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Kernzone direkt am Ort

Donnerstag, 28. November 2013, 16:53 Uhr
Mit der Veranstaltung der Mittelstandsvereinigung der CDU am Dienstag in Ilfeld erwachte auch das eventuelle Biosphärenreservat wieder aus dem politischen Schlaf. Wir haben uns auf die Spur gemacht und einigen Differenzen entdeckt...

Das ist in der künftige Kernzone nicht mehr möglich (Foto: nnz) Das ist in der künftige Kernzone nicht mehr möglich (Foto: nnz)

Wir erinnern uns: Der Umweltausschuss des Thüringer Landtages hatte hatte vor Wochen zu einer Anhörung für ein Biosphärenreservat nach UNESCO-Kriterien nach Neustadt eingeladen. Was damals als Anhörung zum Beispiel für die betroffenen Kommunen begann, entwickelte sich bereits beim ersten Bürgermeister zu einem Untersuchungsausschuss.

Neustadts Bürgermeister Dirk Erfurt erklärte den Landtagsabgeordneten, dass seine Kommune diese Ausweisung kategorisch ablehnen wird. Er, der Bürgermeister, habe dazu ein klares Votum seines Gemeinderates. Das wiederum wollten Abgeordnete der Bündnisgrünen und der SPD nicht wahrhaben und stellten Dirk Erfurt als "kleinen dummen Jungen" hin, der sich vermutlich nicht genügend inhaltlich mit der Problematik auseinandergesetzt habe. Das alles war an Peinlichkeit und Arroganz nicht zu überbieten.

Damit eigentlich hätte die Anhörung beendet werden können, denn nach den Kriterien der UNESCO, die eine umfängliche Förderung erst möglich machen, müssen alle anliegenden und betroffenen Kommunen der Etablierung eines solchen Reservates zustimmen. Ergebnis der dennoch weiter geführten Anhörung: Die überwiegende Mehrheit der Kommunen und Verbände sprach an diesem Freitag gegen ein Biosphärenreservat aus.

Nur nicht der Landkreis Nordhausen. Der posaunte in das Horn von SPD und B90/Grüne. Sehr zurückhaltend hatte sich zuvor bereits Landrätin Birgit Keller (LINKE) bei einer Veranstaltung des Nordhäuser Unternehmerverbandes (NUV) geäußert. Damals nicht so deutlich, dafür jetzt um so deutlicher in der Stellungnahme der Kreisverwaltung zum Landesentwicklungsplan für Thüringen.

"Ungeachtet der Weiterentwicklung des Naturparks Südharz ist das Ziel der Ausweisung eines Biosphärenreservates (BR) „Karstlandschaft Südharz“ weiter voranzutreiben und damit die als naturräumliche Einheit funktionierende Gipskarstlandschaft länderübergreifend zu schützen und nachhaltig zu entwickeln", heißt es auf Seite 5.

Und auch für die Kreisverwaltung scheinen die Kommunen und Verbände etwas Nachhilfeunterricht zu benötigen, die sich gegen das BR ausgesprochen haben. Auf Nachfrage sagte Birgit Keller. "Für eine Akzeptanz dieses Vorhabens ist jedoch ein breit angelegter Dialog vorab mit allen betroffenen Akteuren erforderlich." Will heißen, hier soll so lange argumentiert und "breit geklopft" werden, bis aus dem Nein ein Ja wird.

In der Stellungnahme heißt es zu Beispiel: "Das Landratsamt erwartet, dass die komplexen Aspekte der Entwicklung eines BR Südharz abgewogen werden. Dies erfordert einen umfassenden Meinungs- und Informationsaustausch zu den Vor- und Nachteilen mit allen Interessengruppen der Region, der in den letzten Jahren nur unzureichend bzw. gar nicht stattfand. Nach unserer Einschätzung überwiegt deshalb derzeit die Ablehnung eines BR.

Sollte daher seitens der für das rechtliche Ausweisungsverfahren zuständigen Behörde tatsächlich die Absicht bestehen, die Möglichkeiten für die Ausweisung eines BR auszuloten, wäre durch diese Stelle, selbstverständlich mit Unterstützung der regionalen Akteure ein entsprechender öffentlicher Diskussionsprozess anzustoßen und zu lenken."

A ha, lenken - Diskussion schon, Aufklärung ja - aber nur in eine gewünschte Richtung, schließlich soll das BR der wirtschaftlichen Entwicklung des Südharzes einen ungeheuren Schub verleihen. "Die Kategorie BR ... ermöglicht sowohl den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Wirtschaft als auch den Erhalt und die Nutzung des ländlichen Raumes einschließlich seiner Kulturlandschaft."

Was die Wirtschaft des Südharzes davon hält, ist längst bekannt. Nichts! Das ist nicht verwunderlich, aber auch der Bürger der Region, der nicht unbedingt Umsatz und Gewinn hinterherheischt, sollte die Konsequenzen bedenken: Da ist zum Beispiel die Kernzone, die mindestens zwei Prozent eines mindestens 30.000 Hektar großen Schutzgebietes ausmacht. Da ist jegliche Bewirtschaftung untersagt, das Wandern ausschließlich auf vorgegebenen Wegen möglich. Mal schnell ab ins Unterholz und Pilze sammeln? Verboten! Forstwirtschaft betreiben, auch Holz ernten? Verboten. Man spricht deshalb auch von einer Enteignung der Waldbesitzer - der privaten wie der staatlichen.

Die Kernzone soll, das sind die bisherigen Informationen, oberhalb von Ilfeld beginnen und bis nach Rothesütte oder Sophienhof reichen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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