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Wochenendbetrachtung

Sonntag, 09. März 2014, 13:11 Uhr
Gestern erlebten wir Nordhausen an einem normalen März-Samstag. Nichts außergewöhnliches - sehen wir mal vom Frauentag ab - und doch bemerkenswert. Lesen Sie eine persönliche Betrachtung von Olaf Schulze.

Vor dem Theater reihen sich die Busse aus Niedersachsen dicht an dicht, während drinnen die Operette „Der Vogelhändler“ einen umjubelten Abend im ausverkauften Haus feiert.

Nur wenige Schritte weiter eröffnet der Oberbürgermeister im Kunsthaus die Ausstellung „Die Kunst ist weiblich“ mit Werken starker Frauen, darunter Exponate von der Ehrenbürgerin Ilsetraut Glock und vier aktuellen Nordhäuser Küsterinnen. Auch hier sind die Räume gut gefüllt.

Nordhausens zweiter Bürgermeister sitzt zur gleichen Zeit mit 2200 anderen Sportbegeisterten in der ausverkauften Wiedigsburghalle und feuert am Frauentag die Damen des Thüringer HC an, die unter anderem die Welthandballerin zu Gast haben und sich vor der beeindruckenden Kulisse tapfer schlagen.

In der Cyriaci-Kapelle treten lebende Legenden aus den USA auf, die vormals als MOTHERS OF INVENTION die Konzerthallen der Welt füllten und heute den Nordhäuser Jazzfrühling mit Musik des genialen Frank Zappa veredeln.

300 Meter weiter veranstaltet ein junger Mann mit großem Herz in der Destille eine Benefizparty für ein Kinderhospiz und in der Altstadt bejubeln über 100 Frauen ein Musikkabarett im Tabakspeicher.

Knapp 350 km entfernt kämpft die Boxstaffel des NSV in der ersten Bundesliga in Frankfurt und sorgt dort für Aufmerksamkeit.

Nur wenige Stunden später werden die erfolgreichen Fußballer von Wacker Nordhausen ein weiteres Heimspiel in der Regionalliga Nordost vor wenigstens 1000 Zuschauern bestreiten.

Ich weiß nicht, welche Kreisstadt in der weiteren Umgebung ähnliches zu bieten hat, wo es solche kulturellen und auch sportlichen Höhepunkte gibt. Und ich denke, dass wir sehr stolz darauf sein können, was hier in den letzten Jahren gewachsen ist.

Wenn nun auch unsere Lokalpolitiker über diese Errungenschaften sprechen und sich daran erfreuen würden, anstatt dauernd über Kosten zu jammern und egoistische Intrigen gegeneinander in aller Öffentlichkeit zu führen, dann könnte so ein Wochenende in Nordhausen richtungsweisend sein, dann wäre es ein Indiz dafür, dass eine traditionsreiche Stadt angekommen ist in dieser unserer Bundesrepublik. Und wenn zum Wohle der Stadt endlich wieder Sachinteressen über privaten Befindlichkeiten stünden, wäre auch die Außendarstellung der Stadt eine wesentlich bessere.

Dann könnte sogar darüber nachgedacht werden, ob ein solches Wochenende nicht auch geeignet wäre, Touristen in die Stadt zu locken. Vorzeigenswert ist Nordhausen schon seit 10 Jahren.

Allerdings gibt es das alles nicht zum Nulltarif. Weder das kulturelle und sportliche Angebot noch einen nennenswerten Tourismus. Und bei allen berechtigten Sparbemühungen im Rathaus darf nicht vergessen werden, dass genau an dieser Stelle investiert werden muss. Eine Pflanze, die nicht gegossen wird, geht wieder ein. Und das wäre doch schade um das zarte Pflänzchen, das hier in Nordhausen entstanden ist.
Autor: nnz

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