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Die Geschichte eines Brunnens

Mittwoch, 12. März 2014, 10:53 Uhr
Fritz Schmalz beschäftigte sich gewissenhaft mit Heimatgeschichte. Als er 1945 über die Trümmer seiner Heimatstadt Nordhausen stieg, konnte er sich nur durch Inschriften an Hausruinen orientieren. Den Überlebenden, Zugezogenen und nachwachsenden Generationen wollte er zeigen, wie die Stadt vor ihrer Zerstörung ausgesehen hat. Kurt Frank war mit ihm befreundet...

Brunnen (Foto: Archiv/Fritz Schmalz) Brunnen (Foto: Archiv/Fritz Schmalz) Wie der Brunnen ausgesehen haben könnte, vermittelt eine Zeichnung in „Rieme und Biller“von 1859. Im Jahre 1908 wurde der Brunnen entfernt.

Nordhausen. Akribisch sammelte Schmalz alte Fotos und Postkarten für sein Buch „Alt-Nordhausen“. Auch über einen Brunnen im Gehege wusste er Interessantes zu berichten.

Man schrieb das Jahr 1858. Die Buchen warfen sich wieder in ein grünes Kleid. In wenigen Wochen wird das erneut so sein. Ein Grund mehr, das Naherholungsgebiet aufzuwerten. Für die Mitglieder des Gehege-Vereins war damals die Zeit des täglichen Frühsports gekommen. Sie beschlossen, einen Brunnen graben zu lassen.

Eine Wasserleitung für die Gehege-Wirte gab es seinerzeit noch nicht. Sie sollten, war ein Anliegen, einwandfreies Wasser zum Kaffee kochen erhalten. Das aufgefangene Regenwasser war es nicht immer. Zum anderen wollten sich die Sportler während ihrer Übungen selbst mit einem frischen Schluck laben. Auch an Spaziergänger war gedacht.

Der Brunnen entstand auf eigene Kosten und war ab Juni 1858 benutzbar. Mit einem großen Fest weihte man ihn am 15. August ein. Die Wirte spendierten großzügig Bier. Nicht überliefert ist, welche Nordhäuserin für den Namen „Hulda-Brunnen“ Pate stand.

Schon damals, bemerkte Fritz Schmalz in seinen Aufzeichnungen, habe es Halbstarke in der Stadt gegeben. Man befürchtete, dem Brunnen könnte Gewalt angetan werden. Männer des Gehege-Vereins spielten mit dem Gedanken, ihn zu verschließen. Sie verwarfen die Idee aber wieder. Jeder Bürger sollte sich uneingeschränkt mit Trinkwasser bedienen können.

Oft werde von alten Nordhäusern behauptet, bemerkt Heimatforscher Schmalz in seinen Aufzeichnungen, der Hulda-Brunnen habe sich direkt auf dem Gehegeplatz befunden. Dem sei aber nicht so gewesen. Das ergebe sich aus Beschreibungen in der Illustrierten „Rieme und Biller“ von 1859, aus einer Anlage des Nordhäuser Adressbuches von 1863 und aus der Schrift „Nordhausen und Umgebung“ aus dem Jahre 1891.

Genaueste Kenntnis über seinen Standort, schreibt Fritz Schmalz, erhalte man aber beim Betrachten des 1891 im Verlag Wimmers Buchhandlung erschienenen Stadtplanes. Dort sehe man den Brunnen etwa gegenüber der erst viel später erbauten Bingerhoftreppe, die zum Gehege gehörte.

Damals bestand die direkte Bergauf-Verbindung jetzige gesperrte Treppe zur Alexander-Puschkin-Straße noch nicht. Ein Fußweg führte neben der Rotleimmühle über den Mühlgraben, so dass die Bewohner der Mühle ihr Trinkwasser vom Hulda-Brunnen holen konnten.
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