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Katastrophe wurde vermieden

Donnerstag, 06. Mai 2004, 18:45 Uhr
Nordhausen (nnz). Abwasserbeiträge sind mal wieder „up to date“. Spätestens seit ihrer angekündigten Aussetzung. Bei Recherchen zu diesem Thema ist die nnz auf eines Fusion im Landkreis Nordhausen gestoßen, die im Stillen ablief und eigentlich ein skandalöse Vorgeschichte hatte.


Das Land Thüringen hatte bis zum vergangenen Jahr erhebliche Summen bereitgestellt, wenn es zu Fusionen von Zweckverbänden im Bereich des Abwassers gekommen war. Von diesen Landes-Segnungen wurde denn auch landauf, landab berichtet. Im Landkreis Nordhausen gab es eine solche Fusion, die einem Verband das „Leben“ rettete. Die Rede ist vom ehemaligen Abwasserzweckverband „Hainleite-Wipper“.

Dieses Gebilde sollte für die Entsorgung der Abwasser aus den Gemeinden Wolkramshausen, Kleinfurra, Nohra und Hainrode zuständig sein. Doch die Macher des Verbandes hatten sich im Verlaufe der Jahre – vorsichtig dargestellt - ein wenig übernommen. Oder anders ausgedrückt, sei sollen gänzlich den Überblick verloren haben. Zwei Jahre lang war deshalb versucht worden, das Desaster zu mildern, schließlich konnte nur noch die Zahlungsunfähigkeit des Verbandes konstatiert werden. Es war kein Geld mehr in der Kasse, Verbandsversammlung besaßen absoluten Seltenheitswert, wurde der nnz berichtet. Schließlich wurde der Verband in der Hainleite unter Zwangsverwaltung gestellt. Doch auch während dieser Zeit soll es nicht besser gewesen sein, wissen Insider zu berichten.

Was übrig blieb, das war eine Fusion mit dem Nachbarverband „Bode-Wipper“ mit Sitz in Bleicherode, dem auch noch Sollstedt angehört. Hintergrund der Fusion war eben die Förderung durch das Land Thüringen. Und so sollen rund 4,5 Millionen Euro nach Bleicherode geschaufelt werden, eine halbe Million Euro soll schon angekommen sein. Das füllte nicht die Kassen des dortigen Verbandes, sondern musste auf Heller und Pfennig zur Entschuldung von „Hainleite-Wipper“ ausgegeben werden. Wie sich bei der Sichtung der Unterlagen herausstellte, wurde zwar kleinere Kläranlagen gebaut, doch der Großteil des Geldes soll für Planungsleistungen und Ingenieurverträge ausgegeben worden sein.

Daß es keine definitiven Aussagen über Gebühren oder Beiträge gegeben haben soll, macht das Chaos nicht kleiner. Dafür könnten nach nnz-Recherchen einige Kommunen dem Verband auch schon mal einen Kredit ausgereicht haben. Ob erlaubt oder nicht, es half auch nicht. Nun gibt es seit dem 1. Januar 2004 nur noch den Verband „Bode-Wipper“ und der verlangt von seinen Bürgern, die an der zentralen Kläranlage in Bleicherode angeschlossen sind, im Jahr rund 113 Euro pro Kopf.

Wäre es nicht zur Fusion der beiden Verbände gekommen, dann hätten die Bürger in Wolkramshausen, Hainrode, Kleinfurra und Nohra auf einem finanziellen Scherbenhaufen gesessen. Fakt ist jedoch, sie hätten ihn mit Beiträgen und Gebühren abtragen müssen.

PS: Um auf die aktuelle Aussetzung der Beiträge zurück zu kommen. Dadurch hätte der Zweckverband "Bode-Wipper" 1,9 Millionen Euro weniger in seiner Kasse. Das Geld ist jedoch verplant und muß nun von irgendwo hergeholt werden. Letztlich vielleicht sogar von einer Bank, dann mit Zinsen.
Autor: nnz

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