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Nordhausen siegte in Leinefelde

Sonntag, 09. März 2014, 08:30 Uhr
Der 4. Cup ""An der Leinequelle“ der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis , bei dem acht Mannschaften aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung aus Thüringen und Niedersachsen im freundschaftlichen Fußball-Wettkampf um Plätze und Pokale spielten, hat seine Sieger....

Turnier Lebenshilfe (Foto: Gisela Reinhardt) Turnier Lebenshilfe (Foto: Gisela Reinhardt)

Landrat Werner Henning eröffnete das Turnier.

Es war auch in diesem Jahr wieder ein besonderer Höhepunkt im Fußballeben der psychisch kranken und geistig behinderten Menschen. Schon am frühen Morgen reisten die Mannschaften der Nordthüringer Lebenshilfe aus Nordhausen, der Göttinger Werkstätten, der Vogtlandwerkstätten Naitschau Langenwetzendorf, des CJD Erfurt, des ASB Holzland Bad-Klosterlausnitz, der Lebenshilfe Otto 10 Erfurt, der Mühlhäuser Werkstätten und der Gastgebermannschaft der Werkstatt der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis an.

Zur Eröffnung begrüßten Geschäftsführung und Vorstand der Lebenshilfe die Gäste und wünschten den Wettkämpfen einen guten Verlauf. Den Ehrenanstoß nahm Landrat Werner Henning vor, der sich schon zu Beginn sicher war, dass es heute nur Sieger geben würde. Aufgeregt und voller Freude starteten die Fußballspieler.

Es war ein von Kampfgeist und Siegeswillen geprägter
Spieltag. Edgar Müller und Michael Kohl, die sich als Schiedsrichter abwechselten waren voller Lob. Es gab keine Beschimpfungen, keine Diskussionen und weder gelbe noch rote Karten. Sie wurden beide in hohem Maße respektiert und all ihre Entscheidungen wurden ohne Murren akzeptiert. Uwe Becker (50) von der Nordthüringer Lebenshilfe bekam eine 2-Minutenstrafe und berichtete hinterher, dass der Schiedsrichter zu ihm gesagt hat: Je oller, um so doller. "Ich bin ja auch schon 50, da könnte man mehr Vernunft erwarten, aber manchmal geht der Spieleifer mit mir durch.“

Als ein besonderer Schützenkönig zeigte Denny Kunze von den Vogtlandwerkstätten sein Können, der passgenau eine Flasche vor der Zuschauertribüne traf und sie mit einem Schuss in 1000 Scherben zerspringen ließ. Das Spiel wurde unterbrochen und viele fleißige Hände sammelten Glassplitter auf, wischten und fegten. Beim 5. Cup wird es nur noch Plastikflaschen geben.

Ein besonderes Highlight am Frauentag war Janett Körnig, die einzige weibliche Fußballerin von der Mannschaft der Holzlandwerkstätten. Im normalen Leben arbeitet sie in einer Montage – und Verpackungsgruppe im Sanitärbereich ihrer Werkstatt. Ihre Mannschaftskollegen finden es völlig normal, Janett in ihren Reihen zu haben. „Wir geben auch Mädels, die sich für Fußball interessieren eine Chance, mitzumachen.“ In überzeugtem Mannschaftsgeist sagt Janett: „Ich ziehe mich sogar bei den Jungs in der Kabine mit um. Gemeinsames Duschen gehört aber nicht dazu." Die Jungs sagen stolz:“Wir sind schließlich eine Mannschaft, uns macht das nichts aus, sie gehört zu uns.“

Lothar Nerlich, einer der Trainer der Mannschaft
ergänzt: „Manchmal können die Mädchen besser spielen, als die Jungs.“ Lothar Nerlich, 71 Jahre alt, war früher selbst aktiver Fußballer beim „SV Motor Hermsdorf“. Sein Geld hat er 40 Jahre als Lehrer für Mathematik und Wirtschaft und Technik an einer Regelschule verdient. Seit 10 Jahren trainiert er die Fußballmannschaft ehrenamtlich und gibt sein Wissen und seine Erfahrungen weiter.

