewertet. Das hängt möglicherweise mit den sich ständig weiterentwickelnden Standards und Vorschriften im Brandschutz zusammen, möglicherweise aber auch mit Personalveränderungen und dem damit verbundenen aktuelleren Sachstand bei der Nordhäuser Berufsfeuerwehr", sagt Tietje im Gespräch mit der nnz.

Hier eine notwendige Brandschutztür, da ein zweiter Rettungsweg, dort ein Rauchabzug - bislang galt das bei den zweijährigen Begehungen immer als durch den Brandschutz gedeckt. Im Dezember dann die Kehrtwende - das Bekannte wird als gravierender Mangel eingeschätzt und das Theater wurde gebeten, die Mängel abzustellen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die Mängel durch Personalschulung und durch mehr Brandschutzwachen kompensiert werden. Die Alternative wäre die Schließung des zweiten Rangs und des Theater unterm Dach (TuD). Unvorstellbar und unverständlich, warum hier das Bauordnungsamt der Nordhäuser Stadtverwaltung nicht in den zurückliegenden Jahren gehandelt hat.

Das muss alles verschlossen werden (Foto: nnz) Das muss alles verschlossen werden (Foto: nnz)
Bögen müssen geschlossen werden

Beispiel 2. Rang: Hier müssen die Bögen zum Treppenhaus geschlossen, Brandschutztüren eingebaut und mit einem Podest vor den eigentlichen Stufen versehen werden. Vorstellbar ist eine Art gläserner Vorbau. Ziel ist, die beiden Treppenhäuser vom 2. Rang nach unten rauchdicht verschließen zu können.

Beispiel TuD: Die Haupttreppe vom Eingang bis hinauf zum Theater unterm Dach muss umgebaut werden, sie muss abgeschlossen sein. Das wiederum erfordert den Einbau von Brandschutztüren und eines Rauchabzuges, der bislang nicht vorhanden war.

Uralt-Technik (Foto: nnz) Uralt-Technik (Foto: nnz)
Technik aus grauen Vorzeiten

Das sind nur einige Beispiele, die deutlich machen, dass vermutlich beim Brandschutz nicht so genau hingeschaut wurde oder dass sich im Verlaufe von zwei Jahren die Brandschutzbestimmungen gravierend geändert haben müssen. Bei der Nordhäuser Stadtverwaltung diesbezüglich nachgefragt, heißt es von dort: "Auf Grund der im Laufe der Zeit geänderten Rechtsvorschriften und dem daraus resultierend gestiegenen Sicherheitsniveau für Gebäude, wurden im Theater in den letzten Jahren in Abhängigkeit der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel brandschutztechnische Maßnahmen realisiert. Auch in diesem Jahr hat das Theater zur Erhöhung des Sicherheitsniveaus wieder die Realisierung von brandschutztechnischen Maßnahmen geplant." Das liest sich wie eine geplante Maßnahme, dem aber steht die als "überplanmäßig" titulierte Ausgabe von 190.000 Euro diametral gegenüber. Im Doppelhaushalt 2013/14 war vermutlich nichts zu entdecken.

Wie dem auch sei, es ist wichtig, die Maßnahmen zu realisieren, denn eigentlich ist der Begriff "Brandschutz" nicht ganz so korrekt, denn es müsste heißen "Menschenschutz".
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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