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Erinnern und gedenken

Donnerstag, 08. April 2004, 06:22 Uhr
Nordhausen (nnz). Am Ostermontag jährt sich zum 59. Mal der Tag, an dem das Konzentrationslager Mittelbau-Dora von US-amerikanischen Soldaten befreit worden war. Dazu soll es ein Gedenken am ehemaligen Krematorium sowie die Übergabe einer Informationstafel bei der ehemaligen Boelcke-Kaserne geben...


Am kommenden Montag (12. April) wird der 59. Jahrestag der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora begangen. Im Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers werden um 11 Uhr die Opferverbände Kränze am ehemaligen Krematorium in der KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora niederlegen. Viele ehemalige KZ-Häftlinge werden zu diesem Anlass aus allen Teilen West- und Osteuropas sowie aus Israel und Australien nach Nordhausen anreisen. Mit Willi Frohwein aus Potsdam wird ein Überlebender des KZ Mittelbau-Dora bei der öffentlichen Veranstaltung sprechen.

Unter den Gästen wird sich Konsulin Katarzyna Rzeźniczek vom Generalkonsulat der Republik Polen aus Leipzig befinden. In der breiten Öffentlichkeit ist die Tatsache kaum bekannt, dass die polnischen Häftlinge neben den sowjetischen die größte Gruppe der KZ-Häftlinge in Mittelbau-Dora waren. Etwa 15.000 Polen waren im Konzentrationslager Mittelbau-Dora gefangen.

Das Lager Dora wurde erst im August 1943 gegründet. Zunächst ein Außenlager des KZ Buchenwald, wurde es im Oktober 1944 zusammen mit weiteren Buchenwalder Außenlagern in der Harzregion zum KZ Mittelbau verselbständigt. Damit war das KZ Mittelbau das letzte von den Nationalsozialisten gegründete Hauptlager. Insgesamt wurden über 60.000 Menschen in das KZ Mittelbau-Dora deportiert, von denen mindestens 20.000 das Kriegsende nicht erlebt haben. Am 11. April 1945 befreiten Einheiten der III. US-Armee das Lager. Sie fanden nur die wenigen Hundert Häftlinge vor, die so stark geschwächt waren, dass sie von der SS nicht auf Todesmärsche geschickt werden konnten. Viele dieser Häftlinge starben direkt nach der Befreiung an den Folgen der KZ-Haft.

Am Montagnachmittag wird die Stadt Nordhausen eine neue Informationstafel bei der ehemaligen Boelcke-Kaserne übergeben. Die Boelcke-Kaserne diente ab Januar 1945 als zentrales Kranken- und Sterbelager des KZ Mittelbau. Zur Übergabe der Informationstafel wird mit Jaques Grandcoin aus Frankreich ein Überlebender des KZ Mittelbau-Dora sprechen. Daneben werden der Beigeordnete der Stadt Nordhausen, Dr. Klaus Gebhardt, und der Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Dr. Jens-Christian Wagner, Ansprachen halten.

Die Boelcke-Kaserne war eines der letzten Außenlager des KZ-Komplexes Mittelbau. Während der kurzen Existenz dieses Außenlagers von Januar bis April 1945 kamen dort etwa 6000 KZ-Häftlinge ums Leben. Unter ihnen waren viele, die zuvor aus den Konzentrationslagern Auschwitz und Groß-Rosen nach Nordhausen „evakuiert“ wurden. Gleichzeitig lassen sich an der Boelcke-Kaserne die unterschiedlichen Formen des nationalsozialistischen Lagersystems aufzeigen. Neben KZ-Häftlingen waren hier auch Zwangsarbeiter und Gestapohäftlinge untergebracht.

Als am 11. April 1945 amerikanische Soldaten die Boelcke-Kaserne entdeckten, fanden sie die Leichen von über tausend ausgemergelten KZ-Häftlingen sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Für einige hundert Sterbende kam jede Hilfe zu spät. In den folgenden Wochen gingen die Fotos und Filmaufnahmen von den auf dem Kasernenhof aufgereihten Toten um die Welt und prägten vielerorts das Bild vom nationalsozialistischen Lagerterror.
Autor: nnz

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