Initiative kontra Abgabe
Montag, 10. Mai 2004, 13:34 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Aubildungsplatzabgabe ist in der Thüringer Landesregierung nicht allzu sehr beliebt. Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) setzt statt dessen auf eine Ausbildungsinitiative. Hintergründe wie immer dazu in Ihrer nnz.
Die seit 1997 laufende Thüringer Ausbildungsinitiative wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. Dazu haben Thüringer Landesregierung, Kammern und Verbände der Wirtschaft, Gewerkschaften, Bundesagentur für Arbeit und kommunale Spitzenverbände eine Vereinbarung zur Verbesserung der Berufswahl- und Berufsausbildungsvorbereitung unterzeichnet. Diese Vereinbarung ist heute in Kraft getreten.
Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz erneuerte seine Kritik an der am vergangenen Freitag vom Bundestag beschlossenen Ausbildungsplatzabgabe als zusätzliche Belastung für die Wirtschaft. "Nicht durch Zwang, sondern nur durch den Schulterschluss aller Beteiligten werden letztlich genügend Ausbildungsplätze geschaffen", zeigte sich Reinholz überzeugt.
Oberstes Ziel der Thüringer Ausbildungsinitiative sei es, jedem Jugendlichen, der will und kann, eine qualifizierte Ausbildungsmöglichkeit anzubieten, so Reinholz weiter. Im vergangenen Jahr waren noch 361 Jugendliche als unvermittelt registriert - 1,1% der insgesamt erfassten Bewerber und damit weniger als im Durchschnitt der anderen Länder. "Auch wenn jeder Bewerber ohne Lehrstelle einer zu viel ist, so zeigt das doch: Das Thüringer Modell ist erfolgreich", so Reinholz.
Die Thüringer Ausbildungsinitiative umfasst bislang insgesamt 14 Einzelvereinbarungen, u.a. zur Bereitstellung eines ausreichenden Ausbildungsangebots, zur Entwicklung von betrieblichen Ausbildungsverbünden und Kompetenzzentren, zur Neuorientierung der Berufsausbildung, zur Einführung neuer Ausbildungsberufe und zur Ausbildungsförderung durch den Freistaat. Im Rahmen der neuen Vereinbarung zur Berufsvorbereitung soll die Ausbildungsfähigkeit und Berufsorientierung von Schülern und Jugendlichen verbessert werden. "Nach wie vor finden Unternehmen trotz einer großen Zahl von Lehrstellensuchenden keine Auszubildenden", sagte Reinholz. Zugleich bricht deutschlandweit rund ein Fünftel aller Auszubildenden die Lehre vorzeitig ab. "Solche Probleme lassen sich häufig auf eine mangelnde berufliche Orientierung zurückführen", ist sich der Wirtschaftsminister sicher.
Reinholz warb zugleich dafür, sich rechtzeitig über die Vielfalt der Ausbildungsberufe zu informieren. "Nach wie vor legen sich viele Jungen und Mädchen bei der Berufswahl vor vornherein auf wenige Wunschberufe fest." In Thüringen gibt es derzeit 345 anerkannte Ausbildungsberufe. Ungedeckter Bedarf an Bewerbern besteht in Thüringen beispielsweise bei Verfahrensmechanikern, Heizungs- und Lüftungsbauern, Installateuren, Anlagen- und Konstruktionsmechanikern, Fleischern, Betonbauern, Kaufleuten im Groß- und Außenhandel, Versicherungskaufleuten, Landwirten.
