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Team erarbeitet Nordhäuser Chronik von 1802 bis 1989

Freitag, 13. April 2001, 19:16 Uhr
Nordhausen (nnz). Am 2. August 2002 jährt sich zum 200. Mal der Tag, an dem Nordhausen seinen Status als Reichsstadt verlor und, wie die Zeitgenossen es damals empfanden, zu einer unbedeutenden Landstadt "herabsank". Das historisch längst überfällige Ende der alten Reichsherrlichkeit im Zusammenhang mit den im Gefolge der französischen Revolution einhergehenden Umbrüche in Europa leitete - zu nächst in der Verwaltung, später auch auf anderen Gebieten - einen Prozeß der Modernisierung und Urbanisierung ein, der mit dem Aufstieg Nordhausens zu einer modernen, kreisfreien Stadt seit 1882 einen Höhepunkt erreichte. Die Stadt entwickelte eine gesunde Wirtschaftsstruktur und schuf sich vorbildliche kommunale Einrichtungen.
Das Jahr 2002 bietet Anlaß zur Herausgabe einer "Chronik der Stadt Nordhausen von 1802 bis 1989" und erreicht damit eine besondere Würdigung. Über die Arbeit an diesem Buch sprach nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg mit Jörg-Michael Junker, Mitautor an der Chronik.

Herr Junker, seit einem Jahr arbeiten Sie mit an der Chronik der Stadt Nordhausen von 1802 bis 1989. Wie ist der Stand der Dinge?

Die Aufarbeitung der Geschichte der Stadt für den Zeitraum von 1802 bis 1989 ist sehr zeitaufwendig und erfordert viel persönliches Engagement der Autoren, die diese Tätigkeit unentgeltlich und ausschließlich in ihrer Freizeit verrichten. Da jeder für sich an seinem Thema arbeitet, kann ich derzeit den Stand der Bearbeitung schlecht einschätzen, aber ich gehe davon aus, daß der Termin 31. Dezember 2001 für den Redaktionsschluß gehalten wird.

Für welchen Teil der Chronik zeichnen Sie verantwortlich?

Ich habe die Jahre 1970 bis 1989 zu bearbeiten. Das sind zwanzig Jahre in denen die Innenstadt erbaut, das Krankenhaus entstanden, die Stadtteile Nord und Ost emporwuchsen und die Wende im Herbst 1989 erfolgte. Da gibt es sehr viel zu recherchieren und jede Menge Akten einzusehen. Außerdem habe ich mit Rainer Hellberg die Zusammenstellung des gesamten Bildteiles übernommen. An dieser Stelle ein Bitte an die nnz-Leser: Wenn Sie noch Bilder von Ereignissen und Veranstaltungen, von Einweihungen von Gebäuden u.ä. haben, stellen Sie diese bitte dem Stadtarchiv für die Chronik zur Verfügung. Sie erhalten die Fotos garantiert zurück.

Warum endet die Chronik am 31. Dezember 1989?

Das entspricht praktischen Erwägungen. Zum einen ist seit 1990 so viel geschehen, daß es den Rahmen von 650 Seiten bei weitem sprengen würde, zum anderen gibt es schon gedruckte Chroniken in den Jahresausgaben der Zeitungen, der Nordhäuser Nachrichten und in den Jahrbüchern des Landkreises.

Wie muß man sich die Arbeit an diesem Geschichtswerk vorstellen?

Zu jedem Jahr muß das Wesentlichste und Wichtigste, was sich in Nordhausen ereignet hat, chronologisch dargestellt werden. Das erfordert ein umfangreiches Zeitungs- und Aktenstudium. Wenn man bedenkt, daß pro Jahr allein etwa 300 Zeitungen erschienen sind, kann man ermessen, wie lange es dauert, ehe der Autor zehn Jahr durchgearbeitet hat. Hinzu kommt, daß die Chronologie mit thematischen Schwerpunkten in Form von Berichten aufgelockert werden soll. Auch dafür sind die Autoren verantwortlich.

Gibt es Probleme bei der Erarbeitung?

Wie allgemein bekannt, gab es in der DDR keine freie Presse. Das Zeitungsstudium führt unweigerlich in eine beschönigende Position. Was mir beispielsweise für die Bearbeitung fehlt, sind Nachrichten bezüglich der Opposition, der Kirchen, der Verweigerung. Mir fehlt jede Nachricht über die Rote Armee am Holungsbügel, ebenso über die Hubschrauberstaffel usw. Das trifft eigentlich für alle Zeiträume nach dem 2. Weltkrieg zu. Da ist unbedingt die Mithilfe der Bürger erforderlich. Deshalb nochmals die Bitte, daß alle, die dazu etwas sagen können oder eventuell noch Fotos haben, sich im Stadtarchiv oder direkt bei den einzelnen Autoren zu melden. Sie können so zum guten Gelingen des Geschichtswerkes beitragen.

Welche Autoren arbeiten an der umfangreichen Chronik noch mit?

Federführend ist der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Peter Kuhlbrodt, weiterhin arbeiten Dr. Leni Arnold, Klaus Jörg Barthel, Helmut Bornkessel, Hans Jürgen Grönke, Herbert Gerhardt, Dr. Bernd Hildenbrand, Rainer Hellberg, Heidelore Kneffel, Paul Lauerwald, Dr. Manfred Schröter, Hans-Joachim Schmidt und Dr. Wilfried Strenz mit.

Können Sie etwas zur äußeren Form der Chronik sagen?

Die Chronik der Jahre 1802 bis 1989 ist die Fortsetzung der neuaufgelegten „Geschichte der freien Reichsstadt Nordhausen°, die von Dr. Hans Silberborth geschrieben wurde. Das Buch wird äußerlich so gestaltet sein, wie der erste Band. Geplant sind 650 Seiten mit etwa 200 Abbildungen. Abzüglich Register und Vorwort stehen etwa 600 Textseiten zur Verfügung. Neben dem chronologischen Teil werden Ereignisse und Themen wie der "17. Juni 1953 in Nordhausen", "Rolandfeste", "Staatssicherheit in Nordhausen", "Dienstagsdemonstrationen" und viele weitere abgearbeitet. Erscheinen soll das Buch im September 2002.
Autor: rh

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