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Zwei Punkte liegengelassen

Sonntag, 20. Oktober 2013, 20:12 Uhr
Im wohl bisher schwächsten Spiel von Regionalliga-Aufsteiger Wacker Nordhausen kam der Gastgeber im Spiel gegen den Tabellenvorletzten, die Bundesligareserve von Hertha BSC nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus. Der Spielbericht von Lars Koch...


Die Nordhäuser hinterließen vor allen Dingen in der ersten Halbzeit gegen die junge Mannschaft aus Berlin - Herthas Zweite hat einen Altersdurchschnitt von gerade einmal 19 Jahren - zum Teil einen ganz schwachen Eindruck. Die Körpersprache stimmte nicht, die Gastgeber machten einen verunsicherten Eindruck, trabten teils mut- und planlos über den Rasen.

Trotzdem hatten die Wackeren in einer Partie, die über die gesamten 90 Minuten arm an Chancen bleiben sollte, die erste Möglichkeit. Sebastian Hauck hatte Matti Langer über links geschickt. hatte aus halblinker Position abgezogen, jedoch war der Winkel dann zu spitz und Herthas Keeper klärte zur Ecke.

In der 17. Minute ist es Patrick Siefkes, der mit guter Aktion den frühen Rückstand für die Nordhäuser verhindert. Herthas Glodi Zingu marschierte allein auf den Nordhäuser Schlussmann zu. Der stürmte aus seinem Tor heraus und kann Zingo in höchster Not vom Ball trennen. Eine Minute später ist es dann eben jener Zingu, der den frühen Rückstand der Wackeren einleitete. Zingu war über links in Richtung Grundlinie marschiert, hatte dort allen Platz der Welt um in den Strafraum zu flanken.

Dort lauerte ein ebenso völlig allein gelassener Kevin Stephan, der aus fünf Metern Entfernung keine Mühe hatte, zum 1:0 für seine Mannschaft einzuschieben. Wieder einmal war es einer dieser individuellen Fehler in der Abwehr. Diese Fehler, die in der Regionalliga fast immer prompt bestraft werden, sind es, die immer wieder dafür sorgen, dass die Nordhäuser nicht zu Null spielen.

Nur ein paar Minuten später hatte der Kapitän der Gäste, Maximilian Obst, die Chance zu erhöhen. Sein Schuss ging nur knapp über das Tor von Siefkes. Die Pausenansprache in der Kabine der Nordhäuser schien eine recht kurze gewesen zu sein, denn schon nach zehn Minuten waren die Wackeren wieder auf dem Platz. Wirklich viel gab es zum Auftreten bis dahin ja auch nicht zu sagen. Doch die Ansprache schien geholfen zu haben. Die Mannschaft aus Nordhausen war in Halbzeit zwei eine ganz andere, als noch im ersten Durchgang.

Zumindest war nun der Wille zu erkennen, dass man die Punkte nicht her schenken wollte. Die Nordhäuser kämpften, kamen nun durch Löhmannsröben (46.) und Carl (47.) ihrerseits zu Möglichkeiten. In der 56. Minute war es dann einmal mehr Löhmannsröben, der mit einer herrlichen Flanke von Toni Jurascheck von der Strafraumgrenze in den Rücken der Verteidiger in Szene gesetzt wurde und per Direktabnahme aus fünf Metern zum Ausgleich.

Weitere wirklich große Chancen hatte keine der beiden Mannschaften. Größter Aufreger war bezeichnenderweise eine Gelb-Rote Karte gegen Herthas Yanni Regäsel, der zuvor von Jan Löhmannsröben angegangen worden war und sich dann wohl unsportlich geäußert haben soll. Der Szene vorausgegangen war jedoch eine klare Tätlichkeit von Herthas Glodi Zingu gegen Robert Stark, für die Zingu Gelb sah. Löhmannsröben sah in dieser Situation ebenfalls noch den gelben Karton.

Wacker versuchte in der Schlussphase noch einmal, etwas aus der Überzahl zu machen. Die Gäste brachten das Unentschieden aber über die Zeit, Wacker war im Abschluss wieder zu ungenau. Wacker steckt weiterhin mittendrin im Abstiegskampf. Große Spielkunst war am Sonntag im Nordhäuser Albert-Kuntz-Sportpark auf beiden Seiten nicht angesagt. "Ich muss nun das machen, was ich jetzt seit Wochen mache, die Mannschaft wieder aufbauen. Wir wissen selber, dass wir Probleme in der Durchschlagskraft haben. Das Ziel am Ende der Saison muss ein, dass wir da stehen, wo wir jetzt stehen, über dem Strich", so Trainer Jörg Goslar nach dem Spiel.

Jörg Schwank, Trainer der Gäste zeigte sich nach der Partie zufrieden und sah das Ergebnis letztlich als einen Punktgewinn, auch wenn nicht mehr aus der frühen Führung hatte machen können. "Wir sind hier mit einer halben A-Jugend Mannschaft aufgelaufen, einige der Jungs sind erst 17. Zum Schluss haben sie Moral gezeigt."
Lars Koch

Trainerstimmen:

Jörg Schwanke: Für uns ist es letztlich sicherlich ein Punktgewinn. Angesichts der roten Karte muss man das sicherlich so sehen. In der ersten Halbzeit war ich doch sehr zufrieden mit unserem Spiel. Wir haben teilweise guten Fußball gespielt und Nordhausen hatte keine Mittel. In der zweiten Halbzeit hat Nordhausen dann den Druck erhöht. Wir haben eine halbe A-Jugend-Mannschaft. Das sind 17-Jährige und für die war das ein Erfahrungserlebnis und von der Moral her war das am Ende eine tolle Sache.

Jörg Goslar: Wir wissen natürlich, dass das jetzt schwer für uns wird. Aber wir dürfen und brauchen jetzt auch nicht zu verzweifeln. Wir müssen uns jetzt mit unserem Potential das wir haben unsere Punkte ergaunern. Und wenn dieser eine Punkt heute am Ende der ist, der uns am vor dem Abstieg rettet, dann ist das auch in Ordnung. Das heute ist ein Teilerfolg. Wir waren gedanklich oft einen Schritt zu langsam. So ist auch das erste Tor gefallen.

Das liegt nicht daran, dass die Beine schwer waren, aber in unserer Situation haben wir uns vielleicht bei manchen Dingen zu viel Gedanken gemacht und kommen dein einen Schritt zu spät. Wir haben dann, was wir eigentlich verhindern wollten, den Gegner zum Spielen eingeladen. Große Spielkunst war da aber heute auch nicht dabei und wenn wir den Fehler nicht machen, schießt Hertha auch das Tor nicht."
Autor: red

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