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nnz-Forum: HSB fördern, statt drohen

Donnerstag, 26. September 2013, 06:31 Uhr
Gestern standen die Gegenwart und die Zukunft der Harzer Schmalspurbahnen im Mittelpunkt einer aktuellen Stunde, zu der Landrätin Birgit Keller auf den HSB-Bahnsteig in Nordhausen eingeladen hatte. Dazu das Statement eines nnz-Lesers...


Mich befremdet, dass die Landrätin laut nnz-Ticker auf dem HSB-Bahnhof abermals eine indirekte Drohkulisse gegen die HSB aufgebaut hat. Frau Keller scheint gemäß dem ersten Eintrag im Ticker immer noch nicht verstanden zu haben, dass die Bahn allein schon aus der Tatsache heraus, dass sie Nordhausen überhaupt anfährt, eine Bereicherung des touristischen Angebots und damit der Region darstellt.

Will sie sich tatsächlich mit Entscheidungen in die mehr als 100-jährige HSB-Geschichte einbringen, die die Existenz dieses in Europa einmaligen Schmalspurbahnnetzes gefährden? Damit würde sie den auf dem Gebiet des Tourismus sowieso schon sehschwachen Landkreis (siehe Südharzer Tourismusverband) als vollblind entlarven und den Zorn der übergroßen Mehrheit der anderen Harzer und ihrer Gäste auf sich ziehen.

Wie ich schon in einem früheren nnz-Beitrag schrieb: Die HSB wird genau dort investieren, wo Touristen hinkommen, also in Nordhausen gewiss nur schweren Herzens. Schließlich haben wir es hier mit einem Unternehmen zu tun. Frau Keller sollte daher ihre paar Mäuse, die sie der HSB zuschießt, nicht überbewerten. Es könnte nämlich auch sein, dass die HSB auf das winzige Stückchen Thüringen nicht angewiesen ist und sich nur noch auf Sachsen-Anhalt konzentriert. Zumindest wenn ihr die Erpressungsversuche von Frau Keller über den Kopf wachsen.

Statt Druck auf ein einmaliges touristisches Highlight auszuüben, sollte die Landrätin zunächst einmal die sanfte touristische und naturgegebene Infrastruktur schützen und ausbauen: Gipssteinbrüche im ausgedehntesten Gipsgebiet Europas sind hier genauso wenig förderlich, wie Waldvernichtung für Pumpspeicherwerke und desolat markierte Wanderwege. Wernigerode hat sein Fachwerk und den Nationalpark mit dem Brocken. Wir haben die repräsentativen Buchenwälder und den einzigartigen Gipskarst. Darauf sollten wir bauen und die kleine Bahn darin als Multiplikator einbinden.

Viel mehr Werbung tut Not, viel mehr Herzblut und Einsatz bei den Verantwortlichen. Viel mehr Bewusstsein für die exklusiven Werte, die uns umgeben, liebe Frau Keller, und die noch nicht einmal etwas kosten, weil sie schon da sind.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die HSB gern in Nordhausen investiert, wenn sie sieht, dass ein paar Wanderer oder Bahnfreaks mehr in ihren teuren Dampfzug einsteigen. Das aber werden sie nur dann tun, wenn sie sich um Thüringer Südharz willkommen und wohl fühlen und nicht Schlagzeilen über eine Landrätin lesen müssen, die, kaum im Amt, mit der Verabschiedung des Landkreises aus einer verkehrstechnischen Welteinmaligkeit droht. Der HSB-Geschäftsführer hat es doch gesagt: Nicht einmal der eine Dampfzug um kurz nach 10 ist gut ausgelastet. Tun Sie was, Frau Landrätin, das war der wichtigste Fingerzeig des Abends!

Übrigens: Wer sich mit der Geschichte der HSB ein wenig beschäftigt hat, der weiß, dass sie schon mehrmals in existenziellen Schwierigkeiten steckte. Allein den besonderen Verhältnissen in der DDR haben wir es zu danken, dass das Netz bis heute besteht. Weder die Ölkrise in den 70ern noch die Stillegungspläne einiger westdeutscher Schmalspurhäuptlinge nach der Wende konnten der Bahn etwas anhaben. Auch Frau Keller wird die Bahn nicht in die Knie zwingen, sollte sie den Landkreis doch noch aussteigen lassen. Die HSB wird die Landrätin ganz gewiss überleben - und das mit Dampfbetrieb bis Nordhausen. Für gegenteilige Entwicklungen hat die Bahn zu viele Freunde in aller Welt!
Bodo Schwarzberg

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Autor: red

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