Geschwister sind sich alle schönen Dinge
Sonntag, 19. Januar 2014, 18:07 Uhr
Ricarda Huch (1864-1947), die außergewöhnlichen Schriftstellerin, Philosophin und Historikerin wird am kommenden Samstag in Limlingerode ab 14.30 Uhr vorgestellt. Eine Einführung von Heideloe Kneffel in der nnz...
Huch wurde 1926 in Deutschland als erste Frau in die Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste gewählt, trat jedoch bereits 1933 wegen der Ideologie der Nazis aus. In Nordhausen gibt es an der Peripherie der Stadt die Ricarda-Huch-Straße.
Die Autorin wird 1864, also vor 150 Jahren, in Braunschweig geboren, siedelt als Jugendliche nach Zürich über, wo sie ihr Abitur macht und als eine der ersten Frauen Geschichte, Philologie und Philosophie studiert. Ihre Promotion schließt sie 1891 ab. Im selben Jahr erscheint ihr erstes Buch Gedichte unter dem Pseudonym Richard Hugo. Danach arbeitet sie als Bibliothekarin und Lehrerin für Deutsch und Geschichte, zunächst in Zürich, dann in Bremen.
So beginnt die Biographie einer heute nicht mehr so im Focus stehenden Persönlichkeit, obgleich sie Werke hinterließ, die unbedingt des Lesens wert sind, wie in der Dichterstätte Sarah Kirsch zu hören sein wird. Das Schreiben wird sie durch alle Lebensalter begleiten. Ihre zahlreichen Ortswechseln zeigen, dass ein Unruhegeist in ihr zu Hause ist. Sie lebt in Wien, nach ihrer Heirat mit dem italienischen Zahnarzt Ceconi in Triest. Mit Tochter und Mann zieht sie nach München. Nach der Scheidung folgt eine Ehe mit ihrem Vetter, sie wohnen in Braunschweig.
Nach der Trennung von diesem Mann folgt wieder München, dann im ersten Weltkrieg drei Jahre Schweiz. Seit 1927 wohnt sie in der Familie ihrer Tochter in Berlin, Heidelberg, Freiburg und seit 1936 bis 1947 in Jena. 1944 erscheint ihr bedeutender Gedichtband Herbstfeuer.
Im Jahr 1947 wird die Autorin Ehrenpräsidentin des Ersten Deutschen Schriftstellerkongresses in Ost-Berlin, davor übernahm sie den Ehrenvorsitz des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands im Landesverband Thüringen. Das waren Gelegenheiten, bei denen sie der aus Nordhausen stammende Schriftsteller und Dichter Rudolf Hagelstange persönlich kennenlernte.
Ihre Schreibkunst achtet er seit langem. In seinem Band Menschen und Gesichter, in dem er geachtete zeitgenössische Menschen der Literatur, der Kunst, der Politik auf sehr persönliche Weise vorstellt, steht auch Die Dame Löwenherz – Ricarda Huch. Der Titel geht auf eines ihrer Gedichte zurück. In dem Essay beschreibt er ihre markante Erscheinung, denn ihre schlanke, hochgewachsene, zierliche Gestalt und ihr würdevoller Gang erregten Bewunderung.
Er beginnt: Von allen Gesichtern der Menschen, die ich sah, hat mich keines so bezaubert, wie das der greisen Ricarda Huch. Hagelstanges Einfühlungsvermögen in diese Frau wird die Besucher des Nachmittages in der Langen Reihe 11 wie ein roter Faden begleiten.
Neben Gedichten wird auch aus ihrer großangelegten literaturwissenschaftlichen Studie Die Romantik, Ausbreitung, Blütezeit und Verfall gelesen, und zwar ihre wunderbare Darstellung über die Märchen. Die Huch wurde auch berühmt als eine unverwechselbare Darstellerin historischer Ereignisse. Man sieht in ihr die Geschichtsepikerin, denn, so nennt es Lion Feuchtwanger, sie folgte ihrem Trieb, Geschichte zu dichten. Ihr Vorbild ist dabei Friedrich Schiller. So wird in der Dichterstätte ihr Dreißigjähriger Krieg mit einigen Episoden vorgestellt z. B., wie die Mutter Kepplers darauf wartet, als Hexe verurteilt zu werden.
Die Räume im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch zeigen am 25. Januar ein letztes Mal die phantasiereichen Zeichnungen der Künstlerin Karin Kisker. Der Betrachter ergründet den Erfindungsreichtum, der mit unendlich vielen Strichen des Kugelschreibers erzeugt wird, bei der Mehrzahl der Arbeiten unterlegt mit Farbnuancen. Angeregt wurden die Kunstwerke durch Verse von Dichterinnen und Dichtern, wie sie in Limlingerode seit 1997 erklingen.
