"Hochprozentige" Sonderausstellung eröffnet
Donnerstag, 30. Januar 2014, 06:45 Uhr
Die etwas älteren nnz-Leser kennen sicher noch aus der ehemaligen DDR das "Herrengedeck" (Mixgetränk aus Bier und Sekt), den "Kumpeltod" (Schachtschnaps) oder den bulgarischen Rotwein "Rosenthaler Kadarka". Wenn es auch damals an vielem mangelte – Sekt, Wein und Schnaps gab es reichlich. An die Trink-Kultur im ersten deutschen Arbeiter- und Bauern-Staat erinnert seit Mittwochabend eine amüsante Sonderausstellung im Nordhäuser Tabakspeicher. Auch die nnz war neugierig ...
In der Tat: In der DDR wurde viel gefeiert – oft viel ausgelassener als heute. Und dazu floss reichlich Alkohol. Denn die DDR-Bürger wollten sich ihren Alltag "schöntrinken". Bis heute hält sich – wohl berechtigt – die weit verbreitete Ansicht, dass der Alkoholverbrauch hierzulande höher gewesen sei als in Westdeutschland. Private Feierlichkeiten wie Jugendweihe, Konfirmation, Kommunion, Taufe oder Hochzeit gaben ausreichend Anlass, das Glas zu erheben.
Nicht anders ging es bei den beliebten Betriebs-, Brigade- oder Frauentagsfeiern zu. Nur, dass hier meistens noch tiefer ins Glas geschaut wurde, was so manchen ansonsten "linientreuen" Betriebsdirektor oder Parteisekretär u.a. zu politischen Witzen animierte, von denen man anderntags natürlich nie etwas gewusst haben wollte.
"Die Ausstellung beleuchtet (medizin-)historische, soziologische und kulturwissenschaftliche Zugänge und die vielfältigen Facetten der ostdeutschen Trinkkultur auf informative und zugleich amüsante Weise", charakterisierte Museumsleiter Jürgen Rennebach in seiner Begrüßungsansprache das Anliegen der Schau. Im Mittelpunkt stünden dabei die alkoholgenießenden soziokulturellen Personengruppen, spezielle alkoholische Getränke wie auch Hintergründe des Alkoholkonsums und der Trinksitten.
Er erinnerte daran, dass der spätere DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht in den 1950er und 1960er Jahren den dunklen Eckkneipen den Kampf ansagte und stattdessen Klubgaststätten und Milchbars entstehen solten. Schilder mit der Aufschrift "Bitte warten, Sie werden platziert!" "zierten" die Eingangsbereiche der Gaststätten auf Grund des Platzmangel und die damit verbundenen Wartezeiten in den oft übervollen Restaurants (wovon heute so mancher Gastwirt nur noch träumen kann). Sehr lobenswert auch die Darstellung der Geschichte der Nordhäuser Kornbrennerei, die einen würdigen Platz in der Ausstellung einnimmt. Und schließlich Daumen hoch für die geniale Idee, die Altstadtoriginale Hannechen Vogelstange und Altstadt-Manne für die musikalische Einstimmung auf diese Ausstellung zu gewinnen. Seitens der Kommunalpolitik war einzig Jutta Krauth, 1. Beigeordnete im Landratsamt, anwesend, die herzlich begrüßt wurde.
Dafür am Dienstag und Mittwoch Scharen von Medien, wie Fernseh- und Rundfunkanstalten aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Radio Rostock, und BILD-Zeitung, die durch die qualifizierte Öffentlichkeitsarbeit auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht worden waren. Die Schau ist übrigens ein Gemeinschafts-Projekt zwischen den Städtischen Museen Jena und dem Museum Tabakspeicher Nordhausen. Sie ist bis zum 3. April 2014 zu den bekannten Öffnungszeiten des Museums zu sehen.
Hans-Georg Backhaus
Autor: redIn der Tat: In der DDR wurde viel gefeiert – oft viel ausgelassener als heute. Und dazu floss reichlich Alkohol. Denn die DDR-Bürger wollten sich ihren Alltag "schöntrinken". Bis heute hält sich – wohl berechtigt – die weit verbreitete Ansicht, dass der Alkoholverbrauch hierzulande höher gewesen sei als in Westdeutschland. Private Feierlichkeiten wie Jugendweihe, Konfirmation, Kommunion, Taufe oder Hochzeit gaben ausreichend Anlass, das Glas zu erheben.
Nicht anders ging es bei den beliebten Betriebs-, Brigade- oder Frauentagsfeiern zu. Nur, dass hier meistens noch tiefer ins Glas geschaut wurde, was so manchen ansonsten "linientreuen" Betriebsdirektor oder Parteisekretär u.a. zu politischen Witzen animierte, von denen man anderntags natürlich nie etwas gewusst haben wollte.
"Die Ausstellung beleuchtet (medizin-)historische, soziologische und kulturwissenschaftliche Zugänge und die vielfältigen Facetten der ostdeutschen Trinkkultur auf informative und zugleich amüsante Weise", charakterisierte Museumsleiter Jürgen Rennebach in seiner Begrüßungsansprache das Anliegen der Schau. Im Mittelpunkt stünden dabei die alkoholgenießenden soziokulturellen Personengruppen, spezielle alkoholische Getränke wie auch Hintergründe des Alkoholkonsums und der Trinksitten.
Er erinnerte daran, dass der spätere DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht in den 1950er und 1960er Jahren den dunklen Eckkneipen den Kampf ansagte und stattdessen Klubgaststätten und Milchbars entstehen solten. Schilder mit der Aufschrift "Bitte warten, Sie werden platziert!" "zierten" die Eingangsbereiche der Gaststätten auf Grund des Platzmangel und die damit verbundenen Wartezeiten in den oft übervollen Restaurants (wovon heute so mancher Gastwirt nur noch träumen kann). Sehr lobenswert auch die Darstellung der Geschichte der Nordhäuser Kornbrennerei, die einen würdigen Platz in der Ausstellung einnimmt. Und schließlich Daumen hoch für die geniale Idee, die Altstadtoriginale Hannechen Vogelstange und Altstadt-Manne für die musikalische Einstimmung auf diese Ausstellung zu gewinnen. Seitens der Kommunalpolitik war einzig Jutta Krauth, 1. Beigeordnete im Landratsamt, anwesend, die herzlich begrüßt wurde.
Dafür am Dienstag und Mittwoch Scharen von Medien, wie Fernseh- und Rundfunkanstalten aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Radio Rostock, und BILD-Zeitung, die durch die qualifizierte Öffentlichkeitsarbeit auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht worden waren. Die Schau ist übrigens ein Gemeinschafts-Projekt zwischen den Städtischen Museen Jena und dem Museum Tabakspeicher Nordhausen. Sie ist bis zum 3. April 2014 zu den bekannten Öffnungszeiten des Museums zu sehen.
Hans-Georg Backhaus






