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Anmut sparet nicht noch Mühe …

Donnerstag, 10. Oktober 2013, 12:24 Uhr
Mit dieser Anfangszeile eines Gedichtes von Bertolt Brecht weist nnz-Autorin Heidelore Kneffel ausgerechnet auf ein Gebäude in Nordhausen hin, das ab morgen abgerissen wird und in den letzten Jahren durch intensiven Vandalismus sein ursprüngliches architektonisches Aussehen verlor...


Vandalen überlassen (Foto: Archiv Kneffel) Vandalen überlassen (Foto: Archiv Kneffel) Es ist die Friedrich-Engels-Schule, später Frauenbergschule am Marienweg, parallel zur Sangerhäuser Straße am Hang platziert.

Die Natur eroberte sich das Gemäuer und das Gelände zurück, ähnlich, wie man es an den Tempeln der Inkas, Azteken und Mayas in Südamerika gesehen hat. Nun besitzt dieses Gebäude natürlich bei weitem nicht diesen künstlerischen und kulturgeschichtlichen Wert, aber, am Haupteingang vom Süden her, nicht gerade gut sichtbar für die Nordhäuser, gibt es ein größeres Relief, dass 1972 angebracht wurde und Brechts berühmte Kinderhymne in acht plastische Szenen setzt. Der Schriftzug des Gedichtes ist gut lesbar dazu gesetzt.

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land ...


Geschaffen hat es die Künstlerin Monika Hellmuth aus Erfurt, Jahrgang 1943, die als Plastikerin bekannt ist. Das Relief wurde zwischen den zwei doppelflügeligen gläsernen Eingangtüren angebracht.

Relief am Hauptportal 1980 (Foto: Archiv Kneffel) Relief am Hauptportal 1980 (Foto: Archiv Kneffel)

Als Mitglied des Denkmalbeirates machte ich mich bei der Stadtverwaltung kundig, ob das Relief unter Denkmalschutz steht. Es wurde gesagt, dass es von Erfurt nicht so ausgewiesen sei, wohl aber das farbige Wandgemälde an der Turnhalle der Schule. Nun kann man rätseln, ob das weniger auffallende Kunstwerk vielleicht übersehen wurde? Vom künstlerischen Standpunkt ist es ist es nämlich mindestens genau so einzuschätzen, für mich sogar höher. Bis jetzt gelang es in Nordhausen, nach der Wende eine Bilderstürmerei zu verhindern.

Relief am Hauptportal aktuell (Foto: Archiv Kneffel) Relief am Hauptportal aktuell (Foto: Archiv Kneffel)

So blieb das Gemälde in der ehemaligen Stadtterrasse erhalten, ebenso die figürlichen Wandgestaltungen an einigen Häusern in der Rautenstraße und an den Schulen auf dem Petersberg. Ausgerechnet ein farbiges Wandgemälde in der Stolberger Straße, den Kindern Nordhausens gewidmet, wurde an der Fassade des jetzigen Seniorenzentrums durch Dämmung unsichtbar.

Es soll sich noch darunter befinden. Nun würde ein zweites Kunstwerk, den Kindern gewidmet, verschwinden. Da keine Mittel für die Bergung eingestellt sind, weil man nichts davon wusste, wird es wohl aus der Nordhäuser Kunstwelt verschwinden! Und die Frage, wohin damit, wäre auch noch zu klären! Denn, es ist, bei dem Vandalismus fast ein Wunder, nicht zerstört – mit Farbe hat man es an manchen Stellen allerdings „verändert“.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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