Geisterhäuser in einer Wildnis
Samstag, 24. August 2013, 11:45 Uhr
Die Häuser stehen versteckt im Grünen. Kein Mensch tritt mehr aus ihrer Tür. Kein Kinderlachen ist zu hören. Zertrümmerte Briefkästen, vernagelte oder eingeschlagene Fenster deuten aber darauf hin, dass hier einst Leute wohnten. Heute bietet sich dem Betrachter ein Bild, das in dieser Wildnis ein idealer Hintergrund für einen Film sein könnte, in dem eine Räuberbande ihr Unwesen treibt. Kurt Frank berichtet...
Bis zur Wende herrschte in der kleinen Wohnsiedlung am Hüpedenweg in Nordhausen unweit der alten Kaffeerösterei reges Leben. Das helle Objekt, vom Brand gezeichnet, sagt ein Insider, der nicht genannt werden möchte, bewohnten zuletzt Franzosen, die im Motorenwerk zu tun hatten. In den grauen Gebäuden daneben weilten kurzzeitig Sowjetbürger, die nicht in ihre Heimat zurück wollten.
Neu eingedeckte Dächer mit Schneefängern, erneuerte Fensterumrahmungen und Briefkästen, Sanierungen im Innern der Häuser (Sanitär- und Elektroarbeiten) ließen einst die Hoffnung keimen, das Leben gehe weiter. Hier waren einmal Familien zuhause. In der Regel jeweils sechs in einem Haus. Sie bauten sich Garagen und für ihre Kinder einen Sandplatz mit Spielgeräten. Die Zeit überwucherte alles. Die Geisterhäuser sollen abgerissen werden. Aber erst, wenn die Ruine Drei Streif fällt. Sagt Sabine Riebel, im Nordhäuser Rathaus für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung zuständig. Die Immobile Drei Streif, lässt Riebel wissen, ist nach Zwangsversteigerung aus Insolvenz Eigentum der Stadt. Zusammen mit den Reihenhäusern am Hüpedenweg gehören die Flächen südlich der Grundschule Niedersalza zum Projekt IFA-Industriepark, Erschließung Hüpedenweg/Drei Streif.
Das Projekt lässt aufhorchen. Seine Förderwürdigkeit bestätigte das Landesverwaltungsamt. Die Stadt habe an Planungsbüros als Projektsteuerer den Auftrag erteilt, den Förderantrag für die Erteilung von Mitteln zu stellen. Bereits am 30. September 2012 sei der Antrag fristgerecht eingereicht worden. Mit dem Zuwendungsbescheid von etwa 90 Prozent Fördermitteln, hieß es in einer Mitteilung aus der Stadtverwaltung im Januar des Jahres, sei noch 2013 zu rechnen. Die Rechnung ging nicht auf, bedauert Wirtschaftsförderin Riebel.
Die geschätzte Investitionssumme für das Projekt, das öffentlich ausgelegt werden soll, betrage drei Millionen Euro. Erforderlich sei eine Vorfinanzierung durch die Stadt, deren Eigenanteil sich auf 300 000 Euro belaufe. Vorgesehen ist, teilt Sabine Riebel mit, die Brache Drei Streif und die Reihenhäuser mit Nebengelass sowie den haufenweise vorhandenen Müll zu entfernen. Ein Bebauungsplan soll die neue Straße und die Gewerbeflächen sichern.
Dem ersten Schritt soll laut Plan ein zweiter folgen. Er sieht den Bau einer sogenannten Erschließungsstraße von der verlängerten Motorenstraße mit den entsprechend für die Gewerbeerschließung notwendigen technischen Medien vor. Das mache es möglich, die vorhandene alte Fensterbauhall und weitere neu erschlossene Gewerbeflächen zu nutzen. Die Salza, lässt Sabine Riebel außerdem wissen, wolle man von technischen Einbauten freilegen. Zudem soll der Grünzug, wie es in der Fachsprache heißt, an der Salza gegenüber den Wohnhäusern verbessert werden
Die vielversprechende Botschaft hört man wohl. Sie hat nur einen Haken: Fehlender Zuwendungsbescheid und noch keine Klarheit darüber, wie sich der nächste städtische Haushalt gestalten werde, lassen derzeit keine Aussagen darüber zu, wann die Arbeiten beginnen. Fallen die Drei Streif-Ruine, deren Abriss die Stadt schon wiederholt angekündigt hatte, und die Geisterhäuser 2014? Oder erst 2015? Oder erst in ferner Zukunft? Derzeit steht alles in den Sternen.
