Einladung an die Jagdgegner
Dienstag, 04. Februar 2014, 13:41 Uhr
Der Luchs ist im Südharz schon heimisch, wäre auch der Wolf willkommen? Wilddiebe am Werk? Schädigt der Fall Udo Wedekind das Image der Jägerschaft nachhaltig? Fragen, die Kurt Frank an Christian Büchting, den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, und Detlev Collmann von der Unteren Jagdbehörde richtete...
Christian Büchting ist der Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Sie schätzt seine ehrenamtliche erfolgreiche Tätigkeit in dieser Funktion.
nnz: Acht junge Jagdanwärter bestanden die Prüfung und verstärken die Kreisjägerschaft im Südharz. Was motiviert Menschen, Weidmann zu werden?
Christian Büchting: Zum einen Bezugspersonen in der Familie, Verwandte und Bekannte, die die Jagd schon ausüben. Zum anderen ist es ihr Verhältnis zur Natur. Abenteuerlust ist auch dabei. 440 Männer und Frauen üben derzeit in der Kreisjägerschaft im Südharz das Weidwerk aus. Nachwuchssorgen haben wir nicht.
nnz: An nur einem Wochenende im Vorjahr blieben bei Drückjagden 75 Stück Rehwild, 19 Wildschweine und 25 Stück Rotwild auf der Strecke. Schießen wir unsere Wälder leer?
Detlev Collmann: Keineswegs. Außerdem sind Jagden in dieser Größenordnung saisonal bedingt. Eine Wildtiererfassung – sie stützt sich auf Zahlen, die uns Jagdpächter in den Gemeinschafts-und Eigenjagdbezirken liefern und die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt - besagt: 3000 Stück Rehwild, 1000 Stück Rotwild und 220 Stück Muffelwild befinden sich in den Wäldern des Südharzes. Der Bestand an Schwarzwild, etwa 1000 Tiere, ist besonders schwer zu erfassen.
nnz: Und was bleibt nach einer Jagdsaison davon noch übrig?
Detlev Collmann: Genügend. In der Saison 2011/2012 erlegte man in den Gemeinschafts- und Eigenjagdbezirken 843 Stück Rehwild, 17 Mufflons, 212 Stück Rotwild und Hunderte Schwarzkittel. Hinzu kamen 1200 erlegte Füchse und 909 Waschbären.
nnz: Forstamtsleiter und gelegentlich Revierförster beklagen Verbiss-und Schälschäden an Bäumen. Da sollte doch auch bald der Wolf willkommen sein?
Detlev Collmann: Wenn auch der Wolf im richtigen Verhältnis zum Naturraum steht, ist er mir willkommen.
nnz: Auch im Südharz gibt es viele Jagdgegner. Ihre Vorbehalte mögen berechtigt sein oder auch nicht. Was wird getan, um das Image der Jägerei zu verbessern?
Christian Büchting: Unter anderem durch öffentliche Veranstaltungen wie dem Jagdhornbläsertreffen auf der Burg Hohnstein, der alljährlichen Hubertusjagd im Nordhäuser Dom, dem Tag der offenen Tür zu Jahreshauptversammlungen, Veranstaltungen des Forstwirtschaftsbetriebes, dem Tag des Waldes, Auftritten in Kindergärten und bei Dorffesten. Unterwegs sind wir auch mit einem Info-Mobil, das wir wieder zum Einsatz bringen wollen. Leider vermisse ich bei derartigen Ereignissen die Jagdgegner. Ich lade sie daher ein, daran teilzunehmen und sich von unserem Tun zu überzeugen.
nnz: Dann kommt so einer wie Udo Wedekind daher, bis gestern Spitzenbeamter im Thüringer Umweltministerium, der sich Jäger nennt, einen Elefantenbullen abknallt und sich ob seiner Tat brüstet. Schaden solche Weidmänner nicht nachhaltig das Image der Jägerschaft?
Christian Büchting: Auch wenn das, was er tat, rechtens erscheint, schadet so ein Verhalten dem Image der Jägerschaft nachhaltig. Leute wie Wedekind provozieren geradezu Rufe der Jagdgegner wie Jäger sind Mörder. Der Mann ist kein Jäger. Er jagt Trophäen nach, wie einst die Feudalherren in Afrika, die sie sich dann an Wänden nageln. Anstatt ein Gewehr sollte man Udo Wedekind einen Spaten in die Hand geben, um Bäume und Sträucher zu pflanzen und etwas Sinnvolles für die Natur zu tun.
nnz: Jeder Jäger sei auch ein guter Naturschützer, heißt es. Welche Beispiele belegen das?
