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Täglich Frühsport im Gehege

Sonntag, 09. März 2014, 12:28 Uhr
Es gab Zeiten, schrieb Heimatforscher Fritz Schmalz, da sah das Gehege zur Sommerzeit täglich etliche Männer beim Frühsport. Es waren Mitglieder des Gehege-Vereins, die mit Leibesübungen Körper und Geist stärkten. Ein weiterer Beitrag aus der Serie Heimatgeschichte und Gegenwart von Kurt Frank...

Turnplatz (Foto: Kurt Frank) Turnplatz (Foto: Kurt Frank)
Ein Gedenkstein im Gehege unweit der Gaststätte „Sonneneck“erinnert an den ersten Turnplatz in Nordhausen und an den Turnvater Friedrich Ludwig Jahn. Ein Grund mehr, es wieder einladender herzurichten.

Nordhausen. An das einstige sportliche Naherholungsgebiet erinnert heute noch ein Gedenkstein. Und an den Turnvater Friedrich Ludwig Jahn. Es ist ein beeindruckender Felsblock aus Granit, den man aus der Brocken-Gegend herbeischaffte. Auf der Vorderseite steht in einem Eichenkranz das Turnerzeichen, das vierfache F für frisch, fromm, fröhlich, frei und „1817 – 1819 Turnplatz“.

Hier war der erste Turnplatz Nordhausens. Freunde dieser Sportart errichteten den Stein im Jahre 1900. Zum 100.Todestag von Friedrich Ludwig Jahn ließ der damalige Rat des Kreises, Komitee für Körperkultur und Sport, am 15. Oktober 1952 eine Gedenktafel anbringen. Wer war Friedrich Ludwig Jahn?

Am 11. August 1778 in der Mark Brandenburg als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren, genoss der Junge viele Freiheiten. Erst mit 14 Jahren, Jahn ist ein kräftiger Bursche, erblickt er eine Schule von innen. Nachdem er etliche Bildungseinrichtungen erfolglos hinter sich brachte, sieht ihn eine Universität.

Nach mehreren Jahren und Ärger mit den Professoren verließ er sie. Ohne Abschluss. Schließlich landete er als Hilfslehrer in Berlin, wo er die Turnerei populär machte und 1810 den „Deutschen Bund“, den Vorläufer der Burschenschaften, gründete. Die Befreiung Deutschlands von der französischen Herrschaft und die nationale Einheit Deutschlands waren oberstes Ziel.

Das Büchlein „Deutsches Volkstum“ wird nach 1815 Pflichtlektüre in den Burschenschaften. Zitat: „Jeder Bursche müsse sich deutsch ausbilden für Volk und Vaterland“. Leichtathletische Übungen sollten Schnelligkeit und Geschicklichkeit fördern. Schon bald trieb man Sport der Freude und des Spaßes wegen.

Am 18. Juni 1811 eröffneter Jahn den ersten deutschen Turnplatz bei Berlin. Mit dem Motto „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ machte er Übungen am Barren und Reck populär. 1817 turnten 12 000 Männer in 150 örtlichen Vereinen. Gegner entfachten die sogenannte Turnerfehde. Gegen Ende 1817 verboten, war Turnen erst in den 40er Jahren wieder erlaubt.

Der Turnvater – sein politisches Engagement hatte ihn bei der Obrigkeit verdächtig gemacht - saß mehrere Jahre im Gefängnis. Friedrich Wilhelm der IV amnestierte ihn 1840. Jahn erhielt das „Eiserne Kreuz“. In die Nationalversammlung der Frankfurter Paulskirche gewählt, blieb er Abgeordneter bis zu ihrer Auflösung. Er starb am 14. Oktober 1852.

Wegen der nationalistischen und mutmaßlich antisemetischen Einstellung Jahns gibt es auch Kritik. In Berlin soll es eine Initiative geben, die für die Umbenennung des Jahn-Sportparkes in Prenzlauer Berg eintritt. Als Gegenargument wird angeführt, dass Jahn als Kind seiner Zeit gesehen werden müsse. So sieht das auch die Obrigkeit hierzulande.
Kurt Frank
Autor: red

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