Kurt Frank
Autor: redBis zur Wende herrschte in der kleinen Wohnsiedlung am Hüpedenweg in Nordhausen unweit der alten Kaffeerösterei reges Leben. Das helle Objekt, vom Brand gezeichnet, sagt ein Insider, der nicht genannt werden möchte, bewohnten zuletzt Franzosen, die im Motorenwerk zu tun hatten. In den grauen Gebäuden daneben weilten kurzzeitig Sowjetbürger, die nicht in ihre Heimat zurück wollten.
Neu eingedeckte Dächer mit Schneefängern, erneuerte Fensterumrahmungen und Briefkästen, Sanierungen im Innern der Häuser (Sanitär- und Elektroarbeiten) ließen einst die Hoffnung keimen, das Leben gehe weiter. Hier waren einmal Familien zuhause. In der Regel jeweils sechs in einem Haus. Sie bauten sich Garagen und für ihre Kinder einen Sandplatz mit Spielgeräten. Die Zeit überwucherte alles. Die Geisterhäuser sollen abgerissen werden. Aber erst, wenn die Ruine Drei Streif fällt. Sagt Sabine Riebel, im Nordhäuser Rathaus für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung zuständig. Die Immobile Drei Streif, lässt Riebel wissen, ist nach Zwangsversteigerung aus Insolvenz Eigentum der Stadt. Zusammen mit den Reihenhäusern am Hüpedenweg gehören die Flächen südlich der Grundschule Niedersalza zum Projekt IFA-Industriepark, Erschließung Hüpedenweg/Drei Streif.
Das Projekt lässt aufhorchen. Seine Förderwürdigkeit bestätigte das Landesverwaltungsamt. Die Stadt habe an Planungsbüros als Projektsteuerer den Auftrag erteilt, den Förderantrag für die Erteilung von Mitteln zu stellen. Bereits am 30. September 2012 sei der Antrag fristgerecht eingereicht worden. Mit dem Zuwendungsbescheid von etwa 90 Prozent Fördermitteln, hieß es in einer Mitteilung aus der Stadtverwaltung im Januar des Jahres, sei noch 2013 zu rechnen. Die Rechnung ging nicht auf, bedauert Wirtschaftsförderin Riebel.
Die geschätzte Investitionssumme für das Projekt, das öffentlich ausgelegt werden soll, betrage drei Millionen Euro. Erforderlich sei eine Vorfinanzierung durch die Stadt, deren Eigenanteil sich auf 300 000 Euro belaufe. Vorgesehen ist, teilt Sabine Riebel mit, die Brache Drei Streif und die Reihenhäuser mit Nebengelass sowie den haufenweise vorhandenen Müll zu entfernen. Ein Bebauungsplan soll die neue Straße und die Gewerbeflächen sichern.
Dem ersten Schritt soll laut Plan ein zweiter folgen. Er sieht den Bau einer sogenannten Erschließungsstraße von der verlängerten Motorenstraße mit den entsprechend für die Gewerbeerschließung notwendigen technischen Medien vor. Das mache es möglich, die vorhandene alte Fensterbauhall und weitere neu erschlossene Gewerbeflächen zu nutzen. Die Salza, lässt Sabine Riebel außerdem wissen, wolle man von technischen Einbauten freilegen. Zudem soll der Grünzug, wie es in der Fachsprache heißt, an der Salza gegenüber den Wohnhäusern verbessert werden
Die vielversprechende Botschaft hört man wohl. Sie hat nur einen Haken: Fehlender Zuwendungsbescheid und noch keine Klarheit darüber, wie sich der nächste städtische Haushalt gestalten werde, lassen derzeit keine Aussagen darüber zu, wann die Arbeiten beginnen. Fallen die Drei Streif-Ruine, deren Abriss die Stadt schon wiederholt angekündigt hatte, und die Geisterhäuser 2014? Oder erst 2015? Oder erst in ferner Zukunft? Derzeit steht alles in den Sternen.
Kurt Frank







