Ganz in Weiß
Mittwoch, 06. November 2013, 15:59 Uhr
Wer einen Dienstwagen fahren darf, der ist schon was. Wer dann aber noch gefahren wird, der ist ganz oben angekommen. Selbst wenn ihn die dahin befördert haben, die auch noch die Kosten für das schicke Ding tragen müssen...
Nach einer Dienstfahrt von Landratsamt in die Käthe-Kollwitz-Straße
Während sich Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh (CDU) mit einem normalen Opel Insignia begnügt und den ab und an selbst fährt, musste es für Birgit Keller, die modebewusste linke Landrätin, schon was ganz schickes sein. Und so wurde ausgeschrieben. Einmal, dann sei alles wieder aufgehoben und wieder ausgeschrieben worden. Quasi, bis das Auto auf den Hof des Landratsamtes gerollt ist, was sich Frau Keller wünschte und was - vermutlich in seiner farblichen Gestaltung - einmalig in Thüringer Kommunen ist.
Ein weißer BMW 530 d xdrive. Für ein Jahr geleast, kostet das 258 PS starke Teil dem Steuerzahler, also uns allen, 286,25 Euro. Im Monat. Wichtig sei gewesen, dass die Farbe stimme, dass der Wagen Allrad habe (für die Bergtouren) und über ein Navigations- und Videosystem verfüge, das nicht einmal Mercedes liefern konnte.
Nun werden einige der Leser vermutlich denken, der Greiner, dieser Schreiberling, der ist doch nur neidisch. Weit gefehlt. Es geht hier nicht um Neid, sondern es geht um das Gespür, das mit der Inbesitznahme von Macht immer häufiger abhanden kommt. Wo gerade die kommunalen Politiker, die in den Genuss eines eigenen Fahrzeuges samt Chauffeur kommen, die Enthaltsamkeit predigen, die Sparsamkeit mahnen und seit Jahren sparen wollen, dann hin und wieder doch den Schampus fließen lassen.
Nichts gegen den Preis, da ist BMW mit seiner kommunalen Leasingoffensive vermutlich derzeit unschlagbar - einer Landrätin, die vorwiegend von den Frauen und Männern gewählt wurde, deren Klientel ihre Partei seit 1989 pflegt, einer solchen Landrätin hätte auch ein Skoda superb gut zu Gesicht gestanden, von mir aus auch einer in Weiß. Groß genug für die Dame, die so etwa 1,65 in der Höhe misst, ist solch ein Auto allemal.
Oder ein Opel? Das wäre politisch noch vermittelbar gewesen, denn letztlich ist Opel der einzige Hersteller, der Fahrzeuge in Thüringen montieren lässt und damit bislang Arbeitsplätze im finalen Automobilbau geschaffen hat. Und mit Verlaub, es hätte nicht ein Opel-Händler in der Halleschen Straße als Vertragspartner auftreten müssen, in Bleicherode können auch Opel gekauft werden.
Und wenn dann dieser Opel auch noch 10 oder 20 Euro mehr im Monat an Kosten verursacht hätte - na und? Ich persönlich würde es als Pflicht aller Dienstwagen besitzenden Menschen in einem öffentlichen Amt in Thüringen ansehen, wenn sie Opel fahren würden. Groß genug ist der Insignia schon.
Das soll keine Werbung für Opel gewesen sein, nur ein Anstoß zum Nachdenken, dass der Wunsch nach einem schicken weißen Auto mit hellen Ledersitzen doch nicht immer konform mit dem politischen Anspruch und der politischen Herkunft des Wünschenden ist. Ich hätte mir gerade von einer linken Politikerin mehr Sensibilität gewünscht.
So ganz nebenbei hat die Geschichte auch noch einen comedyhaften Hintergrund. Im Landratsamt soll darüber nachgedacht werden, auf den 5er noch eine Glaskanzel zu montieren. Ähnlich wie beim Papa-Mobil des einstigen deutschen Papstes. Das war ja ebenfalls weiß.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redNach einer Dienstfahrt von Landratsamt in die Käthe-Kollwitz-Straße
Während sich Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh (CDU) mit einem normalen Opel Insignia begnügt und den ab und an selbst fährt, musste es für Birgit Keller, die modebewusste linke Landrätin, schon was ganz schickes sein. Und so wurde ausgeschrieben. Einmal, dann sei alles wieder aufgehoben und wieder ausgeschrieben worden. Quasi, bis das Auto auf den Hof des Landratsamtes gerollt ist, was sich Frau Keller wünschte und was - vermutlich in seiner farblichen Gestaltung - einmalig in Thüringer Kommunen ist.
Ein weißer BMW 530 d xdrive. Für ein Jahr geleast, kostet das 258 PS starke Teil dem Steuerzahler, also uns allen, 286,25 Euro. Im Monat. Wichtig sei gewesen, dass die Farbe stimme, dass der Wagen Allrad habe (für die Bergtouren) und über ein Navigations- und Videosystem verfüge, das nicht einmal Mercedes liefern konnte.
Nun werden einige der Leser vermutlich denken, der Greiner, dieser Schreiberling, der ist doch nur neidisch. Weit gefehlt. Es geht hier nicht um Neid, sondern es geht um das Gespür, das mit der Inbesitznahme von Macht immer häufiger abhanden kommt. Wo gerade die kommunalen Politiker, die in den Genuss eines eigenen Fahrzeuges samt Chauffeur kommen, die Enthaltsamkeit predigen, die Sparsamkeit mahnen und seit Jahren sparen wollen, dann hin und wieder doch den Schampus fließen lassen.
Nichts gegen den Preis, da ist BMW mit seiner kommunalen Leasingoffensive vermutlich derzeit unschlagbar - einer Landrätin, die vorwiegend von den Frauen und Männern gewählt wurde, deren Klientel ihre Partei seit 1989 pflegt, einer solchen Landrätin hätte auch ein Skoda superb gut zu Gesicht gestanden, von mir aus auch einer in Weiß. Groß genug für die Dame, die so etwa 1,65 in der Höhe misst, ist solch ein Auto allemal.
Oder ein Opel? Das wäre politisch noch vermittelbar gewesen, denn letztlich ist Opel der einzige Hersteller, der Fahrzeuge in Thüringen montieren lässt und damit bislang Arbeitsplätze im finalen Automobilbau geschaffen hat. Und mit Verlaub, es hätte nicht ein Opel-Händler in der Halleschen Straße als Vertragspartner auftreten müssen, in Bleicherode können auch Opel gekauft werden.
Und wenn dann dieser Opel auch noch 10 oder 20 Euro mehr im Monat an Kosten verursacht hätte - na und? Ich persönlich würde es als Pflicht aller Dienstwagen besitzenden Menschen in einem öffentlichen Amt in Thüringen ansehen, wenn sie Opel fahren würden. Groß genug ist der Insignia schon.
Das soll keine Werbung für Opel gewesen sein, nur ein Anstoß zum Nachdenken, dass der Wunsch nach einem schicken weißen Auto mit hellen Ledersitzen doch nicht immer konform mit dem politischen Anspruch und der politischen Herkunft des Wünschenden ist. Ich hätte mir gerade von einer linken Politikerin mehr Sensibilität gewünscht.
So ganz nebenbei hat die Geschichte auch noch einen comedyhaften Hintergrund. Im Landratsamt soll darüber nachgedacht werden, auf den 5er noch eine Glaskanzel zu montieren. Ähnlich wie beim Papa-Mobil des einstigen deutschen Papstes. Das war ja ebenfalls weiß.
Peter-Stefan Greiner

