Bauland immer nur auf grüner Wiese?
Mittwoch, 21. August 2013, 10:46 Uhr
Der Boden ist des Landwirts Heiligtum. Leider wird es mehr und mehr beschädigt. So verringerte sich die landwirtschaftliche Nutzfläche im Südharz in nur zweieinhalb Jahren um 666 auf nunmehr 35616 Hektar. Das Ackerland schmolz um 386 auf derzeit 29762 Hektar dahin. nnz informierte gestern. Es sind aber nicht nur Autobahnen und Straßen, die Land beanspruchen. Kurt Frank berichtet...
Nach der Wende setzte in den neuen Bundesländern ein Bauboom ein. Plattenbauten gerieten in Verruf, Eigenheime schossen wie Pilze aus dem Boden. Auch im Umfeld von Nordhausen. Wo einst Kühe weideten (Kirschweg/Gumpetal), Bauern Hopfen ernteten (Richtung Himmelgarten), Obstbäume blühten oder Getreide wogte (Bereich Schwalbenweg in Niedersalza) stehen heute Eigenheime in Reih und Glied. Oder Reihenhäuser. Zusammengerechnet, ergibt sich ein Landverlust, schätzt man, von über 100 Hektar. Die grünen Wiesen, auf denen nun die Einkaufscenter ihre Waren feilbieten, eingerechnet.
Im Gespräch befand sich auch eine Bebauung des Gumpetals bis Harzrigi, war mal aus dem Rathaus zu vernehmen. Diese Dimensionen waren dann selbst der Ex-Oberbürgermeisterin Barbara Rinke, die das Vorhaben einst lobend erwähnte, offensichtlich des Guten zu viel. Das Vorhaben starb. Dann kam jemand auf den Gedanken, die Fläche nördlich des Schurzfells zu bebauen. Dem standen wohl die Hochspannungsleitungen im Wege.
Die Zeiten ändern sich. Was in den Jahren nach der Wende richtig, notwendig und an Landverlust zu begründen war, wird heute anders bewertet. Gab es doch Jahre, wo Landwirtschaftsbetriebe noch Prämien für stillgelegte Flächen kassierten. Heute ringt man um jeden Quadratmeter Boden für die Nahrungsmittelproduktion.
Bei dem eifrigen Baugeschehen im grünen Bereich blieben die Schandflecken und Lücken in Bereichen der Innenstadt außen vor. Seit Jahren wird im Rathaus und im Landratsamt gerätselt, was daraus werden soll: Ruinen des ehemaliges Gaswerkes, Brachen in der Freiherr-vom-Stein-Straße und die Am Hagentor, verwildertes Gelände mit dem Garagenkomplex des damaligen Kraftverkehrs in der Justus-Jonas-Straße, üble Hinterlassenschaft des einstigen Vorzeigebetriebes Drei Streif an der Salza. Innerhalb ihres Territoriums hat die Stadt Nordhausen gleich mehrere Eigenheim-Baustandorte: Geseniusstraße (im Bild gelbes Haus), im Sonnenwinkel auf dem Gelände der einstigen Konsum-Großbäckerei (Foto). Oder gegenüber dem Parkplatz Friedhof Salza. Alle verfügen noch über freie Plätze. Dorthin und nicht auf Ackerland und grünen Wiesen sollte das Bauamt zukünftige Häuslebauer lenken. Mit Anreiz. Denn nicht jeder Bauherr möchte die Maurerkelle innerhalb der Stadt handhaben oder sie für sich schwingen lassen.
Auch Thüringens Landwirtschafts- und Umweltminister, Jürgen Reinholz, nicht. Er zog ein naturnahes Haus vor. Die vollständige Bebauung dieser ausgewiesenen Bereich wäre im Interesse der Stadt. Unschön, wenn neben einem schmucken Haus das Unkraut meterhoch wächst.
Dennoch: Seit Oberbürgermeister Klaus Zeh im Rathaus regiert, ist eine Tendenz erkennbar: Weg vom Baugeschehen auf Ackerland und grünen Wiesen, mehr Augenmerk dem Innerstadtbereich. Zeh verwies auf ein Bauvorhaben im Bereich der früheren Rosenmühle, dem sich die Waresa Bau GmbH annehmen will. Wie von einer sympathischen Frauenstimme aus der Geschäftsleitung des Unternehmens zu erfahren war, brauche das Vorhaben Zeit. Es bedürfe noch detaillierter Absprachen und Planungen. In diesem Jahr rühre sich auf dem Territorium keine Hand mehr. Abgeschrieben sei die Angelegenheit keineswegs, auch wenn nach der Beräumung der Fläche mittlerweile wieder das Unkraut sprießt. Im Objekt des ehemaligen Buchhaus Rose (im Hintergrund zu sehen) sei man am Werk.
