Glückstag für die "Lange Wand"
Donnerstag, 16. Januar 2014, 13:13 Uhr
Montag, der 13. war ein Glückstag für das Besucherbergwerk Lange Wand" in Ilfeld und seine Bergwerk- und Wanderführergruppe. Warum das so war, das hat die nnz erfahren...
Unterzeichnet (Foto: privat)
An diesem Tag wurde eine Vereinbarung über wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Geowissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Bergwerk- u. Wander-Führergruppe Ilfeld/Wiegersdorf als Betreiber des Besucherbergwerks unterzeichnet.
Die Vereinbarung hat die Intensivierung der bereits seit langem bestehenden, aber bisher mehr sporadischen Zusammenarbeit auf den Gebieten der regionalen Geologie sowie der Montangeschichte des Ilfelder Raumes als Zielstellung.
Bereits seit vielen Jahren bestehen sehr gute Kontakte und unterstützende, wissenschaftliche Beziehungen zwischen den Geologen aus Halle und den Bergwerkführern der Langen Wand. So wurde vieles während der Exkursionen durch Geologie - Studenten entdeckt, neu bewertet und richtig gestellt. Daraus ergibt sich für die angehenden Geologen nicht nur eine der Verbesserung der Lehre, sondern auch die Möglichkeit, ihre erworbenen theoretischen Kenntnisse unter den Bedingungen eines Bergwerkes, im schwachen Licht der Kopflampe anzuwenden und gewissermaßen unter Praxisbedingungen zu erproben.
Im Gegenzug dazu erhalten die Bergwerksführer die Möglichkeit, sich stets auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu halten, soweit diese den Raum Ilfeld und den in vergangene Zeiten hier umgegangenen Bergbau betreffen.
Viele wissenschaftliche Erkenntnisse der Entstehung Europas und des Harzes im Verlauf der Erdgeschichte wurden erst in den letzten Jahrzehnten erforscht und erkannt. Dies trifft für die Lange Wand, einen kleinen Höhenzug des Ilfelder Beckens, in besonderem Maße zu. Neue Erkenntnisse wurden gewonnen, noch mehr neue Fragen, die einer Klärung bedürfen, sind aufgetaucht.
Die Lange Wand mit einer Vielfalt an geologischen Besonderheiten zog daher einen Geologie - Studenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in ihren Bann. Der angehende Geologe erklärte sich im Einverständnis mit der MLU bereit ausgewählte geologische Probleme des Ilfelder Beckens, vor allem aber des Besucherbergwerks zum Thema seiner Master – Arbeit zu machen.
Durch diese Vereinbarung wurde ein großer Schritt in eine Richtung getan, welche hoffentlich in den nächsten Jahren für beide Vertragspartner reiche Früchte bringt. Das Besucherbergwerk Lange Wand rückt als Bildungs- und Forschungsbergwerk verstärkt in das Blickfeld der Universitäten und Schulen. Die Masterarbeit kann ein erster Schritt sein, die Vielfalt und Einmaligkeit der Geologie im Ilfelder Becken und im Südharz wieder zu einem zentralen Punkt der geologischen Lehre und Forschung zu machen, als Bergwerks- und Wanderführergruppe hoffen wir, das sei nicht die letzte Arbeit dieser Art ist.
Millionen Jahre erdgeschichtliche Entwicklung in einer Vielfalt an Gesteinen, Mineralien und Erzen auf kleinsten Raum, zwei Besucherbergwerke unterschiedlichster Art, Relikte eines historischen Mangan - Bergbaus, uralte Erzverhüttung bis hin zum dem ehemaligen Hüttenwerk der Johannishütte; sind die Stützpfeiler der Ilfelder Montangeschichte.
Unweigerlich stellt sich da die Frage wo es in einem so eng begrenzten Raum mehr Geologie und Montangeschichte zum Erwandern, Erleben und zum Anfassen gibt. Allein der kleine unscheinbare Höhenzug Lange Wand, welcher südöstlich von Ilfeld liegt, hat mehr zu bieten als Kupferschiefer und ein einschlägiges Besucherbergwerk. Nicht umsonst wurde er in das Verzeichnis der Nationalen Geotope aufgenommen.
Wer mit offenen Augen in der Umgebung von Ilfeld wandert, kann täglich etwas Neues entdecken.
Der Südharzrand oder auch als Ilfelder Becken bezeichnetes Stück von Bad Lauterberg bis Hermannsacker ist ein offenes Buch der erdgeschichtlichen Entstehung besonderer Art. Hier war die Suppe der Erdkruste im wahrsten Sinne des Wortes so richtig am kochen. In Ilfelder Becken ist im Verlauf der Erdgeschichte kein Stein auf dem anderen geblieben. Fast alles, was heute die Touristen durch die Welt treibt, gab es hier schon einmal: Tropisches Klima mit Sumpflandschaften von denen Heute die Ilfelder Steinkohlen Zeugnis ablegen, Vulkane, welche die Sümpfe vernichteten und mit glühenden Gesteinsmassen überdeckten, ein Meer, auf dessen Boden der Kupferschiefer entstand und dessen Salze heute die weißen Gipswände bei Niedersachswerfen bilden.
