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In der Heimat blättern

Montag, 19. August 2013, 10:54 Uhr
Ab dem 2. September wird die neue Ausgabe der "Nordhäuser Nachrichten" in der Stadtinformation sowie auch im „Buchhaus Rose“ erhältlich sein und an die Abonnenten versandt. Wir haben uns die Heimatblätter schon mal angesehen...


Nordhäuser Syagoge (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen) Nordhäuser Syagoge (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen) Das Titelbild lenkt den Blick auf den bevorstehenden 75. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938 mit einem kaum bekannten Foto der Nordhäuser Synagoge aus 1897, das erst jüngst vom Stadtarchiv übernommen werden konnte. Kontrastiert wird es einmal von der Anweisung des damaligen Oberbürgermeisters, der 1933 als Teil des reichsweiten „Boykotts“ jegliche Geschäftsbeziehungen Nordhäuser Stadtdienststellen mit jüdischen Firmen verbot, zum anderen von den erniedrigenden Anträgen deutsch-jüdischer Bürger und Bürgerinnen auf namensrechtliche Selbststigmatisierung nach der sogenannten „Reichskristallnacht“.

Überhaupt konzentriere sich dieses Heft besonders auf weitgehend unbekannte Aspekte Nordhäuser Stadtgeschichte jener Jahre und verweist nicht zuletzt auf die für November angekündigte Ausstellung zum „Jüdischen Leben in Nordhausen“ in der Flohburg, sagt Dr. Wolfram Theilemann, der Nordhäuser Stadtarchivar.

In den geschichtlich-landeskundlichen Beiträgen bietet zunächst Richard Löwenherz – besonders aktuell aufgrund von Hochwasser und dem neugegründeten Notfallverbund - ein illustruiertes Resümee seiner Diplomarbeit zu Starkniederschlägen im südlichen Harzvorland seit 1800. Fritz Reinboth ergänzt den Abdruck der Walkenrieder Karte aus H. 2/2013 um kartografiehistorische Beobachtungen im Abgleich mit einer Karte gleichen Inhalts aus 1672, die auf der hinteren Umschlagseite wiedergegeben ist.

Dr. Peter Kuhlbrodts Beitrag über den Besuch des preußischen Königspaares 1805 in den Südharz findet seinen Abschluss mit wortgewandten Huldigungsgedichten jener Zeit. Demgegenüber stehen Rolf Heckers Betrachtungen zu einem Brief einer Vorfahrin in Nordhausen 1849 für das reiche Material familiengeschichtlicher Quellen, die in Lebensbildern, Chroniken oder Briefen in Privathand erhalten sind. Gerade Feldpostbriefe aus dem 1. oder 2. Weltkrieg bieten trotz der häufig schlecht lesbaren Handschriften ein oft noch immer kaum ausgeschöpftes Feld für Forschende zur ‚Innenansicht‘ der Kriege. „Sie sind darum mitnichten etwas für den Container“, sagt.

Das Stadtarchiv Nordhausen nehme darum gerne Feldpostbriefe entgegen und verwahre und erschließe sie in einer separaten Sammlung.

Aus Anlass des bevorstehenden „Tages des offenen Denkmals“, der in 2013 unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen“ steht, nimmt sich weiterhin Christian Hentschke mit der „Polizei-Obdachlosenanstalt“ am Hüpedenweg einem „unbequemen“ und fast vergessenem „Denkmal“ der Nordhäuser NS-Geschichte an, dessen Reste noch zu sehen sind. Er wird voraussichtlich am Samstag, dem 8. September auch am Hüpedenweg 2 bereitstehen, um Führungen durch den Komplex zu bieten.

Einem ganz anderen Thema widmen sich Hans-Jürgen Grönke und Albert Schönewetter: der Evakuierung saarländischer Zivilisten nach Nordhausen und Umgebung 1939/1940, als unmittelbare kriegerische Auseinandersetzungen mit Frankreich erwartet wurden. Schönwetters eigene Erinnerungen folgen in einem 2. Teil in H. 4/2013. Die historische Abteilung schließt Helmut Lüder, Stadtarchivar in Bad Lauterberg, mit den Ergebnissen seiner Recherche über die deutsch-jüdische Familie Pelz ab, die über Nordhausen in Vernichtungslager deportiert wurde, nur ihre Tochter entkam in abenteuerlicher Flucht nach Israel.

Als ‚Nachrichten aus Archiven‘ bietet das dritte Heft 2013 eine kompakte Übersicht über Tätigkeit und Bestände des Kreisarchivs Nordhausen, die Kreisarchivarin Viola Herzog zusammengestellt hat. Dabei wird nicht nur deutlich, welche Masse und Aufgabenfülle dort zu bewältigen ist, sondern auch, welche reichhaltige Quellenvielfalt für die Interessenten in der Nordhäuser Archivlandschaft trotz aller Kriegsverluste noch bereitsteht.
Autor: red

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