Die Vereinbarung zur Verbesserung der Berufswahl- und Berufsausbildungsvorbereitung richtet sich vor allem an Jugendliche mit Förderbedarf und sieht insbesondere folgende Einzelmaßnahmen vor:
Fortführung und evtl. Ausweitung des Modellprojekts "vertiefte wirtschaftsnahe Berufswahlvorbereitung" ("Berufsstart"):
Bereits während der Schulzeit sollen Schüler von zunächst 24 Thüringer Schulen mit der Fachkräftenachfrage und den Anforderungen der Wirtschaft in Thüringen vertraut gemacht werden. Dazu sind gezielte Informationshilfen, Qualifizierungen und zweiwöchige Betriebspraktika pro Schuljahr ab Klassenstufe 8 vorgesehen.
flächendeckende Einführung eines Berufswahlpasses Thüringen, mit dem die Schüler neben der Schule erworbene Fertigkeiten und Qualifikationen sowie Orientierungspraktika dokumentieren können; Der Berufswahlpass ist mit Informationsmaterialien und einem speziellen Fortbildungsangebot für Beratungslehrer an Schulen verbunden.
Projekt "Impuls"/einjährige Berufsfachschule (BFS)/berufsvorbereitendes Betriebs-Praktikanten-Modell/Projekt "Sprint" zur Ausbildungsvorbereitung benachteiligter und leistungsschwächerer Jugendlicher:
Leistungsschwächere und benachteiligte Jugendliche (ohne
Schulabschluss) lernen neben berufsfeldbezogenen theoretischen und schulischen Kenntnissen die betriebliche Realität in Thüringer Unternehmen kennen; am Ende erhalten sie die Möglichkeit, einem dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss zu erwerben, zudem werden fachliche Grundqualifikationen zertifiziert.
Elternforum: Das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft (bwtw) bietet Eltern und Großeltern als wichtigen Ratgebern im Bereich der Berufswahl Unterstützung in Form von Informationsveranstaltungen, Seminaren und Gesprächsrunden zu Themen wie Berufsorientierung, Stärkung der Persönlichkeit, Eltern als Vorbild etc. an.
Zusammenarbeit Schule - Wirtschaft stärken:
Unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft SchuleWirtschaft Thüringen arbeiten derzeit 19 regionale Arbeitskreise, die regionale Berufsinformationsmessen, Schülerbetriebspraktika, Betriebserkundungen, berufsvorbereitende Tage, Lehrerinformationspraktika, Schülerwettbewerbe und Schülerfirmen organisieren oder unterstützen. In den nächsten Jahren soll vor allem die Elternarbeit verbessert werden.
Autor: nnzDie seit 1997 laufende Thüringer Ausbildungsinitiative wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. Dazu haben Thüringer Landesregierung, Kammern und Verbände der Wirtschaft, Gewerkschaften, Bundesagentur für Arbeit und kommunale Spitzenverbände eine Vereinbarung zur Verbesserung der Berufswahl- und Berufsausbildungsvorbereitung unterzeichnet. Diese Vereinbarung ist heute in Kraft getreten.
Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz erneuerte seine Kritik an der am vergangenen Freitag vom Bundestag beschlossenen Ausbildungsplatzabgabe als zusätzliche Belastung für die Wirtschaft. "Nicht durch Zwang, sondern nur durch den Schulterschluss aller Beteiligten werden letztlich genügend Ausbildungsplätze geschaffen", zeigte sich Reinholz überzeugt.
Oberstes Ziel der Thüringer Ausbildungsinitiative sei es, jedem Jugendlichen, der will und kann, eine qualifizierte Ausbildungsmöglichkeit anzubieten, so Reinholz weiter. Im vergangenen Jahr waren noch 361 Jugendliche als unvermittelt registriert - 1,1% der insgesamt erfassten Bewerber und damit weniger als im Durchschnitt der anderen Länder. "Auch wenn jeder Bewerber ohne Lehrstelle einer zu viel ist, so zeigt das doch: Das Thüringer Modell ist erfolgreich", so Reinholz.
