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Elfmeter für den Stadtrat

Montag, 30. September 2013, 14:55 Uhr
In den „Bürgersaal“ hatte Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh die Verfasser einer Petition gegen die Namensgebung „Bürgerhaus“ für das neue Mehrzweckgebäude hinter dem Rathaus bestellt. Er selbst konnte zur mittäglichen Stunde leider nicht persönlich kommen...

Schönfelder, Haase, Triebel (Foto: nnz) Schönfelder, Haase, Triebel (Foto: nnz)

... schickte aber seine zweite Beigeordnete Hannelore Haase, die von Amts wegen für kulturelle Fragen zuständig ist.

Für die aufbegehrenden Bürger waren pro Vita- Chefin Uta Triebel gekommen, Professor Arnsmeyer von der Fachhochschule, Buchhändler Dietrich Rose und Olaf Schulze. Auf Seiten der Stadt vertrat Dr. Maximilian Schönfelder als Vorsitzender der Nordhäuser Volksvertreter die Seite der angegriffenen Stadträte.

Alle waren sich einig, als die Organisatorin der Petition Uta Triebel von „einem Akt gelebter Demokratie“ sprach, dem man hier beiwohnen könne. Immerhin 1.339 Nordhäuserinnen und Nordhäuser hatten binnen drei Tagen das Papier unterschrieben, somit gegen den Stadtratsbeschluss votiert und dessen Aufhebung verlangt.

Frau Haase plädierte ganz pragmatisch dafür, „die Petition an die Ausschüsse zu verweisen“. Professor Jörg Arnsmeyer fand es „problematisch, den geäußerten Bürgerwillen zu ignorieren“ und Dietrich Rose „war überrascht vom großen Interesse der Menschen“.

Dr. Maximilian Schönfelder empfindet den Begriff „Forum“ durch die Geschichte belastet und plädiert deshalb gegen die Variante „Nicolaiforum“. Rose und Arnsheimer betonten daraufhin, es gehe auch um marketingstrategische Aspekte beim Namen und da sei "Bürgerhaus" ein denkbar banaler Name für ein neues Aushängeschild der Stadt. Das überzeugte Dr. Schönfelder so weit, dass er Defizite im Entstehungsprozess erkannte und feststellte, die Sache so noch nicht betrachtet zu haben.

Frau Haase stellte abschließend in Aussicht, möglicherweise ein neues Verfahren zur Namensgebung zu eröffnen und die Bürger daran zu beteiligen, wenn die Stadträte dies mehrheitlich wünschten.

Da „liegt nun der Ball wieder im Feld“ der Stadträte, wie es unsere Politiker heutzutage so gern formulieren. Der Nordhäuser Stadtrat hat jetzt eine hervorragende Chance, Größe zu zeigen und die beiden albernen Beschlüsse zur Namensgebung der Kulturbibliothek aus der letzten Sitzung wieder einzukassieren. Und das Tollste daran ist: es kostet im Gegensatz zum Neubau der Kulturbibliothek keinen einzigen Cent.

Ein Elfmeter – um in der Sprache der Fußballer zu bleiben. Ob die Damen und Herren Räte den verwandeln können oder ob die parteipolitische Kleinmütigkeit den Schuss souverän parieren wird, erfahren wir demnächst.
Olaf Schulze
Autor: nnz

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