nnz-online

„Der Tanz zum Tode“

Montag, 06. Januar 2014, 10:25 Uhr
Am kommenden Sonntag findet in der Sonder-Ausstellung „Jüdisches Leben in Nordhausen“ ab 15.30 Uhr eine Lesung statt, initiiert vom Förderverein Museum Flohburg. Im Mittelpunkt steht das Maryrtium der Juden in Nordhausen im Pest-Jahr 1349...


Schautafel (Foto: Archiv Kneffel) Schautafel (Foto: Archiv Kneffel) Der Historiker Nordhausens, Ernst Günther Förstemann, überlieferte, dass auch in Nordhausen „wie es scheint … im schrecklichen Jahr des schwarzen Todes die Juden entsetzlich verfolgt, getötet und hingerichtet (verbrannt)“ wurden. „Diese Verfolgung wurde … durch die dringende Aufforderung des Landgrafen von Thüringen, Markgrafen Friedrich von Meissen“ an den Rat in Nordhausen durchgeführt, dessen Sendschreiben das Datum des 2. Mai 1349 trägt und in Eisenach ausgefertigt wurde. Dieses Schriftstück ist im Stadtarchiv aufbewahrt.

Darin wird behauptet, dass die Juden in ihrer „Bosheit“ gegen die Christenheit erwiesener Maßen die Brunnen vergiftet hätten und somit die Pest ausgebrochen sei. Nun soll sich, - eine amtliche Überlieferung aus der Zeit gibt es darüber nicht - die jüdische Gemeinde in Nordhausen unter ihrem Rabbi dazu entschlossen haben, wenn sie denn sterben müssten, dies mit einem Tanz in den Tod zu tun.

Woher diese Geschichte über die Judenverbrennung in Nordhausen rührt und warum die jüdische Gemeinde diesen Entschluss fasste, wird am Samstag erläutert.

Karin Kisker „Der Tanz in den Tod“ (Foto: Archiv Kneffel) Karin Kisker „Der Tanz in den Tod“ (Foto: Archiv Kneffel) Schauplatz dieses Feuertodes soll der später Rähmen genannte Teil auf dem Petersberg gewesen sein, denn dort befand sich zur Zeit des ungeheuren Geschehens der jüdische Friedhof. Noch heute erinnert die Bezeichnung Judenturm an diese Begräbnisstätte (Thorm ufm Joddenkerchhof), denn in diesem Bollwerksturm der Stadtbefestigung wurden jüdische Grabplatten eingemauert.

Diese sind nach dem zweiten Weltkrieg aus dem Bauwerk verschwunden. Der untere Teil des Turmes, ca. 3 Meter, verschwand, weil die Trümmerberge aufgeschüttet wurden. Aber, 1993 wurde bei Ausschachtungsarbeiten rund um das Bollwerk ein mittelalterlicher jüdischer Grabstein, leider beschädigt, geborgen. Über ihn schuf die Künstlerin Karin Kisker ein Doppelgemälde, dass gemeinsam mit dem Grabstein in der Ausstellung im Museum zu sehen ist.

Blick in die Ausstellung (Foto: Archiv Kneffel) Blick in die Ausstellung (Foto: Archiv Kneffel)
Doppelgemälde und Grabstein in der Ausstellung

Im Mittelpunkt des Nachmittags steht die Lesung „Der Tanz zum Tode. Urkundliche Erzählung “ von dem Theologieprofessor und Judaisten Franz Julius Delitzch (1813-1890), aus Leipzig gebürtig. Seine tiefe Kenntnis des Alten Testamentes ließen es ihn als seine Pflicht ansehen, immer wieder darzulegen, dass das wahre Christentum mit der ungerechten und wahrheitswidrigen Beurteilung des Judentums nichts gemein habe.

Das machte ihn zu einem bedeutenden Gegner antisemitischer Pseudogelehrten. Seine Erzählung wurde 1873 im „Jahrbuch deutscher Dichter und Denker“ in Berlin veröffentlicht. Ehe er sein literarisches Werk verfasste, besuchte er Nordhausen, um sich über den Schauplatz der Verbrennung zu informieren. Die Beschreibung der Stadt Anfang der 1870er Jahre dürfte für die Zuhörer ebenfalls aufschlussreich sein.

„In der Stadt vergegenwärtigen uns noch heute bedeutende Mauer- und Thurmreste, wie fest und streitbar sie ehedem war ...“ Wahrscheinlich von Delitzsch angeregt, schreibt ein Richard Reinhard 1876 den Roman „Der Tanz zum Tode“, und die jüdische Dichterin Emma Lazarus (1849-1887) aus New York die Tragödie „ The Dance to Death“.
Heidelore Kneffel
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de