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Franz Müntefering im Wahlkampf

Dienstag, 27. August 2013, 10:59 Uhr
Es kommt selten vor, dass sich deutsche Politiker vom Kaliber eines Franz Müntefering nach Bleicherode verlaufen. Ein Indiz dafür, dass die SPD sich vielleicht "Sorgen um einen Wahlsieg" macht. Die nnz war für Sie vor Ort...

Müntefering in Bleicherode (Foto: nnz) Müntefering in Bleicherode (Foto: nnz)

Alles war hergerichtet: Die Sonne schien, die roten Schirme und T-Shirts vom Team Thüringen leuchteten, ein Chor sang und mittendrin stand der ehemalige Parteivorsitzende der SPD, der vielleicht letzte sozialdemokratische Spitzenpolitiker mit ecken und Kanten. "Sie sehen gut aus", konstatierte ein Bleicheröder und der 74jährige gab zurück: "Das kommt nur, weil ich geschminkt bin. Nein, ich fühle mich gut, vor allem in Zeiten des Wahlkampfes."

Was dem Wahlkämpfer und der Bundestagskandidatin Carmen Listemann allerdings in den ersten Minuten im "politischen Straßencafé" entgegenschlug, das war doch eher eine Mischung aus Resignation und Enttäuschung. Hauptsächlich waren es Senioren, die mit dem Sauerländer reden wollten. Zu wenig Rente, keine Perspektive für Kinder und Enkel und überhaupt: alles werde schlechter, obwohl die Politiker immer das Gegenteil versprechen würden.

Da halfen solch flache Plattitüden als Antwort nicht - wie: "Frau Merkel könnte zwar - theoretisch-technisch gesehen - ein Flugzeug fliegen, allerdings wüssten die Passagiere nicht, wo sei landen. Bei Peer weiß man das!" Doch es gab auch Sympathiebekundungen. Zum Beispiel vom 78jährigen Wolfgang Wilke aus Bleicherode, der natürlich am 22. September SPD wählen wird. "Sie sehen echt aus, Herr Müntefering und der Steinbrück, der gefällt mir, weil er geradeheraus redet."

Und da war auch Karl-Heinz Engel aus Rehungen, der sich die zehn Kilometer mit dem Fahrrad auf den Weg nach Bleicherode gemacht hatte, obwohl er seiner Frau versprochen hatte, beim Marmeladekochen zu helfen. Der Herr Engel wollte wissen, warum denn immer mehr Unternehmen ins Ausland abwandern und warum deutsche Soldaten in Afghanistan sterben müssen. Auch hier gab es von Franz Müntefering natürlich Antworten, doch die ähnelten denen bei diversen Talkrunden.

Eine Stunde lang redete Franz Müntefering in Bleicherode mit Menschen, die überwiegend sein Jahrgang oder drumherum waren. Ob es was genutzt hat, das wird sich zeigen: Am 22. September.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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