nnz-online

Ist es das Aus für die Textilwerke?

Montag, 23. September 2013, 16:51 Uhr
Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann ist heute nicht mit guten Nachrichten nach Leinefelde gereist. Am Nachmittag musste er der jetzigen Belegschaft der Leinefelder Textilwerke in einer Betriebsversammlung mitteilen, dass das Unternehmen vermutlich zum Jahresende geschlossen werden muss...

Pressekonferenz Textilwerke (Foto: Ilka Kühn) Pressekonferenz Textilwerke (Foto: Ilka Kühn)

In einer Pressekonferenz erläuterte Olaf Spiekermann (li.), wie es um die Textilwerke steht. Foto: Ilka Kühn

In der Pressekonferenz sprach der Insolvenzverwalter über Details, die ihn zu dieser Information veranlassten.

In der vergangenen Woche hatte er von der Falke Gruppe erfahren, dass die Aufträge für Leinefelde in diesem Jahr komplett zurückgefahren werden und es für das nächste Jahr nur noch wenige geben sollte. Und das zu einem Zeitpunkt, wo das Leinefelder Werk wieder in die Gänge kam. In den vergangenen Wochen, seitdem der Insolvenzverwalter den Betrieb unter seiner Regie führte, kam wieder Schwung in die Textilwerke. Die 186 Mitarbeiter zogen mit, hatten auf Urlaub verzichtet, die Produktion rollte gut an.

Das gab Hoffnung, zumal Olaf Spiekermann ein Konzept und potentielle Interessenten hatte. Doch jetzt der Schlag von Falke. Die Betriebsführung, Betriebsrat, Mitarbeiter - für alle ist es wie ein Schlag ins Gesicht, alle sind erschüttert.

Erst in der vergangenen Woche glänzte die Leinefelder Textilwerke auf einer Textilmesse in Paris, wurden von Kunden hofiert und von vielen wurde Aufträge und Unterstützung zugesichert. Doch in dieser Branche geht es nicht von heute auf morgen, es braucht seine Zeit.

Es gibt derzeit nur eins, was den 186 Mitarbeitern den Arbeitsplatz erhalten und das Fortbestehen des Traditionsbetriebes in Leinefelde, mit dem die ganze Stadt auf irgendeine Weise verbunden ist, sichern kann: Falke gibt wieder Aufträge nach Leinefelde. Wenn nicht, werden sich die Tore in Leinefelde vor Weihnachten schließen - für immer.

Landrat Werner Henning will gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Olaf Spiekermann am Mittwoch zu einem Gespräch nach Schmallenberg zu Falke fahren. Nützt dies auch nichts, dann wird die IG Metall mit Bussen und den Mitarbeitern am Freitag zu Falke fahren, zu denen, die einst 18 Millionen DM Fördermittel 1997 vom Land Thüringen erhalten haben, als sie die "Spinne" übernahmen. Die Mitarbeiter wurden damals als "Familienmitglieder" herzlich willkommen geheißen. Doch jetzt lässt ausgerechnet Falke die Leinefelder fallen.
Ilka Kühn
Autor: en

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de