Die Städtischen Wohnungsbaugesellschaft will in der Schärfgasse / Altentor aktiv werden, verkündete ebenfalls der Oberbürgermeister stolz. Auch wenn beide Vorhaben schon vor acht Jahren aktuell waren, bleibt zu hoffen, dass der Bart nicht noch länger wird, der Wunsch der Vater des Gedankens bleibt.
Kurt Frank
Autor: redNach der Wende setzte in den neuen Bundesländern ein Bauboom ein. Plattenbauten gerieten in Verruf, Eigenheime schossen wie Pilze aus dem Boden. Auch im Umfeld von Nordhausen. Wo einst Kühe weideten (Kirschweg/Gumpetal), Bauern Hopfen ernteten (Richtung Himmelgarten), Obstbäume blühten oder Getreide wogte (Bereich Schwalbenweg in Niedersalza) stehen heute Eigenheime in Reih und Glied. Oder Reihenhäuser. Zusammengerechnet, ergibt sich ein Landverlust, schätzt man, von über 100 Hektar. Die grünen Wiesen, auf denen nun die Einkaufscenter ihre Waren feilbieten, eingerechnet.
Im Gespräch befand sich auch eine Bebauung des Gumpetals bis Harzrigi, war mal aus dem Rathaus zu vernehmen. Diese Dimensionen waren dann selbst der Ex-Oberbürgermeisterin Barbara Rinke, die das Vorhaben einst lobend erwähnte, offensichtlich des Guten zu viel. Das Vorhaben starb. Dann kam jemand auf den Gedanken, die Fläche nördlich des Schurzfells zu bebauen. Dem standen wohl die Hochspannungsleitungen im Wege.
Die Zeiten ändern sich. Was in den Jahren nach der Wende richtig, notwendig und an Landverlust zu begründen war, wird heute anders bewertet. Gab es doch Jahre, wo Landwirtschaftsbetriebe noch Prämien für stillgelegte Flächen kassierten. Heute ringt man um jeden Quadratmeter Boden für die Nahrungsmittelproduktion.
Bei dem eifrigen Baugeschehen im grünen Bereich blieben die Schandflecken und Lücken in Bereichen der Innenstadt außen vor. Seit Jahren wird im Rathaus und im Landratsamt gerätselt, was daraus werden soll: Ruinen des ehemaliges Gaswerkes, Brachen in der Freiherr-vom-Stein-Straße und die Am Hagentor, verwildertes Gelände mit dem Garagenkomplex des damaligen Kraftverkehrs in der Justus-Jonas-Straße, üble Hinterlassenschaft des einstigen Vorzeigebetriebes Drei Streif an der Salza. Innerhalb ihres Territoriums hat die Stadt Nordhausen gleich mehrere Eigenheim-Baustandorte: Geseniusstraße (im Bild gelbes Haus), im Sonnenwinkel auf dem Gelände der einstigen Konsum-Großbäckerei (Foto). Oder gegenüber dem Parkplatz Friedhof Salza. Alle verfügen noch über freie Plätze. Dorthin und nicht auf Ackerland und grünen Wiesen sollte das Bauamt zukünftige Häuslebauer lenken. Mit Anreiz. Denn nicht jeder Bauherr möchte die Maurerkelle innerhalb der Stadt handhaben oder sie für sich schwingen lassen.
Auch Thüringens Landwirtschafts- und Umweltminister, Jürgen Reinholz, nicht. Er zog ein naturnahes Haus vor. Die vollständige Bebauung dieser ausgewiesenen Bereich wäre im Interesse der Stadt. Unschön, wenn neben einem schmucken Haus das Unkraut meterhoch wächst.
Dennoch: Seit Oberbürgermeister Klaus Zeh im Rathaus regiert, ist eine Tendenz erkennbar: Weg vom Baugeschehen auf Ackerland und grünen Wiesen, mehr Augenmerk dem Innerstadtbereich. Zeh verwies auf ein Bauvorhaben im Bereich der früheren Rosenmühle, dem sich die Waresa Bau GmbH annehmen will. Wie von einer sympathischen Frauenstimme aus der Geschäftsleitung des Unternehmens zu erfahren war, brauche das Vorhaben Zeit. Es bedürfe noch detaillierter Absprachen und Planungen. In diesem Jahr rühre sich auf dem Territorium keine Hand mehr. Abgeschrieben sei die Angelegenheit keineswegs, auch wenn nach der Beräumung der Fläche mittlerweile wieder das Unkraut sprießt. Im Objekt des ehemaligen Buchhaus Rose (im Hintergrund zu sehen) sei man am Werk.
Die Städtischen Wohnungsbaugesellschaft will in der Schärfgasse / Altentor aktiv werden, verkündete ebenfalls der Oberbürgermeister stolz. Auch wenn beide Vorhaben schon vor acht Jahren aktuell waren, bleibt zu hoffen, dass der Bart nicht noch länger wird, der Wunsch der Vater des Gedankens bleibt.
Kurt Frank