Die Thüringer Ausbildungsinitiative umfasst bislang insgesamt 14 Einzelvereinbarungen, u.a. zur Bereitstellung eines ausreichenden Ausbildungsangebots, zur Entwicklung von betrieblichen Ausbildungsverbünden und Kompetenzzentren, zur Neuorientierung der Berufsausbildung, zur Einführung neuer Ausbildungsberufe und zur Ausbildungsförderung durch den Freistaat. Im Rahmen der neuen Vereinbarung zur Berufsvorbereitung soll die Ausbildungsfähigkeit und Berufsorientierung von Schülern und Jugendlichen verbessert werden. "Nach wie vor finden Unternehmen trotz einer großen Zahl von Lehrstellensuchenden keine Auszubildenden", sagte Reinholz. Zugleich bricht deutschlandweit rund ein Fünftel aller Auszubildenden die Lehre vorzeitig ab. "Solche Probleme lassen sich häufig auf eine mangelnde berufliche Orientierung zurückführen", ist sich der Wirtschaftsminister sicher.
Reinholz warb zugleich dafür, sich rechtzeitig über die Vielfalt der Ausbildungsberufe zu informieren. "Nach wie vor legen sich viele Jungen und Mädchen bei der Berufswahl vor vornherein auf wenige Wunschberufe fest." In Thüringen gibt es derzeit 345 anerkannte Ausbildungsberufe. Ungedeckter Bedarf an Bewerbern besteht in Thüringen beispielsweise bei Verfahrensmechanikern, Heizungs- und Lüftungsbauern, Installateuren, Anlagen- und Konstruktionsmechanikern, Fleischern, Betonbauern, Kaufleuten im Groß- und Außenhandel, Versicherungskaufleuten, Landwirten.
Die Vereinbarung zur Verbesserung der Berufswahl- und Berufsausbildungsvorbereitung richtet sich vor allem an Jugendliche mit Förderbedarf und sieht insbesondere folgende Einzelmaßnahmen vor:
Fortführung und evtl. Ausweitung des Modellprojekts "vertiefte wirtschaftsnahe Berufswahlvorbereitung" ("Berufsstart"):
Bereits während der Schulzeit sollen Schüler von zunächst 24 Thüringer Schulen mit der Fachkräftenachfrage und den Anforderungen der Wirtschaft in Thüringen vertraut gemacht werden. Dazu sind gezielte Informationshilfen, Qualifizierungen und zweiwöchige Betriebspraktika pro Schuljahr ab Klassenstufe 8 vorgesehen.
flächendeckende Einführung eines Berufswahlpasses Thüringen, mit dem die Schüler neben der Schule erworbene Fertigkeiten und Qualifikationen sowie Orientierungspraktika dokumentieren können; Der Berufswahlpass ist mit Informationsmaterialien und einem speziellen Fortbildungsangebot für Beratungslehrer an Schulen verbunden.
Projekt "Impuls"/einjährige Berufsfachschule (BFS)/berufsvorbereitendes Betriebs-Praktikanten-Modell/Projekt "Sprint" zur Ausbildungsvorbereitung benachteiligter und leistungsschwächerer Jugendlicher:
Leistungsschwächere und benachteiligte Jugendliche (ohne
Schulabschluss) lernen neben berufsfeldbezogenen theoretischen und schulischen Kenntnissen die betriebliche Realität in Thüringer Unternehmen kennen; am Ende erhalten sie die Möglichkeit, einem dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss zu erwerben, zudem werden fachliche Grundqualifikationen zertifiziert.
Elternforum: Das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft (bwtw) bietet Eltern und Großeltern als wichtigen Ratgebern im Bereich der Berufswahl Unterstützung in Form von Informationsveranstaltungen, Seminaren und Gesprächsrunden zu Themen wie Berufsorientierung, Stärkung der Persönlichkeit, Eltern als Vorbild etc. an.
Zusammenarbeit Schule - Wirtschaft stärken:
Unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft SchuleWirtschaft Thüringen arbeiten derzeit 19 regionale Arbeitskreise, die regionale Berufsinformationsmessen, Schülerbetriebspraktika, Betriebserkundungen, berufsvorbereitende Tage, Lehrerinformationspraktika, Schülerwettbewerbe und Schülerfirmen organisieren oder unterstützen. In den nächsten Jahren soll vor allem die Elternarbeit verbessert werden.