Heidelore Kneffel
Autor: redHuch wurde 1926 in Deutschland als erste Frau in die Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste gewählt, trat jedoch bereits 1933 wegen der Ideologie der Nazis aus. In Nordhausen gibt es an der Peripherie der Stadt die Ricarda-Huch-Straße.
Die Autorin wird 1864, also vor 150 Jahren, in Braunschweig geboren, siedelt als Jugendliche nach Zürich über, wo sie ihr Abitur macht und als eine der ersten Frauen Geschichte, Philologie und Philosophie studiert. Ihre Promotion schließt sie 1891 ab. Im selben Jahr erscheint ihr erstes Buch Gedichte unter dem Pseudonym Richard Hugo. Danach arbeitet sie als Bibliothekarin und Lehrerin für Deutsch und Geschichte, zunächst in Zürich, dann in Bremen.
So beginnt die Biographie einer heute nicht mehr so im Focus stehenden Persönlichkeit, obgleich sie Werke hinterließ, die unbedingt des Lesens wert sind, wie in der Dichterstätte Sarah Kirsch zu hören sein wird. Das Schreiben wird sie durch alle Lebensalter begleiten. Ihre zahlreichen Ortswechseln zeigen, dass ein Unruhegeist in ihr zu Hause ist. Sie lebt in Wien, nach ihrer Heirat mit dem italienischen Zahnarzt Ceconi in Triest. Mit Tochter und Mann zieht sie nach München. Nach der Scheidung folgt eine Ehe mit ihrem Vetter, sie wohnen in Braunschweig.
Nach der Trennung von diesem Mann folgt wieder München, dann im ersten Weltkrieg drei Jahre Schweiz. Seit 1927 wohnt sie in der Familie ihrer Tochter in Berlin, Heidelberg, Freiburg und seit 1936 bis 1947 in Jena. 1944 erscheint ihr bedeutender Gedichtband Herbstfeuer.
Im Jahr 1947 wird die Autorin Ehrenpräsidentin des Ersten Deutschen Schriftstellerkongresses in Ost-Berlin, davor übernahm sie den Ehrenvorsitz des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands im Landesverband Thüringen. Das waren Gelegenheiten, bei denen sie der aus Nordhausen stammende Schriftsteller und Dichter Rudolf Hagelstange persönlich kennenlernte.
Ihre Schreibkunst achtet er seit langem. In seinem Band Menschen und Gesichter, in dem er geachtete zeitgenössische Menschen der Literatur, der Kunst, der Politik auf sehr persönliche Weise vorstellt, steht auch Die Dame Löwenherz – Ricarda Huch. Der Titel geht auf eines ihrer Gedichte zurück. In dem Essay beschreibt er ihre markante Erscheinung, denn ihre schlanke, hochgewachsene, zierliche Gestalt und ihr würdevoller Gang erregten Bewunderung.
Er beginnt: Von allen Gesichtern der Menschen, die ich sah, hat mich keines so bezaubert, wie das der greisen Ricarda Huch. Hagelstanges Einfühlungsvermögen in diese Frau wird die Besucher des Nachmittages in der Langen Reihe 11 wie ein roter Faden begleiten.
Neben Gedichten wird auch aus ihrer großangelegten literaturwissenschaftlichen Studie Die Romantik, Ausbreitung, Blütezeit und Verfall gelesen, und zwar ihre wunderbare Darstellung über die Märchen. Die Huch wurde auch berühmt als eine unverwechselbare Darstellerin historischer Ereignisse. Man sieht in ihr die Geschichtsepikerin, denn, so nennt es Lion Feuchtwanger, sie folgte ihrem Trieb, Geschichte zu dichten. Ihr Vorbild ist dabei Friedrich Schiller. So wird in der Dichterstätte ihr Dreißigjähriger Krieg mit einigen Episoden vorgestellt z. B., wie die Mutter Kepplers darauf wartet, als Hexe verurteilt zu werden.
Die Räume im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch zeigen am 25. Januar ein letztes Mal die phantasiereichen Zeichnungen der Künstlerin Karin Kisker. Der Betrachter ergründet den Erfindungsreichtum, der mit unendlich vielen Strichen des Kugelschreibers erzeugt wird, bei der Mehrzahl der Arbeiten unterlegt mit Farbnuancen. Angeregt wurden die Kunstwerke durch Verse von Dichterinnen und Dichtern, wie sie in Limlingerode seit 1997 erklingen.
Heidelore Kneffel


