Velbert geärgert, aber nicht gestürzt
Sonntag, 17. November 2013, 12:33 Uhr
Siegessicher streckte Angelo Welp die Arme in die Höhe. Für den Boxer des Nordhäuser SV (NSV) gab es keinen Zweifel, wer den Kampf im Halbweltergewicht gewonnen hatte. Die Punktrichter entschieden anders. Der Bericht von Sandra Arm...
Beim heiß ersehnten Bundesliga-Start am Samstagabend beim Deutschen Meister in Velbert musste sich Welp nur knapp, nach Punkten 1:2, gegen Artem Harutyunyan geschlagen geben. Mit einem Sieg Welps hätte das Team um Cheftrainer Konrad Werner wohl für eine Überraschung sorgen können. So reiste es wie bereits im Vorjahr mit einer 8:10-Niederlage zurück in die Heimat.
Die Gefühlswelt glich bei den Verantwortlichen und Fans, es waren rund 40 nach Velbert mitgereist, während der sechs Kämpfe einer Achterbahn. Hochgefühle gab es zum Beispiel zum Auftakt im Fliegengewicht (bis 58 Kilogramm). Der schwedische Neuzugang Salomo Ntuve gab sein Bundesligadebüt für den NSV und enttäuschte nicht. Beweg dich gut, steh kompakt und nutze deine Reichweite, gab ihm Werner noch mit auf den Weg.
Sein Gegner kein Geringerer als Denis Makarov, Europameister des Jahres 2010. Mit seiner Körpergröße und seiner eher drahtigen Figur stach Ntuve heraus. Der 24-Jährige wusste sich in den vier Runden á drei Minuten gegen den eher robust kämpfenden Makarov gut durchzusetzen. Die Punktrichter sahen es genauso, sie erklärten Ntuve zum Sieger. Ein Auftakt, den sich der NSV nicht besser hätte vorstellen können.
Der zweite Zähler war dann im Halbweltergewicht (bis 65 Kilogramm) zum Greifen nah, denn Welp überzeugte mit einem mehr als engagierten Auftritt. Mach weiter Druck, forderte Werner lautstark von seinem Schützling. Auch beflügelt von den Angelo, Angelo-Rufen von der gut besetzten Gästetribüne, die dem 23-Jährigen noch mehr Auftrieb gaben, setzte er gegen Harutyunyan immer wieder nach. Es sollte am Ende die knappste Wertung an diesem Abend werden. Die Punktrichter taten sich mit ihrer Entscheidung schwer, sie fiel knapp zu Gunsten des Gastgebers aus. Angelo war eindeutig besser. Wir hätten die Sensation schon vor der Pause zumachen können, sagte Werner sichtlich enttäuscht.
Schließlich gab es an einem Sieg im Weltergewicht (bis 70 Kilogramm) von Publikumsliebling Balazs Bacskai keine Zweifel. Der 25-Jährige setzte sich klar mit 3:0-Punkten gegen den dänischen Meister Allan Mahfoud durch und holte den zweiten Punkt für den NSV. Noch ein Zähler und die Sensation wäre für die Nordhäuser perfekt. Zuletzt gab es in der eigenen Ballspielhalle ein 9:9 gegen den Branchenprimus. Ein Unentschieden würden wir wieder feiern wie einen Sieg, stellte Werner vor dem Auftakt in Velbert klar.
Auf die Hoffnung Unentschieden schwörte der Cheftrainer seine noch verbliebenen drei Kämpfer – Meriton Rexhepi, Kevin Künzel und Eugen Waigel - in der Wettkampfpause ein. Unverhofft kommt oft. Dieser Spruch könnte auf den erst 18-jährigen Rexhepi zutreffen. Er rückte nämlich erst kurzfristig ins Aufgebot. Am vergangenen Montag bekam das Nachwuchstalent einen Anruf von Werner, dass er am Wochenende mit dabei ist und vor seinem Bundesligadebüt steht.
