nnz-online

nnz-Forum: Austritt aus ZAN soll überlegt werden

Freitag, 27. April 2001, 12:03 Uhr
„Als ersten Punkt dieser Problematik möchten wir die Standortfrage geklärt wissen. Sie haben sich eindeutig für den Standort Nenzelsrode als Deponie für die Ablagerung von Restmüll ab dem Jahr 2005 ausgesprochen. Inwieweit ist diese Willensbekundung mit einem möglichen Exportbeschluss im ZAN vereinbar, der auch in die jetzt angestrebte Ausschreibung des ZAN eingeflossen ist. Dieses könnte bedeuten, das die Möglichkeit besteht, das die Kreismülldeponie nicht mehr zweckentsprechend genutzt werden kann. Auf der Abfalldeponie ist ab 2005 ein Restablagerungsvolumen von ca 450.000 m³ vorhanden.

Laut Ihren Äusserungen kämen auf die Bürger erhebliche Mehrbelastungen zu, sollte die Deponie nicht weiter genutzt werden. Inwieweit ist eine derartige Erhöhung kalkuliert, bzw. schon heute als Rücklage in den Gebühren berücksichtigt? Ebenso kommt in Ihren Ausführungen zum Ausdruck, dass sich durch die Behandlung des Abfalls eine deutliche Gebührenerhöhung ergeben wird.
Des weiteren stellte sich noch immer die Frage der technischen/thermischen Behandlung des Abfalls. Laut Ihrer Darstellung bevorzugen Sie schon jetzt das sogenannte „Syntecs-Verfahren“. Laut dem ZAN ist allerdings diese Frage vollkommen offen. Hier werde sich auf kein spezielles Verfahren, BMA/MVA, beschränkt. „Gerade wegen der Komplexität einer technikoffenen Ausschreibung hat der ZAN sich ein Beraterteam mit entsprechenden Kompetenzen an die Seite gestellt, das federführend von einem erfahrenen Juristen geleitet wird“, so die Mitteilung des ZAN-Geschäftsführers Sachse. Diese Aussage lässt unserer Meinung nach keine konkreten Schlüsse auf die wirklichen Absichten des ZAN zu.

Da der ZAN sich nicht eindeutig auf den Standort Nenzelsrode festlegt, drängt sich der Eindruck auf, das durch den ZAN die Interessen der Bürger des Landkreises Nordhausen nicht oder zumindest nicht ausreichend vertreten werden. Aus diesem Grund bitten wir Sie, uns als Bürger des Landkreises Nordhausen umfassend hinsichtlich der zu erwartenden Kosten zu informieren. Des weiteren bitten wir zu prüfen, ob der Landkreis aus dem Zweckverband austreten sollte, um hier seine Interessen bzw. die Interessen der Bürger dieses Landkreises besser vertreten könnte. Dabei sollte dargelegt werden, welche Vorteile sich für den Landkreis im Gegensatz zum Verbleib im ZAN ergeben. Eine genaue Kostendarstellung bzw. Gegenüberstellung ist daher zu fordern. Ebenso sollte dann das zukünftige Nutzungskonzept unter Berücksichtigung der ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkte den Bürger vorgestellt werden. Auch über die eventuell auftretenden Nachteile, die dieser Schritt auslösen könnte muss nachgedacht und abgewogen werden.

Als dritten Punkt unsere Forderungen vertreten wir die Ansicht, das in der Frage der zukünftigen Nutzung auch die Landesregierung eingebunden werden muß. Diese beabsichtigt enorme Fördergelder in ein zukünftiges Industriegebiet zu investieren. Daher fordern wir Sie sowie die Landesregierung auf, den Ausbau des Abfallwirtschaftszentrums nach Planungssicherheit zu einem modernen Technologiezentrum voranzutreiben. Das Gebiet um Nenzelsrode bietet aufgrund seiner Lage, ein enormes Potential um hier moderne, innovative Industrie, eben auch solche, die sich der ökologischen Produktion widmet, anzusiedeln. Siehe z.B. das Modellprojekt in Nordhessen, das zusammen mit der Verpackungsindustrie und dem Umweltbundesamt Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen herstellt. Laut Auskunft des Staatssektretärs im Bundesumweltamt, Matthias Berninger, bietet diese Industrie auch im Hinblick auf die Osterweiterung der EU die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ein Flächenmagement aufzubauen, das einerseits Industrieproduktion zulässt, aber andererseits auch der Landwirtschaft die Möglichkeit eröffnet, die Landwirtschaftlichen Nutzflächen dauerhaft zur Sicherung ihrer Existenz zu nutzen.

Wenn dieses für unseren Landkreis gelänge, einerseits die Flächen der Goldenen Aue weiterhin landwirtschaftlich nutzen zu können und andererseits eine Symbiose der Abfallverwertung sowie deren Erzeugung aufzubauen, würde sich der Landkreis Nordhausen weit über die Grenzen Thüringens als wahrer „ökologischer Landkreis“ einen Namen machen. Daran mitzuarbeiten, strebt unsere Bürgerinitiative an.

Klaus-Dieter Korb, Bürgerinitiative „Rettung der Goldenen Aue“
Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de