Alles das kann der Wanderer auf einer relativ kurzen Tour sehen und erleben. Auf einer Tour von Niedersachswerfen bis zum Netzkater nördlich von Ilfeld. Wenn er will, kann er auf dieser Tour auch noch zwei Bergwerke befahren und Geologie Unter Tage erleben und erklärt bekommen. Kaum jemand ist sich dabei der Tatsache bewusst, dass er auf wenigen Kilometern Wanderstrecke durch einige zig Millionen Jahre Erdgeschichte gewandert ist.
Was für das Ilfelder Becken im Allgemeinen gilt, gilt für das Besucherbergwerk Lange Wand im Besonderen. Unter Tage kann man mit sachkundiger Hilfe erkennen, wie sich Gesteine gebildet und verformt haben, wie Erze und Minerale entstanden sind und gegenwärtig immer noch entstehen. Auch die elenden Arbeitsbedingungen der Bergleute werden sachkundig vorgestellt. Dem Fachmann ergeht es dagegen in der Langen Wand nicht ganz so gut wie dem Besucher. Was er findet und sieht sind vor allem Fragen, zum Teil ungeklärte Fragen.
Besonders die mannigfache Mineralisation mit mindestens zwei Generationen mineralisierter Gänge deutet hierbei auf ein besonderes geologisches und bergbauliches Erbe hin. Bisher wurde die Mineralisation fast nur als Rückenmineralisation betrachtet. Die neusten Erkenntnisse weisen auf ein viel komplizierteres System hin und zeigen das weiterer Untersuchungen notwendig sind.
Damit diesen Missstand abgeholfen wird, haben wir uns als Bergwerks- und Wanderführer-gruppe an die Geologen der MLU gewandt. Mit Erfolg, wie der am Montag abgeschlossene Kooperationsvertrag gezeigt hat. Als Verein werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, dass er mit Leben erfüllt wird.
Wir hoffen, dass sich weitere Universitäten, Fachhochschulen etc. in ähnlicher Art und Weise zu Forschungszwecken mit uns verbünden und laden ausdrücklich dazu ein. Doch wir wenden uns auch an Schulen und Kindereinrichtungen.
Wie wäre es mit einem geologischen oder erdgeschichtlichen Wandertag? Könnten Sie sich eine oder mehrere Geologie Stunden unter der Erde vorstellen? Denken Sie, liebe Leser, einfach einmal darüber nach! Sollten wir ihr Interesse geweckt haben, besuchen sie uns auf unserer Internet Seite unter: www.lange-wand.de
Denn nach wie vor gilt für uns alle: Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch sind noch immer die besten Investitionen.
Manfred Kappler
Autor: red
Unterzeichnet (Foto: privat)
An diesem Tag wurde eine Vereinbarung über wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Geowissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Bergwerk- u. Wander-Führergruppe Ilfeld/Wiegersdorf als Betreiber des Besucherbergwerks unterzeichnet.
Die Vereinbarung hat die Intensivierung der bereits seit langem bestehenden, aber bisher mehr sporadischen Zusammenarbeit auf den Gebieten der regionalen Geologie sowie der Montangeschichte des Ilfelder Raumes als Zielstellung.
Bereits seit vielen Jahren bestehen sehr gute Kontakte und unterstützende, wissenschaftliche Beziehungen zwischen den Geologen aus Halle und den Bergwerkführern der Langen Wand. So wurde vieles während der Exkursionen durch Geologie - Studenten entdeckt, neu bewertet und richtig gestellt. Daraus ergibt sich für die angehenden Geologen nicht nur eine der Verbesserung der Lehre, sondern auch die Möglichkeit, ihre erworbenen theoretischen Kenntnisse unter den Bedingungen eines Bergwerkes, im schwachen Licht der Kopflampe anzuwenden und gewissermaßen unter Praxisbedingungen zu erproben.
Im Gegenzug dazu erhalten die Bergwerksführer die Möglichkeit, sich stets auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu halten, soweit diese den Raum Ilfeld und den in vergangene Zeiten hier umgegangenen Bergbau betreffen.
Viele wissenschaftliche Erkenntnisse der Entstehung Europas und des Harzes im Verlauf der Erdgeschichte wurden erst in den letzten Jahrzehnten erforscht und erkannt. Dies trifft für die Lange Wand, einen kleinen Höhenzug des Ilfelder Beckens, in besonderem Maße zu. Neue Erkenntnisse wurden gewonnen, noch mehr neue Fragen, die einer Klärung bedürfen, sind aufgetaucht.
Die Lange Wand mit einer Vielfalt an geologischen Besonderheiten zog daher einen Geologie - Studenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in ihren Bann. Der angehende Geologe erklärte sich im Einverständnis mit der MLU bereit ausgewählte geologische Probleme des Ilfelder Beckens, vor allem aber des Besucherbergwerks zum Thema seiner Master – Arbeit zu machen.