In der Mannschaftsbesprechung machte Werner ganz bewusst deutlich, dass Rexhepi kein Ersatzmann für Sebastian Formella, er befindet sich nach einer Kieferoperation wieder im Training, und Raymund Meilinger (Achillessehnenriss) ist. Du bist Teil unserer Mannschaft. Bring einfach das, was du kannst. Beweg dich gut und versuche dich in der Ringmitte zu halten, sagte Werner.
Was Rexhepi dann im Ring gegen den erfahrenen Stefan Härtel im Mittelgewicht (bis 76 Kilogramm) zeigte, verdiente einfach nur Respekt. Keine Angst vor großen Namen: Rexhepi versteckte sich nicht, er bot einen fantastischen Kampf und wusste die Verantwortlichen, in seinem Drang immer wieder in die Offensive zu gehen, zu begeistern. Sein rotzfrecher Auftritt wurde nicht belohnt, Härtel glich zum 8:8 aus.
Rexhepi sorgte trotz der Niederlage für einen kleinen Lichtblick. Weitere sollten folgen. Vergeblich. Hinter den Erwartungen blieben Künzel im Halbschwergewicht (bis 82 Kilogramm) und Waigel im Schwergewicht (über 82 Kilogramm) zurück. Insbesondere nach dem verlorenen Kampf von Künzel gegen Denis Radovan, er erhöhte auf 9:8, ruhten nun alle Hoffnungen auf Waigel. Die Signalwirkung blieb aus. Zu behäbig sein Auftritt, zu defensiv sein Verhalten. Du hast Weiss boxen und zaubern lassen, sagte Werner. Somit waren die ersten beiden Runden faktisch schon entschieden. Erst in der letzten kam der 22-Jährige aus sich heraus. Zu spät, um die Punktrichter noch umzustimmen. Sie sahen in Gottlieb Weiss den Sieger, der den 10:8-Sieg für den mehrfachen Meister perfekt machte.
Velbert feierte, getrübte Stimmung beim NSV. Es war eine schöne Veranstaltung für Velbert. Nicht für uns, rang Werner nach dem knappen Ergebnis mit den Worten. Auch Welp zeigte sich untröstlich, der auch Stunden nach seinem Kampf noch mit sich haderte.
Sandra Arm
Autor: redBeim heiß ersehnten Bundesliga-Start am Samstagabend beim Deutschen Meister in Velbert musste sich Welp nur knapp, nach Punkten 1:2, gegen Artem Harutyunyan geschlagen geben. Mit einem Sieg Welps hätte das Team um Cheftrainer Konrad Werner wohl für eine Überraschung sorgen können. So reiste es wie bereits im Vorjahr mit einer 8:10-Niederlage zurück in die Heimat.
Die Gefühlswelt glich bei den Verantwortlichen und Fans, es waren rund 40 nach Velbert mitgereist, während der sechs Kämpfe einer Achterbahn. Hochgefühle gab es zum Beispiel zum Auftakt im Fliegengewicht (bis 58 Kilogramm). Der schwedische Neuzugang Salomo Ntuve gab sein Bundesligadebüt für den NSV und enttäuschte nicht. Beweg dich gut, steh kompakt und nutze deine Reichweite, gab ihm Werner noch mit auf den Weg.
Sein Gegner kein Geringerer als Denis Makarov, Europameister des Jahres 2010. Mit seiner Körpergröße und seiner eher drahtigen Figur stach Ntuve heraus. Der 24-Jährige wusste sich in den vier Runden á drei Minuten gegen den eher robust kämpfenden Makarov gut durchzusetzen. Die Punktrichter sahen es genauso, sie erklärten Ntuve zum Sieger. Ein Auftakt, den sich der NSV nicht besser hätte vorstellen können.
