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Denkmal gegen den Krieg?

Freitag, 03. Januar 2014, 19:05 Uhr
Eine Großrakete aus dem Nordhäuser Kohnstein A4 „V2“ als Denkmal gegen Krieg in Niedersachswerfen/Harztor bei Nordhausen? Dazu ein Beitrag von Tim Schäfer in Ihrer nnz...


Die Aggregat 4 Rakete „V2“ wurden auch von Häftlingen und Zwangsarbeitern des KZ Mittelbau bei Nordhausen im Kohnstein gebaut. Vor etwa 60 Jahren stand eine 14 Meter hohe V2, eine Großrakete in Niedersachswerfen als Denkmal für den Frieden.

Mahnmal gegen Kriegsrüstung und Remilitarisierung in Deutschland. In der Bevölkerung, speziell auch in Westdeutschland, waren seinerzeit viele gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands. „V2 vorbei oder was hast Du für den Frieden getan“, so war dieses Denkmal beschriftet. Die Aktion fand überregional eine gewisse Beachtung.

Reichspropagandaminister Dr. Joseph Göbbels erklärte die Rakete A4 im Oktober 1944 zur Vergeltungswaffe 2, kurz „V2“. Die Aggregat 4 wurde erstmals im März 1942 getestet. Am 3. Oktober 1942 gelang ein erfolgreicher Start. Dabei soll sie mit einer Spitzengeschwindigkeit von fast Mach 5 (4824 km/h) eine Gipfelhöhe von 84,5 km erreicht haben. Mit solchen Raketen gelang erstmals der Sprung an den Weltraum. Militärisch bemessen Historiker den V-Waffeneinsatz, insbesondere gegen England und Belgien, als nicht besonders wirksam. Gleichwohl ist der Terror gegen die Zivilbevölkerung und die hohen Opfer der Häftlinge in Zwangsarbeit einschlägig beschrieben.

Denkmal? (Foto: Tim Schäfer) Denkmal? (Foto: Tim Schäfer)
Vor etwa 60 Jahren in Niedersachswerfen: V2 vorbei oder was hast Du für den Frieden getan? Ein besonderes, temporäres Antikriegs-Denkmal (etwa 1953-54). Fotoreplik Sammlung Schäfer, (unbekannt)

Möglicherweise verfehlte die damalige Aktion aber Ihr Ziel. Viele gerade der jüngeren Sachswerfer waren ob der Dimension und Technik dieser Großrakete von Wernher von Braun und seinem Team beeindruckt. In dem Bergmassiv des Kohnstein waren also direkt vor der Haustür insbesondere diese Raketen hergestellt worden! Hier in der Beschriftung findet sich kein Hinweis auf die Häftlinge und Zwangsarbeiter.

Diese waren bis Ende des Krieges im Ortsbild nicht unvertraut, wenn man den Berichten folgt, die die Marschformationen der Häftlinge mit SS Wachen mit der Waffe im Anschlag durch den Südharzort beschreiben. Die Raketen selbst unterlagen auch der strikten Geheimhaltung.

Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora mussten im Untertage-Militär-Rüstungskomplex Mittelbau der SS (Mittelwerk GmbH, im Kohnstein bei Nordhausen) bis zum März 1945 in dem damals größten untertage gelegenen Rüstungsbetrieb des Zweiten Weltkrieges und Hitlerdeutschlands hauptsächlich die als Vergeltungswaffen bezeichnete Flugbombe Fieseler Fi 103 "V1" und die Großrakete A4 "V2" mit produzieren oder unter primitivsten Bedingungen Bauleistungen ausführen.

Information und Führungen: http://www.buchenwald.de/29/Mittelbau-Dora

Ein KZ des "Totalen Krieges"

Mittelbau-Dora steht exemplarisch für die Geschichte der KZ-Zwangsarbeit und der Untertageverlagerung von Rüstungsfertigungen im Zweiten Weltkrieg. Mehr als 60 000 Menschen aus fast allen Ländern Europas, vor allem aus der Sowjetunion, Polen und Frankreich, mussten zwischen 1943 und 1945 im KZ Mittelbau-Dora Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Jeder dritte von ihnen starb.

Bis heute sind Raketen bedeutende militärstrategische Elemente, thermonukleare wie konventionelle Abschreckung und Gefahr für die Menschheit. Zivil genutzte Raketen eröffnen der Menschheit dagegen die Wissenschaft und den Weg hin zum Mars. Kriegsraketen sind heute weltweit verbreitet, oder was haben wir für die friedliche Nutzung der Raketentechnologie getan?
Tim Schäfer
Autor: red

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