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Reiche Kirchen? Im Südharz eher bescheiden

Donnerstag, 14. November 2013, 10:00 Uhr
Wie reich sind die Kirchen? Die Vorlage für die Medien hatte der katholische Protz-Bischof von Limburg selbst geliefert. Auch die nnz beschäftigte sich mit dieser Thematik. Zahlreich waren dazu die Wortmeldungen von Lesern. Das rege Interesse und der Wunsch nach noch detaillierteren Informationen veranlassten Kurt Frank zu einer weiteren Recherche...

Dorfkirche in Günzerode (Foto: K. Frank) Die evangelische Kirche St. Andreas ist in Günzerode das älteste Gebäude des Ortes. Sie ist Zeugnis der langen Entwicklung des Helme-Dorfes. In der Kirche ist der Reiteranführer Mathias von Rehmern begraben. Seit 1673 ruhen seine Gebeine hier.

Freimütig, für jede Frage zugänglich, gab Michael Görk, zum Gesprächszeitpunkt noch Leiter des evangelischen Kreiskirchenamtes Nordhausen, Auskunft. Wie nnz schon berichtete, hat man im Südharz 104 Kirchengebäude und 75 Kirchengemeinden. Die Zahl gläubiger Christen wird derzeit auf 23.950 beziffert. Aktiv im Pfarrdienst sind 24 Personen, auch Frauen. Im Ruhestand befinden sich 12 Gottesmänner und -frauen. Als Gemeindepädagogen sind zehn Männer und Frauen tätig.

Im Dienste der Kirche Luthers stehen im Südharz 44 Musiker, vier davon sind hauptamtlich tätig. Im Bereich Kirchenmusik wirken 700 Gläubige. 60 Ehrenamtliche beschäftigen sich mit Kindern. 1.200 sind es für andere Bereiche. Die Zahl der zu verwalteten Grundstücksflächen gab Michael Görk mit 2.600 Hektar an. Von den Einnahmen aus Pachten sind die Ausgaben und Belastungen für die Grundstücke zu begleichen. Für eine gut funktionierende Verwaltung sorgen sich 14 Angestellte.

„Die Kirchengemeinden unseres evangelischen Kirchenkreises erhalten zudem, im Jahr 2014, Kirchensteuern in Höhe von etwa 600 000 Euro zu ihrer, quasi, freien Verwendung“, schreibt Görk und fügt an: „Verpflichtend zahlen sie davon einen Teil für die hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Es kommen pro evangelischen Christ unseres Kirchenkreises etwa 25 Euro Kirchensteuer tatsächlich in unseren Gemeinden an. Ansonsten seien noch Staatsleistungen, Spenden, Gemeindebeiträge und Kollekten benannt. Ferner Teilnehmerbeiträge und Eintrittsgelder für Veranstaltungen.“

Die Frage, wie arm oder reich die Kirche ist, kann so nicht wirklich beantwortet werden, da es in den kirchlichen kameralen Buchhaltungssystemen keine Bewertung für Grundstücke und Häuser gibt wie beispielsweise in einem Wirtschaftsunternehmen, klärt Michael Görk auf. Solche Bewertungen würden lediglich dann vorgenommen, wenn es gelte, einen Grundstückstausch oder Pfarrhausverkauf vorzunehmen.

Amtsleiter Görk ließ außerdem wissen: Der evangelische Kirchenkreis ist Träger sozialer und diakonischer Einrichtungen. Kirchliche diakonische Einrichtungen (mit Beteiligung des Kirchenkreises Südharz) gibt es acht. Sechs in Trägerschaft der Diakonie Nordhausen GmbH und zwei in Trägerschaft von Diakonie-Werk Landkreis Nordhausen-West. Weitere diakonische Träger sind die Nordthüringer Lebenshilfe (Kirchenkreis Südharz mit beteiligt), die Johanniter und die Wolfsburger Diakonie.

Dompfarrer Richard Hentrich (Foto: K. Frank) Dom-Pfarrer Richard Hentrich aus Nordhausen hat ein uraltes Kirchenbuch aufgeschlagen. Über finanzielle Angelegenheiten wollte er sich nicht öffentlich äußern.

Mit solchen Zahlen und Fakten konnte Dom-Pfarrer Richard Hentrich, der sich dem Autor dieses Beitrages gegenüber aufgeschlossen zeigte, nicht dienen. Das katholische Pfarrgebiet, das 4003 Gemeindemitglieder zählt, umfasse den gesamten Landkreis Nordhausen und einige Orte im Kyffhäuserkreis. Gotteshäuser sind der Dom in Nordhausen, die Kirchen St. Matthias in Bleicherode, St. Bonifatius in Großlohra und Ellrich, die Kapelle St. Johannes Nepomuk Niedersachswerfen, eine weitere in Sollstedt und die Kapelle im St. Josefshaus.

An Gemeindehäuser nannte Hentrich das Kapitelhaus am Dom und das jeweilige Gemeindehaus in Großlohra, Niedersachswerfen und Bleicherode. Die katholische Kirche habe Ländereien in Ellrich und Niedergebra verpachtet. Die jährlichen Pachteinnahmen beliefen sich nach Angaben des Dom-Pfarrers auf 720 Euro.

Über finanzielle Befindlichkeiten wollte sich Richard Hentrich auch diesmal nicht öffentlich äußern. Man bekäme vom Bistum die Gelder zugewiesen. Auch kein Wort darüber, wie hoch der Betrag sei und wofür man ihn einsetze. Wer da was Näheres erfahren möchte, beispielsweise über die Jahresbilanz, die auch eingesehen werden könne, müsse sich schon in die Kirche begeben. Mit ihm, meinte Hentrich, seien es insgesamt nur drei Vollzeitkräfte und eine Halbtagskraft, die alle Arbeit zu bewältigen hätten. Die Vermutung sei erlaubt: Arm wie eine Kirchenmaus dürfte die katholische Kirchengemeinde Dom zum Heiligen Kreuz wohl nicht sein.
Kurt Frank
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