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Posaunenbläser auf dem Turm

Donnerstag, 16. Januar 2014, 11:59 Uhr
Der Petersberg lebt. Dank der Landesgartenschau, die hier erfolgte. Wenn heute Kletterturm und –seile und im Sommer ein blühender und grünender Berg die Besucher auf das Terrain locken, stand früher der Petriturm im Mittelpunkt. Mit einem weiteren Beitrag setzt Kurt Frank seine Serie Heimatgeschichte und Gegenwart in der nnz fort...

Heimatgeschichtliches: Petriturm (Foto: Kurt Frank) Heimatgeschichtliches: Petriturm (Foto: Kurt Frank)
Einst ließen Posaunenbläser vom Petriturm herab Choräle weithin über die Stadt ertönen. Diese alte Tradition wieder zum Leben zu erwecken, wäre ein weiteres Highlight für die Stadt.

Nordhausen. „Der Turm der beim Luftangriff im April 1945 zerstörten Petrikirche kann auf ein stattliches Alter zurückblicken“, schreibt Heimatforscher Fritz Schmalz, mit dem der Autor gut befreundet war, in seinen Aufzeichnungen. Schmalz begründet das gewissenhaft: Am 25. April 1362 sei Baubeginn gewesen. Exakt 15 Jahre habe man benötigt, um den Turm bis zu einer Höhe von 60 Metern anwachsen zu lassen.

Erst Jahrhunderte später, man schrieb das Jahr 1731, baute man in den untersten Teil des Turmhelms eine Wohnung für den Türmer ein. Der erste, der die verantwortungsvolle Tätigkeit der Brandwache übernahm, war Friedrich Jakob Messerschmidt, wusste Heimatforscher Schmalz. Tagsüber hatte der Türmer alle Stunden, während der Nacht allerdings alle Viertelstunden von den drei Ecken des Turmes das zu Horn blasen.

Die auf dem Turm befindliche Plattform, welche leider 1987 beim Aufsetzen des neuen Helmes – das Ereignis wurde live im Rundfunk übertragen und im Fernsehen gezeigt – nicht mit erneuert wurde, entstand 1660/61 gelegentlich einer nach einem großen Sturm erforderlichen Reparatur. Belegt ist aus der Förstemann-Chronik, dass durch einen Sturm am 9. Dezember 1660 die Turmspitze mit dem kleinen Knopfe vom Turm St. Petri herabgeworfen, Kirchendach und Orgel beschädigt wurden.

Die Plattform diente den Posaunenbläsern. Sie ließen an Sonn- und Feiertagen von dort aus weit schallend Choräle ertönen. Das Turmblasen war eine von der Stadt ins Leben gerufene Aktion und wurde von ihr subventioniert. Aus finanziellen Schwierigkeiten – die Stadtkasse zeigte seinerzeit schon zeitweise Anzeichen der Schwindsucht – übernahm 1877 Kommerzienrat G. Schreiber die Kosten. Ein Tradition war gerettet.

Aufgabe des Türmers war es auch, die Turmuhr zu regulieren. Damals gab es noch keine öffentlichen Uhren, waren Taschenuhren noch nicht so recht gebräuchlich. Von 1914 bis 1927 (Jubeljahr der Stadt) stand die Turmuhr wegen eines Defektes still. Da man aber die Glocken (im Krieg eingeschmolzen) wieder ersetzte, kam das auch der Uhr zugute. Die berühmte Turmuhrenfabrik Weule schuf ein Werk neuester Konstruktion.

Und heute? Will die Stadt die alte Tradition des Turmblasens wieder zum Leben erwecken? Das sei nicht vorgesehen. Zumindest nicht in diesem Jahr, sagt Katrin Starroska vom Kulturamt. Wie sich das mal entwickeln werde, könne derzeit nicht gesagt werden. Immerhin sei der Turm für eine Besteigung wieder freigegeben. Von 11 bis 17 Uhr sei es derzeit möglich, aus großer Höhe die Blicke über die Stadt schweifen zu lassen. Wenngleich heute eine Turmuhr keine Notwendigkeit mehr ist, so wäre es doch ein Glück, fände sich dafür ein Investor.
Kurt Frank
Autor: red

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