Unsere Menschen mit Behinderung sind manchmal pflegeleichter, als junge Menschen ohne Behinderung. Sie sind höflich und voller Respekt und Anerkennung mit gegenüber. Natürlich muss man sich auf Spieler mit geistiger Behinderung auch entsprechend einstellen. Oft fehlt ihnen die Reaktionsschnelligkeit, eine Situation zu erfassen. Ebenso ist es beim passgenauen Zuspiel und beim Einhalten von taktischen Varianten. Solche Grundlagen des Fußballspiels sind beim nicht behinderten
Fußballer Voraussetzung.

„Die Spielform von Menschen mit Behinderung wird ebenfalls häufig von der Tagesform und der Stimmung bestimmt. Auch, als wir heute früh hier angekommen sind, war zu spüren, dass mancher Schwierigkeiten hatte, sich auf neue Situationen einzustellen. Wenn man das alles im Hinterkopf hat, ist die Arbeit mit den Fußballern gut zu meistern und wir haben in den 10 Jahren, in denen ich sie trainiere, schon viel geschafft. Tore schießen und gewinnen wollen alle!“

Janett und ihr Team (Foto: Gisela Reinhardt) Janett und ihr Team (Foto: Gisela Reinhardt)

Die Spieler der Mühlhäuser Mannschaft werden von Frank Strödick trainiert. Er ist Gruppenleiter in der Werkstatt und kennt seine Mannschaftsspieler ganz genau. „Es macht unheimlich Spaß, die Jungs zu trainieren, auch, wenn die Aufnahmefähigkeit häufig nicht so hoch ist, und immer wieder Erlerntes gefestigt und vertieft werden muss. Im Zwischenmenschlichen spielt das Training von Toleranz eine große Rolle, da auch Sportler mit schwachen Leistungen, die aber Spaß am Spiel haben, zu einer Mannschaft gehören. Wir geben allen eine Chance und die Anstrengungen eines Jeden zeigen, dass es sich lohnt, mit Geduld, Kameradschaft und Können jede Woche aufs Neue das Training zu beginnen.“

Sieger Nordhausen (Foto: Gisela Reinhardt) Sieger Nordhausen (Foto: Gisela Reinhardt) Der Pokal ging in diesem Jahr nach Nordhausen.

Gegen 14.30 Uhr waren alle Spiele gespielt und Vorstand und Geschäftsführung versammelten sich mit den Spielern auf dem Spielfeld zur Siegerehrung. Sieger des Tages war die Mannschaften der Nordthüringer Lebenshilfe, den 2. Platz belegte die Mannschaft der Mühlhäuser Werkstätten und auf dem 3. Treppchen landete die Mannschaft von Otto 10 Erfurt. Die Gastgebermannschaft der Lebenshilfe Leinefelde

- Worbis, die im letzten Jahr verzweifelt den letzten Platz belegt hatten, waren mit Platz 5 zufrieden. Es ist ja auch nur höflich, den Gästen die vorderen Plätze zu gewähren. Einen Pokal erhielten aber alle.

Sven Dobrzykowsky aus Nordhausen war der Torschützenkönig und erhielt ebenfalls eine Trophäe. Schließlich hatte er von 89 geschossenen Toren 10 mal ins gegnerische Tor getroffen.

Eine besondere Freude wurde allen anwesenden Frauen zuteil. Sie bekamen von den Herren der gastgebenden Mannschaft jeweils eine langstielige Rose zum Frauentag überreicht. Da die Zuschauertribünen mit einem zahlreich erschienenen Publikum gefüllt war, wurde ein ganzer Eimer voller Rosen gebraucht.
Gisela Reinhardt
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