Christian Büchting: Im Raum Kohnstein legten Forstleute Feuchtbiotope an. Revierförster Gerlach tat dies im Gebiet bei Günzerode/Steinsee. Leider versiegte die Wasserzufuhr. Der Förster will es erneut versuchen. Falkner wie Reinhold Körner und Eckhard Schade aus Nordhausen, Erhard Förster aus Bleicherode und Rainer Model aus Ellrich bemühen sich um den Schutz der Greifvögel, indem sie verletzte oder aufgefundene Tiere pflegen und sie später wieder auswildern.
Die Wildfütterung der Tiere und Vögel im Winter oder das Anlegen von Wildäckern oder Nisthilfen gehört zu unseren Aufgaben. Erwähnen (nnz berichtete darüber) möchte ich die Rehkitzretter Uwe Merx aus Kehmstedt und Dieter Göbel aus Wolkramshausen. Dennoch sollten sich jeder Weidmann fragen, wie er sich für den Naturschutz noch besser einbringen könnte.
nnz: Sind Schwarze Schafe in der Jägerschaft und Wilddieberei aktenkundig?
Christian Büchting: Schwarze Schafe in der Jägerschaft sind mir nicht aktenkundig. Bekannt wurde ein Fall von Wilddieberei. Auf einem Rehwildwechsel verfing sich ein Rehbock in einer Schlinge. Der Fall wurde angezeigt, der Täter leider nicht ermittelt. Verstöße gegen Recht und Gesetz blieben nicht ungestraft. Ein Straftatbestand wäre es zum Beispiel, wenn ein Jäger einen Luchs oder Wolf, obwohl nicht bei allen Weidmännern beliebt, erschießen würde. Unser Bemühen ist es, Jagdgegnern keinen Anlass zu geben, sich über uns beklagen zu können.
nnz: Was freut und was ärgert den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft?
Christian Büchting: Mich freut die gute Zusammenarbeit mit der Jägerschaft, in der es keine nennenswerten Differenzen gibt, die mit der Landwirtschaft, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Forstamt Bleicherode. Mich ärgern unsachliche Kommentare der Gegner der Jagd und illegale Müllabkippungen in der Natur.
Das Gespräch führte Kurt Frank
Autor: redChristian Büchting ist der Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Sie schätzt seine ehrenamtliche erfolgreiche Tätigkeit in dieser Funktion.
nnz: Acht junge Jagdanwärter bestanden die Prüfung und verstärken die Kreisjägerschaft im Südharz. Was motiviert Menschen, Weidmann zu werden?
Christian Büchting: Zum einen Bezugspersonen in der Familie, Verwandte und Bekannte, die die Jagd schon ausüben. Zum anderen ist es ihr Verhältnis zur Natur. Abenteuerlust ist auch dabei. 440 Männer und Frauen üben derzeit in der Kreisjägerschaft im Südharz das Weidwerk aus. Nachwuchssorgen haben wir nicht.
nnz: An nur einem Wochenende im Vorjahr blieben bei Drückjagden 75 Stück Rehwild, 19 Wildschweine und 25 Stück Rotwild auf der Strecke. Schießen wir unsere Wälder leer?
Detlev Collmann: Keineswegs. Außerdem sind Jagden in dieser Größenordnung saisonal bedingt. Eine Wildtiererfassung – sie stützt sich auf Zahlen, die uns Jagdpächter in den Gemeinschafts-und Eigenjagdbezirken liefern und die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt - besagt: 3000 Stück Rehwild, 1000 Stück Rotwild und 220 Stück Muffelwild befinden sich in den Wäldern des Südharzes. Der Bestand an Schwarzwild, etwa 1000 Tiere, ist besonders schwer zu erfassen.
nnz: Und was bleibt nach einer Jagdsaison davon noch übrig?
Detlev Collmann: Genügend. In der Saison 2011/2012 erlegte man in den Gemeinschafts- und Eigenjagdbezirken 843 Stück Rehwild, 17 Mufflons, 212 Stück Rotwild und Hunderte Schwarzkittel. Hinzu kamen 1200 erlegte Füchse und 909 Waschbären.
nnz: Forstamtsleiter und gelegentlich Revierförster beklagen Verbiss-und Schälschäden an Bäumen. Da sollte doch auch bald der Wolf willkommen sein?
