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Günther leitete Wende ein

Sonntag, 26. Januar 2014, 12:14 Uhr
An der linken Hand von Sebastian Günther baumelt der Fanschal. Der Boxer des Bundesliga-Staffel des Nordhäuser SV (NSV) senkt den Kopf und wartet gespannt auf die Urteilsverkündung. Die drei Punktrichter sind sich nicht einig. Einer gibt ein Unentschieden, die andere beiden werten knapp auf einen Sieg des Erfurters...


Sein rechter Arm schnellt in die Höhe, Günther lässt sich von den 20 mitgereisten Nordhäuser Fans am Samstagabend beim Auswärtskampf in Straubing feiern. Günther ist es dann auch, der mit seinem Sieg im Weltergewicht die Wende einleitet.

Nach ihm sorgen Balász Bacskai (Mittelgewicht) und Leon Bunn (Halbschwergewicht) mit ihren Erfolgen für einen Punktgewinn – den ersten in den bisherigen drei Auswärtskämpfen. „Wir haben den angestrebten Mannschaftspunkt erreicht“, sagte ein erleichterter Cheftrainer Konrad Werner, der allerdings mit gemischten Gefühlen auf den Tag zurückblickte.

Die Gefühle fuhren mit ihm gehörig Achterbahn. So erreichte ihn zweieinhalb Stunden vor dem Wiegen um 18 Uhr eine Hiobsbotschaft. Bunn, der mit seinem Vater direkt aus Frankfurt am Main anreiste, blieb bei Würzburg mit dem Auto liegen. Werner wollte sich das Schlimmste, einen Punktverlust beim Wiegen, nicht ausmalen. Er stand im regen Kontakt mit den beiden, die sich zwischenzeitlich einen Mietwagen besorgten und mit hoher Geschwindigkeit über die Autobahn heizten. Sie schafften das Unmögliche, erreichten kurz vor 18 Uhr die Halle. Erleichterung unter anderem bei Werner - der Wiegepunkt war sicher. Das Bundesliga-Duell begann beim Stand von 6:6 – für jeden der sechs Sportler erhielten beide Teams beim Wiegen einen Punkt.

Einen weiteren Zähler wollte zum Auftakt Salomo N´tuve für den NSV beisteuern. Auf den schwedischen Meister wartete ein ungleiches Duell – David gegen Goliath. N´tuve besticht durch seine stattliche Körpergröße, während Lokalmatador Edgar Walth das genaue Gegenteil verkörpert: klein, kräftig und unheimlich wendig. Das stellte N´tuve wie auch schon in Babelsberg, als er ebenfalls auf einen kleineren Gegner traf, vor ein Problem. „Ich muss die ganze Zeit von oben nach unten schlagen und kann dadurch nicht meine Stärken ausleben“, sagte N´tuve, der seinen Kampf verlor.

Im zweiten in der Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm folgte die erste von zwei Premieren. Zu seinem Bundesliga-Debüt kam Clarence Goyeram. Der Schwede wurde am Dienstag von Werner informiert, dass er am Samstag im Ring stehen wird. Der für den Kampf vorgesehene Angelo Frank, vorher Angelo Welp – wie der Deutsche Boxsport-Verband auf seiner Homepage schrieb, änderte er seinen Nachnamen aufgrund der kürzlich erfolgten Hochzeit seiner leiblichen Eltern nach über 20 Jahren Partnerschaft ohne Trauschein, zog sich bei seinem Einsatz im Team Deutschland im algerischen Blida einen tiefen Cut unter dem linken Auge zu. Dazu meldete sich David Müller, ebenfalls eine Option in der Gewichtsklasse, krankheitsbedingt ab.

Blieb nur noch Goyeram, der zweite Schwede im NSV-Team. Die Marschroute war klar: „Es sollte von Beginn an Vollgas geben, weil er hinten heraus vor allem konditionell Probleme bekommt“, so Werner. Das sagte der Cheftrainer nicht ohne Grund, denn der 23-Jährige boxte erstmals unter Wettkampfbedingungen über die Distanz von 4x3 Minuten. „Und drei Minuten können verdammt lang sein“, sagte Werner. Sein Gegner war Eugen Dahinten, der ihn immer wieder in die Ringseile drängte und seine Erfahrung voll ausboxte, so dass auch der zweite Zähler nach Straubing ging.

