Gestern vor 59 Jahren
Montag, 12. April 2004, 15:07 Uhr
Nordhausen (nnz). Jedes Jahr kommen ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dora zusammen, eigentlich am 11. April, dem Tag der Befreiung. Wegen des Osterfestes wurde heute den Opfern des Nationalsozialismus gedacht und eine neue Ausstellung eröffnet.
Willy Frohwein kommt jedes Jahr aus Potsdam. Den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora will er nutzen, um von seinen Erfahrungen zu berichten. Viele andere ehemalige Häftlinge besuchen das grausame Arbeitslager und werden an die schlimmsten Jahre ihres Lebens erinnert. Sie kommen aus Polen oder Frankreich, wurden wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt, oder weil sie Sinti und Roma waren. So verschieden auch die Begründungen für die Inhaftierung war, die überstandenen Leiden verbindet die alten Männer auch nach so vielen Jahren.
Ein wirklicher Tag der Befreiung sei es nur für ein paar hundert Häftlinge gewesen, sagt Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner. Nur jene, die zu schwach zum marschieren waren, wurden zurückgelassen und gestern vor 59 Jahren von den Amerikanern befreit. Für die letzten Gefangenen von Dora war es erst der 08. Mai, der ihnen, wie dem gesamten Deutschland, die Befreiung vom Hitler-Faschismus brachte.
Worüber sich Willy Frohwein besonders freut, sind die vielen jungen Menschen, die sich für die Zeit des Nationalsozialismus interessieren, Fragen stellen und nachforschen. Er sagte, daß man dieses von Menschen verursachte menschenverachtende System niemals verstehen werde. Deswegen sei es wichtig zum nachdenken anzuregen. Seinen Kameraden wünschte er ein langes Leben und Gesundheit, damit sie noch eine Weile Zeugnis ablegen können von den Schrecken der Nazidiktatur.
Viele Kränze und Blumen wurden im Anschluß an die Reden am Denkmal vor dem Krematorium niedergelegt. Hier befindet sich das Aschegrab des Konzentrationslagers, aber die Toten seien in der Region und ganz Europa zu finden, so Jens-Christian Wagner
"In Stein gehauen" heißt die neue Ausstellung, die heute mittag in der alten Feuerwache eröffnet wurde. Gezeigt werden vor allem Fotos und Zeitungsartikel, welche die Geschichte von Nordhäuser Gedenksteinen ab 1871 darstellt.
Ebenfalls zu sehen ist der Albert Kuntz Gedenkstein, der von 1946-2000 auf dem Bahnhofsplatz stand. Viele dieser Steine seien auf Grund ihrer kurzen Verweildauer im Straßenbild kaum noch bekannt, erläutert Dr. Karsten Uhl, der die Ausstellung mit organisierte.
Einige interessante Entdeckungen machten die Historiker, als sie sich auf die Spur der Steine begaben. Sie fanden heraus, daß der Sockel des 1941 von der Nazis eingeschmolzenen Kaiser-Friedrich- Denkmal nicht nur für das Grabmal des angeblich ermordeten SED Funktionärs Alfred Sobik genutzt wurde. Ein weiterer Teil wurde bei der Einweihung der "Ehrenstätte KZ Dora" am 11.April 1954 vor das Krematorium gesetzt. Er trug die Inschrift "Hier litten und starben Widerstandskämpfer aller Nationen. Ihnen Ruhm und Ehre." Wie lange der Stein dort stand und wo er sich jetzt befindet, konnten sie noch nicht herausfinden.
Was aus den vier Teilen der Wessel- Schlageter-Stele wurde, ist jedoch bekannt. Zwei Teile lagern auf dem Bauhof, ein Quader steht in Salza mit der Aufschrift "Frieden" versehen. Der vierte wurde zum Albert Kuntz Gedenkstein ungearbeitet. Dieser wird ab 2005 einen Platz in der "Flohburg" finden. Am Bahnhof erinnert eine Gedenktafel an das erste neue Denkmal Nordhausens nach 1945.
Autor: wf
Willy Frohwein kommt jedes Jahr aus Potsdam. Den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora will er nutzen, um von seinen Erfahrungen zu berichten. Viele andere ehemalige Häftlinge besuchen das grausame Arbeitslager und werden an die schlimmsten Jahre ihres Lebens erinnert. Sie kommen aus Polen oder Frankreich, wurden wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt, oder weil sie Sinti und Roma waren. So verschieden auch die Begründungen für die Inhaftierung war, die überstandenen Leiden verbindet die alten Männer auch nach so vielen Jahren.Ein wirklicher Tag der Befreiung sei es nur für ein paar hundert Häftlinge gewesen, sagt Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner. Nur jene, die zu schwach zum marschieren waren, wurden zurückgelassen und gestern vor 59 Jahren von den Amerikanern befreit. Für die letzten Gefangenen von Dora war es erst der 08. Mai, der ihnen, wie dem gesamten Deutschland, die Befreiung vom Hitler-Faschismus brachte.
Worüber sich Willy Frohwein besonders freut, sind die vielen jungen Menschen, die sich für die Zeit des Nationalsozialismus interessieren, Fragen stellen und nachforschen. Er sagte, daß man dieses von Menschen verursachte menschenverachtende System niemals verstehen werde. Deswegen sei es wichtig zum nachdenken anzuregen. Seinen Kameraden wünschte er ein langes Leben und Gesundheit, damit sie noch eine Weile Zeugnis ablegen können von den Schrecken der Nazidiktatur.Viele Kränze und Blumen wurden im Anschluß an die Reden am Denkmal vor dem Krematorium niedergelegt. Hier befindet sich das Aschegrab des Konzentrationslagers, aber die Toten seien in der Region und ganz Europa zu finden, so Jens-Christian Wagner
"In Stein gehauen" heißt die neue Ausstellung, die heute mittag in der alten Feuerwache eröffnet wurde. Gezeigt werden vor allem Fotos und Zeitungsartikel, welche die Geschichte von Nordhäuser Gedenksteinen ab 1871 darstellt.
Ebenfalls zu sehen ist der Albert Kuntz Gedenkstein, der von 1946-2000 auf dem Bahnhofsplatz stand. Viele dieser Steine seien auf Grund ihrer kurzen Verweildauer im Straßenbild kaum noch bekannt, erläutert Dr. Karsten Uhl, der die Ausstellung mit organisierte.
Einige interessante Entdeckungen machten die Historiker, als sie sich auf die Spur der Steine begaben. Sie fanden heraus, daß der Sockel des 1941 von der Nazis eingeschmolzenen Kaiser-Friedrich- Denkmal nicht nur für das Grabmal des angeblich ermordeten SED Funktionärs Alfred Sobik genutzt wurde. Ein weiterer Teil wurde bei der Einweihung der "Ehrenstätte KZ Dora" am 11.April 1954 vor das Krematorium gesetzt. Er trug die Inschrift "Hier litten und starben Widerstandskämpfer aller Nationen. Ihnen Ruhm und Ehre." Wie lange der Stein dort stand und wo er sich jetzt befindet, konnten sie noch nicht herausfinden.Was aus den vier Teilen der Wessel- Schlageter-Stele wurde, ist jedoch bekannt. Zwei Teile lagern auf dem Bauhof, ein Quader steht in Salza mit der Aufschrift "Frieden" versehen. Der vierte wurde zum Albert Kuntz Gedenkstein ungearbeitet. Dieser wird ab 2005 einen Platz in der "Flohburg" finden. Am Bahnhof erinnert eine Gedenktafel an das erste neue Denkmal Nordhausens nach 1945.