Der zweite Zähler war dann im Halbweltergewicht (bis 65 Kilogramm) zum Greifen nah, denn Welp überzeugte mit einem mehr als engagierten Auftritt. Mach weiter Druck, forderte Werner lautstark von seinem Schützling. Auch beflügelt von den Angelo, Angelo-Rufen von der gut besetzten Gästetribüne, die dem 23-Jährigen noch mehr Auftrieb gaben, setzte er gegen Harutyunyan immer wieder nach. Es sollte am Ende die knappste Wertung an diesem Abend werden. Die Punktrichter taten sich mit ihrer Entscheidung schwer, sie fiel knapp zu Gunsten des Gastgebers aus. Angelo war eindeutig besser. Wir hätten die Sensation schon vor der Pause zumachen können, sagte Werner sichtlich enttäuscht.
Schließlich gab es an einem Sieg im Weltergewicht (bis 70 Kilogramm) von Publikumsliebling Balazs Bacskai keine Zweifel. Der 25-Jährige setzte sich klar mit 3:0-Punkten gegen den dänischen Meister Allan Mahfoud durch und holte den zweiten Punkt für den NSV. Noch ein Zähler und die Sensation wäre für die Nordhäuser perfekt. Zuletzt gab es in der eigenen Ballspielhalle ein 9:9 gegen den Branchenprimus. Ein Unentschieden würden wir wieder feiern wie einen Sieg, stellte Werner vor dem Auftakt in Velbert klar.
Auf die Hoffnung Unentschieden schwörte der Cheftrainer seine noch verbliebenen drei Kämpfer – Meriton Rexhepi, Kevin Künzel und Eugen Waigel - in der Wettkampfpause ein. Unverhofft kommt oft. Dieser Spruch könnte auf den erst 18-jährigen Rexhepi zutreffen. Er rückte nämlich erst kurzfristig ins Aufgebot. Am vergangenen Montag bekam das Nachwuchstalent einen Anruf von Werner, dass er am Wochenende mit dabei ist und vor seinem Bundesligadebüt steht.
In der Mannschaftsbesprechung machte Werner ganz bewusst deutlich, dass Rexhepi kein Ersatzmann für Sebastian Formella, er befindet sich nach einer Kieferoperation wieder im Training, und Raymund Meilinger (Achillessehnenriss) ist. Du bist Teil unserer Mannschaft. Bring einfach das, was du kannst. Beweg dich gut und versuche dich in der Ringmitte zu halten, sagte Werner.
Was Rexhepi dann im Ring gegen den erfahrenen Stefan Härtel im Mittelgewicht (bis 76 Kilogramm) zeigte, verdiente einfach nur Respekt. Keine Angst vor großen Namen: Rexhepi versteckte sich nicht, er bot einen fantastischen Kampf und wusste die Verantwortlichen, in seinem Drang immer wieder in die Offensive zu gehen, zu begeistern. Sein rotzfrecher Auftritt wurde nicht belohnt, Härtel glich zum 8:8 aus.
Rexhepi sorgte trotz der Niederlage für einen kleinen Lichtblick. Weitere sollten folgen. Vergeblich. Hinter den Erwartungen blieben Künzel im Halbschwergewicht (bis 82 Kilogramm) und Waigel im Schwergewicht (über 82 Kilogramm) zurück. Insbesondere nach dem verlorenen Kampf von Künzel gegen Denis Radovan, er erhöhte auf 9:8, ruhten nun alle Hoffnungen auf Waigel. Die Signalwirkung blieb aus. Zu behäbig sein Auftritt, zu defensiv sein Verhalten. Du hast Weiss boxen und zaubern lassen, sagte Werner. Somit waren die ersten beiden Runden faktisch schon entschieden. Erst in der letzten kam der 22-Jährige aus sich heraus. Zu spät, um die Punktrichter noch umzustimmen. Sie sahen in Gottlieb Weiss den Sieger, der den 10:8-Sieg für den mehrfachen Meister perfekt machte.
Velbert feierte, getrübte Stimmung beim NSV. Es war eine schöne Veranstaltung für Velbert. Nicht für uns, rang Werner nach dem knappen Ergebnis mit den Worten. Auch Welp zeigte sich untröstlich, der auch Stunden nach seinem Kampf noch mit sich haderte.
Sandra Arm