Detlev Collmann: Wenn auch der Wolf im richtigen Verhältnis zum Naturraum steht, ist er mir willkommen.
nnz: Auch im Südharz gibt es viele Jagdgegner. Ihre Vorbehalte mögen berechtigt sein oder auch nicht. Was wird getan, um das Image der Jägerei zu verbessern?
Christian Büchting: Unter anderem durch öffentliche Veranstaltungen wie dem Jagdhornbläsertreffen auf der Burg Hohnstein, der alljährlichen Hubertusjagd im Nordhäuser Dom, dem Tag der offenen Tür zu Jahreshauptversammlungen, Veranstaltungen des Forstwirtschaftsbetriebes, dem Tag des Waldes, Auftritten in Kindergärten und bei Dorffesten. Unterwegs sind wir auch mit einem Info-Mobil, das wir wieder zum Einsatz bringen wollen. Leider vermisse ich bei derartigen Ereignissen die Jagdgegner. Ich lade sie daher ein, daran teilzunehmen und sich von unserem Tun zu überzeugen.
nnz: Dann kommt so einer wie Udo Wedekind daher, bis gestern Spitzenbeamter im Thüringer Umweltministerium, der sich Jäger nennt, einen Elefantenbullen abknallt und sich ob seiner Tat brüstet. Schaden solche Weidmänner nicht nachhaltig das Image der Jägerschaft?
Christian Büchting: Auch wenn das, was er tat, rechtens erscheint, schadet so ein Verhalten dem Image der Jägerschaft nachhaltig. Leute wie Wedekind provozieren geradezu Rufe der Jagdgegner wie Jäger sind Mörder. Der Mann ist kein Jäger. Er jagt Trophäen nach, wie einst die Feudalherren in Afrika, die sie sich dann an Wänden nageln. Anstatt ein Gewehr sollte man Udo Wedekind einen Spaten in die Hand geben, um Bäume und Sträucher zu pflanzen und etwas Sinnvolles für die Natur zu tun.
nnz: Jeder Jäger sei auch ein guter Naturschützer, heißt es. Welche Beispiele belegen das?
Christian Büchting: Im Raum Kohnstein legten Forstleute Feuchtbiotope an. Revierförster Gerlach tat dies im Gebiet bei Günzerode/Steinsee. Leider versiegte die Wasserzufuhr. Der Förster will es erneut versuchen. Falkner wie Reinhold Körner und Eckhard Schade aus Nordhausen, Erhard Förster aus Bleicherode und Rainer Model aus Ellrich bemühen sich um den Schutz der Greifvögel, indem sie verletzte oder aufgefundene Tiere pflegen und sie später wieder auswildern.
Die Wildfütterung der Tiere und Vögel im Winter oder das Anlegen von Wildäckern oder Nisthilfen gehört zu unseren Aufgaben. Erwähnen (nnz berichtete darüber) möchte ich die Rehkitzretter Uwe Merx aus Kehmstedt und Dieter Göbel aus Wolkramshausen. Dennoch sollten sich jeder Weidmann fragen, wie er sich für den Naturschutz noch besser einbringen könnte.
nnz: Sind Schwarze Schafe in der Jägerschaft und Wilddieberei aktenkundig?
Christian Büchting: Schwarze Schafe in der Jägerschaft sind mir nicht aktenkundig. Bekannt wurde ein Fall von Wilddieberei. Auf einem Rehwildwechsel verfing sich ein Rehbock in einer Schlinge. Der Fall wurde angezeigt, der Täter leider nicht ermittelt. Verstöße gegen Recht und Gesetz blieben nicht ungestraft. Ein Straftatbestand wäre es zum Beispiel, wenn ein Jäger einen Luchs oder Wolf, obwohl nicht bei allen Weidmännern beliebt, erschießen würde. Unser Bemühen ist es, Jagdgegnern keinen Anlass zu geben, sich über uns beklagen zu können.
nnz: Was freut und was ärgert den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft?
Christian Büchting: Mich freut die gute Zusammenarbeit mit der Jägerschaft, in der es keine nennenswerten Differenzen gibt, die mit der Landwirtschaft, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Forstamt Bleicherode. Mich ärgern unsachliche Kommentare der Gegner der Jagd und illegale Müllabkippungen in der Natur.
Das Gespräch führte Kurt Frank

