Die Buckower Elegien des B. B.
Montag, 24. März 2014, 07:33 Uhr
Am Samstagnachmittag steht Bertolt Brecht (1898-1956) in Limlingerode mit seiner Lyrik auf dem Programm. Nach seiner Rückkehr aus dem amerikanischen Exil hatte er sich nach einigem Hin und Her in Ostberlin niedergelassen...
Das Künstlerpaar Brecht/Weigel suchte sich dann in der spannungsreichen Zeit der beginnenden 1950er-Jahre einen ruhigen Ort, um sich von Zeit zu Zeit von den aufwühlenden künstlerischen und politischen Debatten zurückziehen zu können, um sich ungestört auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
Einige Monate wollten sie an einem stillen, von Wald umgebenen Landstück an einem See leben, wie sie es im Exil in Finnland kennengelernt hatten. In Buckow wurde das Paar fündig. Das Anwesen hatte bis 1943 einem verstorbenen Bildhauer gehört.
Im Frühling 1952 führten Brecht und die Weigel erste Besucher durch ihr renoviertes Anwesen. Helene Weigel bezog die Eiserne Villa. Im Erdgeschoss neben der Halle wurden die Küche und eine Bibliothek eingerichtet, im Obergeschoss Schlaf- und Gästezimmer. Die Halle mit Ausgang in den Garten und zum See diente als Speisezimmer und Platz für Geselligkeit und geistigen Austausch mit Freunden und Mitarbeitern. Brecht zog zum Wohnen und ungestörten Arbeiten in das kleinere Gärtnerhaus.
Seine Arbeitsräume stattete der Dichter nur mit Tisch und Stuhl auf den bloßen Dielen aus, mit zwei Sesseln auf der Veranda, mit Büchern und einem chinesischen Rollbild. Er legte sich einen Spazierstock zu, trug weiße Tennisschuhe und freute sich über jeden neu entdeckten Winkel, jeden Baum und Strauch in seinem Garten. Die Schauspielerin und Intendantin am Berliner Ensemble, Helene Weigel, las zur Entspannung von ihrer Theaterarbeit Berge von Kriminalromanen, durchstreifte die Wälder auf der Suche nach Pilzen, kochte und legte Patiencen.
Die Gespräche mit den Gästen, den Regisseuren, Schauspielern, Musikern und Schriftstellern, genossen beide, jedoch achtete die Weigel darauf, dass Brechts Arbeitsruhe nicht allzu sehr gestört wurde.
Im Jahr 1953 entstanden die Buckower Elegien mit dem Eingangsgedicht Ginge da ein Wind … In diesem Gedichtzyklus, im Juli/August verfasst, reflektiert er mit Poesie über die Ereignisse des 17. Juni, worauf in Limlingerode ausführlich hingewiesen wird. Der Zyklus besteht aus 22 Gedichten, die allerdings wegen ihrer Brisanz erst nach und nach veröffentlicht wurden. Zur Beschreibung der Verhältnisse unter den Menschen diente ihm auch hier die Natur. Wie so häufig, verblüfft Brecht mit seiner Denkart, mit seiner Sichtweise. Ein abwechslungsreicher Nachmittag ist also in der Dichterstätte Sarah Kirsch angesagt.
Heidelore Kneffel
Dichterstätte Sarah Kirsch, Limlingerode, 29. März, ab 14.30 Uhr
Autor: redDas Künstlerpaar Brecht/Weigel suchte sich dann in der spannungsreichen Zeit der beginnenden 1950er-Jahre einen ruhigen Ort, um sich von Zeit zu Zeit von den aufwühlenden künstlerischen und politischen Debatten zurückziehen zu können, um sich ungestört auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
Einige Monate wollten sie an einem stillen, von Wald umgebenen Landstück an einem See leben, wie sie es im Exil in Finnland kennengelernt hatten. In Buckow wurde das Paar fündig. Das Anwesen hatte bis 1943 einem verstorbenen Bildhauer gehört.
Im Frühling 1952 führten Brecht und die Weigel erste Besucher durch ihr renoviertes Anwesen. Helene Weigel bezog die Eiserne Villa. Im Erdgeschoss neben der Halle wurden die Küche und eine Bibliothek eingerichtet, im Obergeschoss Schlaf- und Gästezimmer. Die Halle mit Ausgang in den Garten und zum See diente als Speisezimmer und Platz für Geselligkeit und geistigen Austausch mit Freunden und Mitarbeitern. Brecht zog zum Wohnen und ungestörten Arbeiten in das kleinere Gärtnerhaus.
Seine Arbeitsräume stattete der Dichter nur mit Tisch und Stuhl auf den bloßen Dielen aus, mit zwei Sesseln auf der Veranda, mit Büchern und einem chinesischen Rollbild. Er legte sich einen Spazierstock zu, trug weiße Tennisschuhe und freute sich über jeden neu entdeckten Winkel, jeden Baum und Strauch in seinem Garten. Die Schauspielerin und Intendantin am Berliner Ensemble, Helene Weigel, las zur Entspannung von ihrer Theaterarbeit Berge von Kriminalromanen, durchstreifte die Wälder auf der Suche nach Pilzen, kochte und legte Patiencen.
Die Gespräche mit den Gästen, den Regisseuren, Schauspielern, Musikern und Schriftstellern, genossen beide, jedoch achtete die Weigel darauf, dass Brechts Arbeitsruhe nicht allzu sehr gestört wurde.
Im Jahr 1953 entstanden die Buckower Elegien mit dem Eingangsgedicht Ginge da ein Wind … In diesem Gedichtzyklus, im Juli/August verfasst, reflektiert er mit Poesie über die Ereignisse des 17. Juni, worauf in Limlingerode ausführlich hingewiesen wird. Der Zyklus besteht aus 22 Gedichten, die allerdings wegen ihrer Brisanz erst nach und nach veröffentlicht wurden. Zur Beschreibung der Verhältnisse unter den Menschen diente ihm auch hier die Natur. Wie so häufig, verblüfft Brecht mit seiner Denkart, mit seiner Sichtweise. Ein abwechslungsreicher Nachmittag ist also in der Dichterstätte Sarah Kirsch angesagt.
Heidelore Kneffel
Dichterstätte Sarah Kirsch, Limlingerode, 29. März, ab 14.30 Uhr


