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Zigeunersteak 3,60 Euro

Donnerstag, 12. Dezember 2013, 09:30 Uhr
Nein, wir machen hier keine Werbung, obwohl man das guten Gewissens tun könnte. Wir freuen uns nur, dass wenigstens eine Nordhäuser Küche noch eine allgemeinverständliche Speisekarte hat – fernab von aller übertriebener politischer Sprach(un)korrektheit, freut sich Jürgen Wiethoff...


Kein Zigeunerschnitzel hingegen mehr in Hannovers Rathauskantine und im Hannover-Congress-Centrum: Für den Verein für Sinti und Roma in Hannover, der für eine Umbenennung der Zigeunersauce kämpft, ist das zumindest ein kleiner Erfolg.

Allerdings ist der Vorstoß, die sogenannte Zigeunersauce wegen des angeblich diskriminierenden Begriffs umzubenennen, vorerst gescheitert. Die Hersteller lehnen eine Umbenennung unter Verweis auf die lange Tradition ab. Auch Verbände der Minderheit gehen auf Distanz. „Dass jemand allen Ernstes eine solch hanebüchene Beschwerde erhebt, war für uns bisher nicht vorstellbar“, reagierte der Bundesrat der Jenischen Deutschlands.

Als die Generation der um das Kriegsende Geborenen aufwuchs, lernten diese Kinder von ihren Eltern beispielsweise:
  • Zigeuner sind Menschen ohne festen Wohnsitz.
  • Neger sind Menschen mit dunkler Hautfarbe.
  • Indianer kommen nicht aus Indien, sondern sind in Nordamerika geboren und haben eine etwas rötliche Haut.
Im „sozialistischen Einzelhandel“ der DDR gab es Mohrenköpfe, Negerküsse und Liebesknochen und bis Mitte der 50-er Jahre sogar Amerikaner. Letztere wurden dann umbenannt. In – weiß nicht mehr – ich glaube „Ammonplätzchen“??

Sie schmeckten aber wie vordem und weder Käufer noch die Bäckersfrau benutzten den neuen Namen – außer auf dem Preisschild. Heute darf wieder jeder Amerikaner einkaufen, die auch auf dem Preisschild so heißen. Von einem offiziellen Protest des USA-Außenministers haben wir noch nichts gelesen oder gehört.

Auch die Bürgermeister von Wien und Frankfurt haben noch nicht gegen die weltweit bekannten Wiener und Frankfurter Würstchen protestiert und obwohl es „Echter Nordhäuser“ meistens in Flaschen gibt, ist nicht automatisch jeder echte Nordhäuser eine Flasche. So viel Eigenlob muss an dieser Stelle mal sein.

Spätestens im ersten Schuljahr lernten die um das Kriegsende im Osten Geborenen dann, dass es keine Letten, Russen, Armenier, …. mehr gibt, sondern nur noch Sowjetbürger. Als dann zum ersten Mal der Staatsbürgerkunde-Lehrer die Klasse betrat, wurden diese Menschen gar zu „Bürgern der großen und mächtigen Sowjetunion“. Dass die meisten Letten, Russen, Armenier, …. gar keine Sowjetbürger sein wollten, lernten die lieben, nun etwas größeren, Kinder auf ihrer ersten Auslandsreise in die Sowjetunion.

Sprachwissenschaftler aller Länder vereinigt euch. Lasst nicht zu, das Sprachen verbogen und verfälscht werden, nur um jeder wechselhaften Befindlichkeit genüge zu tun. Wörter können nicht beleidigen. Beleidigend ist nur ihr falscher Gebrauch. Drastisches, aber bestes, Beispiel: Jeder Mensch braucht möglichst täglich sein Arschloch, ist aber keins.

Und jetzt sitze ich in meinem kabarettistischen Schmolleckchen und frage mich: Darf hinter den letzten Satz „Ausnahmen bestätigen die Regel“? Chefredakteur hilf!
Jürgen Wiethoff
Autor: red

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