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Gefangen, erschlagen, erhängt

Dienstag, 26. November 2013, 10:26 Uhr
Sharon heißt der kleine Vierbeiner. Der Mischling ist ein „Rumäne“. Acht Monate alt und jetzt bei Katja Kolbe gut aufgehoben. Er entging einer derzeit beispiellosen Jagd auf Rumäniens Straßenhunde nur knapp. Tausende seiner Artgenossen fielen und fallen dem Massaker zum Opfer. Katja Kolbe schmerzt es, wenn sie davon erzählt. Kurt Frank sprach mit ihr...

Gerettet (Foto: K. Frank) Gerettet (Foto: K. Frank)
Acht Monate alt ist die Straßenhündin Sharon aus Rumänien. Noch etwas ängstlich blickt sie aus ihrem Körbchen. Bei Katja Kolbe ist sie jetzt in guten Händen.

Die 43-Jährige sorgt sich um in Not geratene Tiere. Ehrenamtlich. Als Leiterin Tierschutz am August-Bebel-Platz der Rolandstadt. Ihr blutete das Herz, als sie die Grausamkeiten der Kreatur gegenüber in Bildern sah und davon hörte. Taten folgten. Über das Internet kontaktierte sie eine Tierschutzorganisation in Belgien, die international agiert. Das führte letztlich zu einer jungen Frau aus Bukarest, die selbst Streuner einfängt, um sie später in gute Hände zu legen.

In Frankfurt/Main nahm die Medizinische Fachangestellte die Straßenhündin in Empfang. Zwölf weitere liebe Menschen waren aus ganz Deutschland angereist, um ihre Vierbeiner nach Haus zu führen. Sharon, die alle notwendigen tierärztlichen Untersuchungen schon durchlief, hatte zudem doppeltes Glück: Ein Tiertransporter war, bevor er die Grenze passierte, von Hundefängern gestoppt worden. Sie prügelten die Fahrer krankenhausreif und transportieren die Tiere wieder zurück.

Ein tragischer Unglücksfall war der Anlass für eine brutale Jagd, die auf Rumäniens Straßenhunde einsetzte: Am 2. September stürzten sich in Bukarest Hunde auf einen 4-jährigen Jungen, der von einem Park auf eine angrenzende Brachfläche gelaufen war. Der Junge hatte keine Chance. Selbst für rumänische Verhältnisse begann eine Hatz ohnegleichen gegen die Vierbeiner.

Der wahre Grund für diese inszenierte Massenhysterie sei, belegen Tierschützer, wie so oft: das Geld. In dem Land gebe es, angeblich inoffiziell, eine Tierfängermafia. Die halte die Straßenhunde-Population künstlich hoch. Ihr Geldbeutel fülle sich mit jedem Tier, das sie fange, töte und entsorge. Hand in Hand mit korrupten Lokalpolitikern torpediere sie jede sinnvolle Form der Populationskontrolle durch Kastration oder Sterilisation. Das belegen Tierschutzorganisation und Augenzeugen, die vor Ort waren und Hintergründe aufdeckten.

Getötet (Foto: privat) Getötet (Foto: privat) Auch Tierschützern ist das Problem mit den Straßenhunden in Rumänien bekannt. Angeblich vergehe in Bukarest, Brasov oder anderen Städten kein Tag, an dem nicht Menschen von Hunden gebissen würden. Aber: Rumänien, sagen Tierschutzorganisationen, sei EU-Land. Es erhalte Fördermittel. Auch, um der Hunde-Plage Herr zu werden. Bleibt der Nachwuchs aber aus, bliebe für die Hundefängermafia nichts mehr zu tun. An einer nachhaltigen Geburtenkontrolle ist sie nicht interessiert.

Die goldenen Zeiten für die Hundefänger halten an, bedauert Katja Kolbe. In den letzten zehn Jahren, belegen Statistiken, seien allein im Kreis Brasov 30.000 Hunde auf bestialische Art getötet worden. Man erschlug oder erdrosselte sie. Sie wurden vergiftet, aufgehangen, mit Säure oder Benzin übergossen, angezündet. Einem wuscheligen Hund wurden die Vorderbeine abgeschlagen. Die Täter ergötzten sich am Todeskampf des kleinen Tieres. Selbst hartgesottenen Menschen hierzulande, die keine Hunde mögen, überkommt beim Anblick solcher Fotos das Grauen.

Warum sie sich das alles antun würde, wurde Katja Kolbe gefragt. Hierzulande seien die Tierheime übervoll. Müsse man sich da noch um ausländische Hunde kümmern? Katja Kolbe kann nicht schweigen, wenn man Tiere auf derart bestialische Weise tötet. Sie reiht sich in die Schar derer ein, die Petitionen verfassen oder öffentlich ihre Abscheu zum Ausdruck bringen. Kolbe zog von der Stadt in ein Dorf mit Haus, Hof und Garten. Der Tiere wegen. Sie nahm auch noch einen Hund aus einem hiesigen Tierheim auf. Mittlerweile betreut sie drei Katzen und drei Hunde rein privat.
Kurt Frank
Autor: red

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