Durch diese Vereinbarung wurde ein großer Schritt in eine Richtung getan, welche hoffentlich in den nächsten Jahren für beide Vertragspartner reiche Früchte bringt. Das Besucherbergwerk Lange Wand rückt als Bildungs- und Forschungsbergwerk verstärkt in das Blickfeld der Universitäten und Schulen. Die Masterarbeit kann ein erster Schritt sein, die Vielfalt und Einmaligkeit der Geologie im Ilfelder Becken und im Südharz wieder zu einem zentralen Punkt der geologischen Lehre und Forschung zu machen, als Bergwerks- und Wanderführergruppe hoffen wir, das sei nicht die letzte Arbeit dieser Art ist.
Millionen Jahre erdgeschichtliche Entwicklung in einer Vielfalt an Gesteinen, Mineralien und Erzen auf kleinsten Raum, zwei Besucherbergwerke unterschiedlichster Art, Relikte eines historischen Mangan - Bergbaus, uralte Erzverhüttung bis hin zum dem ehemaligen Hüttenwerk der Johannishütte; sind die Stützpfeiler der Ilfelder Montangeschichte.
Unweigerlich stellt sich da die Frage wo es in einem so eng begrenzten Raum mehr Geologie und Montangeschichte zum Erwandern, Erleben und zum Anfassen gibt. Allein der kleine unscheinbare Höhenzug Lange Wand, welcher südöstlich von Ilfeld liegt, hat mehr zu bieten als Kupferschiefer und ein einschlägiges Besucherbergwerk. Nicht umsonst wurde er in das Verzeichnis der Nationalen Geotope aufgenommen.
Wer mit offenen Augen in der Umgebung von Ilfeld wandert, kann täglich etwas Neues entdecken.
Der Südharzrand oder auch als Ilfelder Becken bezeichnetes Stück von Bad Lauterberg bis Hermannsacker ist ein offenes Buch der erdgeschichtlichen Entstehung besonderer Art. Hier war die Suppe der Erdkruste im wahrsten Sinne des Wortes so richtig am kochen. In Ilfelder Becken ist im Verlauf der Erdgeschichte kein Stein auf dem anderen geblieben. Fast alles, was heute die Touristen durch die Welt treibt, gab es hier schon einmal: Tropisches Klima mit Sumpflandschaften von denen Heute die Ilfelder Steinkohlen Zeugnis ablegen, Vulkane, welche die Sümpfe vernichteten und mit glühenden Gesteinsmassen überdeckten, ein Meer, auf dessen Boden der Kupferschiefer entstand und dessen Salze heute die weißen Gipswände bei Niedersachswerfen bilden.
Alles das kann der Wanderer auf einer relativ kurzen Tour sehen und erleben. Auf einer Tour von Niedersachswerfen bis zum Netzkater nördlich von Ilfeld. Wenn er will, kann er auf dieser Tour auch noch zwei Bergwerke befahren und Geologie Unter Tage erleben und erklärt bekommen. Kaum jemand ist sich dabei der Tatsache bewusst, dass er auf wenigen Kilometern Wanderstrecke durch einige zig Millionen Jahre Erdgeschichte gewandert ist.
Was für das Ilfelder Becken im Allgemeinen gilt, gilt für das Besucherbergwerk Lange Wand im Besonderen. Unter Tage kann man mit sachkundiger Hilfe erkennen, wie sich Gesteine gebildet und verformt haben, wie Erze und Minerale entstanden sind und gegenwärtig immer noch entstehen. Auch die elenden Arbeitsbedingungen der Bergleute werden sachkundig vorgestellt. Dem Fachmann ergeht es dagegen in der Langen Wand nicht ganz so gut wie dem Besucher. Was er findet und sieht sind vor allem Fragen, zum Teil ungeklärte Fragen.
Besonders die mannigfache Mineralisation mit mindestens zwei Generationen mineralisierter Gänge deutet hierbei auf ein besonderes geologisches und bergbauliches Erbe hin. Bisher wurde die Mineralisation fast nur als Rückenmineralisation betrachtet. Die neusten Erkenntnisse weisen auf ein viel komplizierteres System hin und zeigen das weiterer Untersuchungen notwendig sind.
Damit diesen Missstand abgeholfen wird, haben wir uns als Bergwerks- und Wanderführer-gruppe an die Geologen der MLU gewandt. Mit Erfolg, wie der am Montag abgeschlossene Kooperationsvertrag gezeigt hat. Als Verein werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, dass er mit Leben erfüllt wird.
Wir hoffen, dass sich weitere Universitäten, Fachhochschulen etc. in ähnlicher Art und Weise zu Forschungszwecken mit uns verbünden und laden ausdrücklich dazu ein. Doch wir wenden uns auch an Schulen und Kindereinrichtungen.
Wie wäre es mit einem geologischen oder erdgeschichtlichen Wandertag? Könnten Sie sich eine oder mehrere Geologie Stunden unter der Erde vorstellen? Denken Sie, liebe Leser, einfach einmal darüber nach! Sollten wir ihr Interesse geweckt haben, besuchen sie uns auf unserer Internet Seite unter: www.lange-wand.de
Denn nach wie vor gilt für uns alle: Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch sind noch immer die besten Investitionen.
Manfred Kappler