Als Überraschung aus Nordhäuser Sicht kann Günter im Weltergewicht bezeichnet werden. Ihn hatte keiner so richtig auf der Rechnung. Der 23-Jährige zeigte gegen den niederländischen Meister Max van der Pas einen tollen, engagierten Einsatz. Es war dennoch ein harter und knapper Kampf, den Günther nach vier Runden für sich entschied. Der NSV verkürzte vor der Pause zum 8:7.

Die zweite Premiere gab es dann im Mittelgewicht. Der ungarische Leistungsträger Balász Bacskai startete nicht wie gewohnt im Weltergewicht, sondern eine Gewichtsklasse höher. Für ihn wurde es in den vergangenen Wochen immer schwerer die 70 Kilogramm zu halten, so dass ein Wechsel kurz bevor stand. Bereits bei den ungarischen Meisterschaften boxte er in der höheren Klasse. Doch was vermochte der bisherige Punktegarant des NSV durch die Umstellung zu leisten? Bacskai bot einen erstklassigen Kampf gegen den Straubinger Kenan Spahiu. „Es war der richtige Gegner zum Einstieg“, sagte Werner und hieß ihn nach seinem Erfolg in der neuen Gewichtsklasse herzlich Willkommen. Der NSV glich zum 8:8 aus.

Nun stieg Leon Bunn im Halbschwergewicht in den Ring. Der 21-Jährige präsentierte sich in den vergangenen Wochen in einer hervorragenden Verfassung und hatte mit dem polnischen Meister Mateusz Tryc keine leichte Aufgabe vor der Brust. Doch diese löste der Frankfurter in einer überragenden Manier, er setzte die entscheidenden Treffer und verbuchte den dritten Punkt zur 9:8-Führung für das Team. Werner war nach dem Kampf voll des Lobes: „Das war ein starker Kampf gegen einen schweren Gegner. Es macht richtig Spaß mit dir zu arbeiten. Dieser Sieg entschädigt für die Strapazen auf der Hinfahrt.“

Nun hatte es Eugen Waigel in der Hand, den Sack zuzubinden. Ein Sieg in Straubing war zum Greifen nah. Doch mit Emir Ahmatovic hatte er ebenso wie Bunn einen starken Ringgegner. Waigel wollte den Sieg, das sah man in seinem Gesicht. Doch seine Schläge waren häufig nicht platziert genug, um seinen Gegner die entscheidenden Treffer zu verpassen. Die drei Punktrichter sahen einen engen Kampf, werteten zweimal knapp für den Straubinger sowie auf ein Unentschieden. Das Ergebnis reichte nicht für Waigel, der enttäuscht und mit hängendem Kopf den Ring verließ.

Trotz der abschließenden Niederlage reiste der NSV nicht mit leeren Händen zurück nach Nordhausen. „Wir fahren mit einem Mannschaftspunkt nach Hause. Das ist eine große Sache, eine tolle Leistung. Und dazu haben die Fans entscheidend mitgeholfen“, sagte Werner und hatte dabei ein Lächeln auf den Lippen. Sicherlich auch, weil Günther mit seinem Sieg die Wende zum Guten einläutete.

Viel Zeit zum Regenerieren bleibt den NSV-Boxern nicht, denn bereits am kommenden Sonnabend, 1. Februar, um 19.30 Uhr, erwartet das Team von Cheftrainer Werner den Serienmeister aus Velbert in der Ballspielhalle. Der Vorverkauf ist bereits angelaufen. Tickets zum Preis von 9 Euro sind in der Stadtinformation am Rathaus, bei Döring Bauelemente in der Hesseröder Straße 60 und bei INJOY in der Grimmelalle 3 erhältlich.
Sandra Arm
Autor: red

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