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Auf dem Weg zum Sprung ins Nationalteam

Freitag, 14. Februar 2014, 06:39 Uhr
Vom Sprung ins Nationalteam träumt wohl jeder junge Fußballer oder Handballer. Diesem Traum könnten am Wochenende gleich fünf besonders talentierte Südharzerinnen ein Stück näher kommen. Anny-Katharina Samel, Ella Krieß, Julia Weise, Clara Fiedler und Larissa Förster spielen Handball - in der C-Jugend des Nordhäuser SV...

Auf dem Sprung ins Nationalteam? (Foto: Sandra Arm) Auf dem Sprung ins Nationalteam? (Foto: Sandra Arm)

Und gehören zugleich der Thüringenauswahl um die Stützpunkttrainer Nico Geyersbach und Thomas Zingler an. Seit Freitag steht das Team mit den fünf NSV-Spielerinnen unter besonderer Beobachtung, denn im Bundesleistungszentrum in Kienbaum sichtet der Deutsche Handballbund bis Sonntag hoffnungsvolle Talente.

Für höhere Aufgaben wollte sich auch Sophia Goetze, ebenfalls NSV-Spielerin, empfehlen. Die Zwölfjährige verletzte sich in der Montagseinheit an der rechten Wurfhand und fällt voraussichtlich für zwei bis vier Wochen aus. Geyersbach, der eine Woche vor der Sichtung noch einen Lehrgang mit der Thüringenauswahl durchgeführt hatte, war besonders von der Spielfreude der Günzeroderin sehr angetan. „Sie hat für ihr Alter gute körperliche und spielerische Voraussetzungen und ist in ihrem Jahrgang 2001 eine der Besten.“ Zudem schätzt er besonders ihre Fähigkeiten als Allrounderin, sie ist auf allen Positionen einsetzbar.

Geyersbach hätte Sophia also gern mitgenommen, wenn nicht eine Verletzung sie kurz vor ihrem großen Ziel gestoppt hätte. „Sie hat noch viele Chancen sich anzubieten. Dafür muss sie weiter an sich arbeiten, dann hat sie sogar die Möglichkeit in einigen Jahren höherklassig zu spielen“, weiß Geyersbach. Für die Sichtung hätte sie sich nur vorempfehlen können. „Bei dieser Sichtung steht der 99er Jahrgang im Vordergrund. Auch beim Jahrgang 2000 wird schon mal geschaut, ob sich junge Talente anbieten“, sagt Geyersbach.
Zum Jahrgang 1999 gehört Clara Fiedler, die somit unter besonderer Beobachtung stehen wird. Die 15-Jährige hat sich in den vergangenen Wochen richtig verbessert. „Wir haben im Trainingslehrgang insbesondere auf den Außenpositionen gut trainiert. Dort hat sie einen relativ sicheren Eindruck hinterlassen“, sagt Geyersbach, der sie aber nicht nur auf Rechtsaußen sieht. „Auf der Halbposition wäre sie ebenfalls eine Option und könnte dort Julia Weise richtig gut ersetzen, wenn sie mal eine Pause braucht.“ Reserven sieht der Auswahltrainer bei ihr noch in der Arbeit nach hinten in der Abwehr.

Im dreitägigen Lehrgang der Thüringer Auswahlmannschaft wurde der Schwerpunkt insbesondere auf spielerische Tests wie Kleingruppenspiele - 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 - gelegt. “Wir haben dort einzelne Formationen eingeübt. Die DHB-Trainer legen viel Wert auf die Kleingruppenspiele und wollen das sehen.“ Auch im athletischen Bereich wurde viel gearbeitet. So wurde extra an einem Tag ein Turntrainer engagiert. Rolle vorwärts, Rolle rückwärts, Sprungrolle, Standwaage, Handstand, Radschlag sind nur einige der Turnübungen, die die Mädchen beherrschen müssen.

