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nnz-Betrachtung: Bärendienst

Dienstag, 04. Mai 2004, 11:43 Uhr
Nordhausen (nnz). Wie schön war noch die Welt, als in Nordhausen der 1075. Geburtstag der Stadt gefeiert worden war. Da redeten viele Oberbürgermeister im Theater. Unter ihnen auch der aus Mühlhausen...


Und selbst Hans-Dieter Dörbaum war damals des Lobes voll ob des Erblühens der Rolandstadt, seine Rede war voll des Ruhmes über eine gemeinsame Vergangenheit. Doch dann, kurz vor dem Ende, dann doch der Seitenhieb auf die Fachhochschule. Wer Politik eine zeitlang begleitet, der weiß: Politik ist hinterhältig. Fast nie wird mit offenen Karten gespielt. Und wenn doch, dann gibt es Prügel.

Bereits zum 1075. Geburtstag von Nordhausen war das städtische Ziel klar formuliert: Wir wollen einmal Oberzentrum werden! Das wusste damals auch Hans-Dieter Dörbaum und das wusste auch Dr. Werner Henning, der Landrat in Heiligenstadt. Nur störte sich damals niemand daran, denn die Realisierung dieses Wunsches lag in weiter Erfurter Ferne.

Doch jetzt – plötzlich – schreckt die politische Welt in Nordthüringen auf. In Erfurt war es halboffiziell gemacht worden: Nordhausen soll Oberzentrum werden. Schnell werden die Planen von den provisorisch zugedeckten Schützengräben weggerollt, es wird Stellung bezogen. Noch sind es Warnschüsse, die da in den zurückliegenden Tagen abgegeben wurden. Wenn man den Worten der Männer im Mühlhäuser Rathaus glaubt, dann können in punkto Landesentwicklungsplan so ziemlich alles passieren, nur keine Aufwertung von Nordhausen. Da wird das Statistische Landesamt ebenso bemüht wie die Arbeitslosenstatistik.

Auch im Eichsfeld hat man sich wieder in Stellung gebracht. Da wehrt man sich über Jahre hinweg gegen eine Integration in die Planungsregion Nordthüringen, viel lieber wäre den Regierenden im Heiligenstädter Landratsamt ein Anschluß nach Göttingen, denn dorthin geht das eigentliche Bestreben. Und so ist es den Eichsfeldern ziemlich wurscht, ob es Thüringen drei, vier oder fünf Planungsregionen gibt.

Den Bogen überspannte in dieser ohnehin schon angespannten Situation die hiesige SPD-Kreistagsfraktion. Sie will Mühlhausen das Landgericht wegnehmen. Verständlich der dortige Ärger. Wäre er in Nordhausen doch ebenso groß, wenn die Herren Bühner oder Dörbaum plötzlich den Umzug der Fachhochschule nach Mühlhausen fordern würden. Die SPD hat der Region eigentlich einen Bärendienst erwiesen. Und da ist nicht nur die Nordhäuser SPD gemeint, gespielt wird auch im Unstrut-Hainich-Kreis. Und so könnte dieser für Nordhausen wichtige Umstand, daß zumindest über ein Oberzentrum nachgedacht wird, in den Mühlen des Landtagswahlkampfes zermahlen werden.

Aber was zählen schon die Interessen einer Stadt wie Mühlhausen oder Nordhausen, wenn es um künftige Machtstrukturen geht, an denen man unbedingt teilhaben will?
Autor: nnz

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