nnz-online

Außer Spesen nichts gewesen?

Mittwoch, 19. Februar 2014, 17:29 Uhr
Ein neues Wohngebiet an der Zorge? Eine Utopie? Mitnichten. Wenn es nach den Vorstellungen des Landkreises geht, könnte es Wirklichkeit werden. Wie nnz bereits berichtete, hält die Kreisverwaltung das Gelände des ehemaligen Gaswerkes am Ufer der Zorge für eine attraktive Fläche innerhalb der Stadt Nordhausen und für eine Wohnbebauung geeignet. Kurt Frank verfolgt das Geschehen weiter...


Nordhausen. Schon vor einem Jahr teilte die Kreisverwaltung auf Anfrage mit: „Der Landkreis Nordhausen prüft derzeit, welche sanierungsbedürftigen Gebäude wieder hergerichtet werden können und wie sich die Sanierung gestalten lässt“.

Eine Aussage, von der man nach zwölf Monaten eine Antwort erwarten könnte. Die aber liegt noch nicht vor. Bekräftigt wird hingegen erneut die attraktive Fläche, die sich für eine Bebauung „Wohnen an der Zorge“ eigne. Möglich sei auch eine Gewerbeansiedlung.

Betrachten wir zunächst das einstige Herrenhaus. Die äußere Hülle lässt beim näheren Betrachten auch nach langem Leerstand noch auf ein ehemaliges herrschaftliches Wohnen schließen. Ein massiver Bau, der einstigen Glanz erkennen lässt.

Herrenhaus (Foto: Kurt Frank) Herrenhaus (Foto: Kurt Frank)
Die Hülle der ehemaligen Villa scheint noch gut intakt zu sein. Angeblich wollte die Kreisverwaltung sie auf Sanierungswürdigkeit prüfen lassen. Zu einer verbindlichen Aussage ist sie bislang nicht gekommen.

Bei aller Wertschätzung der gegenwärtig schwierigen Aufgaben, die vor dem Landkreis stehen, sei, mit Verlaub, die Frage erlaubt: Wie lange will man noch prüfen lassen, ob die alte Villa sanierungswürdig ist oder nicht?

Gebäude an der Zorge (Foto: Kurt Frank) Gebäude an der Zorge (Foto: Kurt Frank)
Wenn sich der Landkreis ein „Wohnen an der Zorge“ vorstellen kann, wäre dann eine Sanierung des lang gestreckten Gebäudes parallel zur Zorge angebracht? Was ergab die Prüfung in dieser Sache?

Dann ist da das Objekt parallel zur Zorge. Einstige Produktions- und Büroräume. Zudem sollen leitende Mitarbeiter des Gaswerkes dort auch komfortabel gewohnt haben. Ein massiver langgestreckter Backsteinbau. Die äußere Hülle scheint noch intakt. Wenn die Landkreisverwaltung hervorhebt, sich ein „Wohnen an der Zorge“ vorstellen zu können, würde sich das Objekt geradezu anbieten. Vielleicht mit angesetzten Balkonen? Mit Blick direkt zum Fluss? Seit der Ankündigung, dieses Bauwerk ebenfalls auf Sanierungswürdigkeit untersuchen zu wollen, floss zwar viel Wasser den Fluss hinab, ohne das ein Ergebnis vorliegt.

Über den vergammelten Garagenkomplex und das Gebäude neben der Villa mit dem eingestürzten Dach erübrigt sich jede Diskussion: Abriss! Eine andere Variante stellt sich von vornherein erst gar nicht. Bei dem Areal Gaswerk handelt es sich um einen Altlastenstandort, verlautet aus dem Landratsamt. Aber: „Trotz dieser Altlastenproblematik haben die denkmalgeschützten Gebäude Potenzial zur Weiterverwertung, auch für Investoren aus der Region“. Gemeldet hat sich noch keiner.

Nicht erst gestern kam aus der Landkreisverwaltung außerdem die Kunde: „Neue Ideen würden zurzeit ausgewertet. Ein Gutachten soll in Abstimmung mit der Bodenschutzbehörde das Vorhaben aktuell bewerten und Perspektiven aufzeigen“. Neue Ideen, Bewertungen, Prüfungen, Gutachten - was hat das alles erbracht? Vielleicht nur dies: Außer Spesen nichts gewesen? Oder haben die für die Gebäudewirtschaft zuständigen Mitarbeiter voreilig etwas verkünden lassen, was – vielleicht aus Geldnot - nicht eingehalten werden kann?
Kurt Frank
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de