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Aktion „Sauberes Gehege?“

Dienstag, 07. Januar 2014, 11:09 Uhr
Gestern begann nnz mit der Serie „Heimatgeschichte und Gegenwart“. Heute ein zweiter Tei: „Wenn Fremde nach Nordhausen kommen, versäumen sie wohl nie, das Gehege zu besuchen und bringen womöglich auch einen Abend im Gehegekonzert zu.“ Das schrieb der Nordhäuser Mittelschullehrer Heinrich Heine 1914 in „Unsere Heimat“. Das Gehege heute? Eine Betrachtung von Kurt Frank...

Das Nordhäuser Gehege (Foto: Kurt Frank) Das Nordhäuser Gehege (Foto: Kurt Frank)
Heimatkundelehrer Heinrich Heine müsste heute seine Betrachtung über das Gehege, die er im Jahre 1914 verfasste, völlig umschreiben. 1885 gab es hier um den Platz 17 kleinere Lokale. Heute sind es zwei große.

Nordhausen. Heimatkundelehrer Heine müsste seine Betrachtung über das Gehege umschreiben. Vor 100 Jahren sah er es so: „Auf dem Gehegeplatz plätschert ein Springbrunnen. Oben und untern auf dem Platz steht eine Tonhalle. Hier spielt die Musik. Im Sommer wird der Gehegeplatz viel besucht, hauptsächlich am Sonntage, aber auch an schönen Abenden in der Woche. An den Seiten im Schatten des Waldes sind Gastwirtschaften. Auf dem Platze wogt es auf und ab von fröhlichen Menschen.“

Weder wogt es heute auf dem Platz auf und ab, noch spielt in den Tonhallen an Sonntagen, geschweige an lauen Sommerabenden, die Musik. Fremde, die heute Nordhausen besuchen, kommen nicht mehr auf die Idee, im Gehege frische Luft zu atmen, wie es Lehrer Heine ausgiebig tat. Auswärtige, die uns in diesem Jahr beehren, strömen stattdessen in den neuen Einkaufstempel. Oder später in den der Kultur, der sich Bürgerhaus nennt.

Das Gehege unserer Tage präsentiert sich derzeit ungepflegt. Säge und Axt hinterließen ihre Spuren. Holzhaufen über Holzhaufen. An Wegen und Ecken. Und der Holzeinschlag hat noch kein Ende gefunden. Im Gegenteil. Der Spaziergänger entdeckt noch etliche mit rotem Kreuz gekennzeichnete Bäume. Die fallen noch. Nicht im Morgengrauen. Axel Axt, der Stadtförster, wartet auf den Frost. Um loslegen zu können. Der aufgeweichte Boden verhindere dies momentan.

Womöglich bleibt nach strengen Wintern der letzten Jahre Väterchen Frost diesmal daheim. Bliebe es mild und nass, würde das nach des Stadtförsters Worten weitere Vorhaben im Naherholungsgebiet erschweren. Bis zum Frühjahr, wenn der Saft in die Bäume steigt, sie ergrünen, die Vögel wieder zwitschern und die Sonne Besucher in die grüne Lunge lockt, wolle man das Gehege dennoch aufgeräumter präsentieren.

Immerhin: Mitarbeiter des Sachgebietes Umwelt und Grünordnung seien schon mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Kleckerei? Ein Bemühen, das eher dem Kampf Don Quichottes gegen Windmühlen gleicht? Nach dem Gewittersturm in der Nacht vom 14. zum 15. Juni 1980, der auch im Gehege Spuren hinterließ, ergriff der Stadtrat die Initiative. Mit Mann und Maus ging er ans Werk. Voran der Bürgermeister. Man warb um Helfer, räumte auf. Was spricht 2014 im Frühjahrsputz gegen eine Aktion „Sauberkeit im Gehege?“

Das Nordhäuser Gehege (Foto: Kurt Frank) Das Nordhäuser Gehege (Foto: Kurt Frank)
Reisighaufen, großes und kleines Astwerk finden sich derzeit im Gehege überall. Über eine Aktion „Sauberes Gehege“ müsse der Oberbürgermeister entscheiden, verlautet aus dem Sachgebiet Umwelt und Grünordnung.

Mehr noch: Eine Bitte an die Nordhäuser, an einem Samstag mit Hand anzulegen, dürfte nicht ungehört verhallen. Zumal, wenn als ein Dankeschön Deftiges vom Grill und ein Getränk, was sich mit einer ansässigen Gastwirtschaft machen ließe, danach gereicht würden. Kerstin Windisch, die stellvertretende Sachgebietsleiterin Umwelt und Grünordnung, ist von der Idee angetan. Stadtförster Axel Axt begeistert. Das gäbe einen Ruck.

Entscheiden müsse das aber der oberste Chef. Der Oberbürgermeister soll ein Herz für das Gehege haben. Ein kleiner körperlicher Einsatz an frischer Luft wäre für die Obrigkeit im Rathaus samt ihrer Büroleute im Gefolge der Gesundheit nur dienlich. Tipptopp aufgeräumt, räumt Stadtförster Axel Axt ein, werde das Gehege aber nicht. Als Schutz für Igel und anderes Getier blieben kleineres Astwerk und Reisighaufen liegen.
Kurt Frank
Autor: red

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