Körperspannung ist nämlich auf allen Positionen wichtig. Wie auch im Tor. Anny-Katharina Samel vertritt dort die Farben Thüringens. Auch bei ihr konnte Geyersbach eine Steigerung zu den vergangenen Lehrgängen feststellen. „Das gesonderte Torwarttraining mit Frank Puttfarken macht sich bezahlt. Sie hat sich im Stellungsspiel deutlich verbessert.“ Zudem fiel dem Trainer auf, dass die 14-Jährige bei Würfen aus dem Rückraum „gute Reaktionen zwischen den Pfosten zeigt“. Vor allem im oberen Bereich, im unteren weist sie noch leichte Schwächen auf. An einem anderen Defizit muss sie ebenfalls noch intensiv arbeiten – an der Lautstärke: „Sie ist noch zu leise und muss mehr die Abwehr dirigieren.“

Anders Larissa Förster. Wenn sie auf dem Parkett steht, dann wird es laut. Sie dirigiert, sie motiviert und geht auch mal dahin, wo es weh tut. Ihre Position ist der Kreis, ihre Stärke liegt in der Abwehr. „Sie ist in der Lage die Abwehr zusammenzuhalten und kann sich gut gegen ihre Gegenspielerinnen durchzusetzen.“ Schwächen sieht Geyersbach bei der 13-Jährigen noch im Abschluss. Ebenso wie in der Bewegung zum Ball: „Im Verein weiß sie, wie sie sich zum Ball bewegen muss. In der Auswahl bleibt sie oft stehen, anstatt sich zum Ball hinzubewegen.“ Doch auch daran wurde in den drei Tagen intensiv gearbeitet. Zwölf Mädchen durften die beiden Auswahltrainer für Kienbaum nominieren.

Zu den Auserwählten zählt auch Ella Krieß, die oftmals aufgrund ihrer Größe, sie misst 1,52 Meter, unterschätzt wird. Dieses Defizit macht die 13-Jährige mit einer guten Laufbereitschaft und Nervenstärke von der Siebenmeterlinie weg. „Sie kann richtig gut zielen. Besonders bei Strafwürfen ist sie sehr sicher.“ Das ist auch mit ein Grund, weshalb Ella für die DHB-Sichtung nominiert wurde. Ein weiterer ist ihre gute Abwehrarbeit, vor allem in Systemen wie 5-1 oder 3-2-1, wo sie an der Spitze agiert und die gegnerischen Spieler mit ihrer flinken Art oftmals die Bälle abluchst und erfolgreich Konter läuft. Probleme sieht Geyersbach im Angriff, wenn sie größeren Gegenspielerinnen gegenübersteht. „Sie traut sich dann nicht zu werfen.“ Zudem wünscht er sich bei seinem Schützling mehr Variabilität: „Sie spielt nur Mitte. Ich könnte mir Ella auch gut auf der Außenposition vorstellen. Darüber haben wir schon mal gesprochen.“

Eine Ausnahmeerscheinung ist Julia Weise. Und das in jeglicher Hinsicht. Sie ist eine von zwei, drei Spielerinnen, denen Geyersbach sogar zutraut, den Sprung nach ganz oben zu schaffen. Ihre große Stärke ist der Angriff. Dort kann sie ihre Fähigkeiten gezeilt ausspielen. Zudem verfügt die 13-Jährige über eine ausgezeichnete Übersicht. Sie greift früh in den Spielaufbau des Gegners ein, läuft viel und belohnt sich mit zahlreichen Treffern. Eigensinnig agiert sie trotz der vielen Tore dennoch nicht. Sie hat immer auch ein Auge zu ihrem Nebenmann, den sie gut in Szene setzen kann. Doch auch bei der agilen Rückraumspielerin zeigen sich Schwächen. „Im Abwehrverbund ist die Arbeit gut, aber im Eins gegen Eins hat sie noch Reserven. Sie agiert gerne sehr offensiv.“

Es ist keine normale Sichtung, es ist eine besondere. „Das ist schon ein anderes Gefühl, wenn man zu einer Sichtung fährt und man weiß, dort steht ein DHB-Trainer, der einen beobachtet“, sagt Larissa, die sich besonders auf die Spiele freut. Das Unbekannte sorgt für eine nervöse und aufgekratzte Stimmung. „Ich bin so was von aufgeregt“, beschreibt Julia ihre Gefühlslage. Bei den anderen Vier sieht es nicht anders aus. Insbesondere die Tests bereiten den Mädchen ein wenig Angst. „Der Schlimmste ist der Shuttle-Run-Test, bei dem man zwischen zwei Linien mit 20-Meter-Entfernung hin- und herlaufen muss. Zwischendurch piept es, dass bedeutet man muss schneller werden, um den Test zu schaffen“, erklärt Ella, die sich gut vorbereitet sieht. „Auf die Mädchen wartet ein hartes Programm, es wird kaum Pausen geben“, weiß Geyersbach. Drei Tage schwitzen, drei Tage kämpfen. Und das alles für den großen Traum.
Sandra Arm
Autor: red

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