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Genie und Kunst bedingen sich

Freitag, 02. August 2013, 16:26 Uhr
Noch bis zum 15. September wird im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine einzigartige Retrospektive des großen Hamburger Künstlers Horst Janssen mit 116 grafischen Werken gezeigt. Und es gibt noch einen Vortrag...


Am 17. August, um 19.00 Uhr wird Angelika Gerlach, die Leiterin der Janssen-Bibliothek Hamburg, in dem Vortrag „Horst Janssen – Jenseits der Bilder“ auf nicht nur auf den Künstler, sondern auch den Poeten und Menschen Horst Janssen eingehen.

„Horst Janssen war ein Künstler, dem alle Etiketten des Ungewöhnlichen anhaften. Er gilt nicht nur als der größte Zeichner der Gegenwart und Meister des Wortes, als Genie, als universeller Kopf, dessen hellsichtiges Auge Vergangenheit und Gegenwart wie kaum ein anderer erfasst, sondern auch als der große Unberechenbare, voll der Menschenliebe, aber auch des Jähzorns und Wahn-Witzes, als exzentrischer Chaot und Provokateur“, sagte Susanne Hinsching, die Leiterin des Kunsthauses.

„Um die Werke des Künstlers Horst Janssen besser zu verstehen, muss man sich zuerst mit dem Menschen Horst Janssen beschäftigen, aus diesem Grund kommt der Zeichner und Grafiker in der Nordhäuser Ausstellung auch selbst – durch verschiedenste Textzitate - zu Wort. Denn besser als der Künstler selbst, kann man die Gedanken und Intensionen, die hinter diesen genialen Werken stecken, nicht beschreiben“, so Frau Hinsching weiter.

Horst Janssen wurde am 14. November 1929 in Hamburg geboren und starb dort am 31. August 1995. Trotz schwerer Kindheit als Waise, kam Janssen schon früh mit der Kunst in Berührung und fand in der Beschäftigung der Kunst seine Leidenschaft und eine Möglichkeit sich selbst zu erkunden

„Vielleicht ein Grund dafür, dass zu seinem umfangreichen Oeuvre über 2000 Selbstbildnisse gehören, von denen zahlreiche Arbeiten auch in Nordhausen zu sehen sind. Es gab und gibt keinen Künstler, der sich so häufig selbst dargestellt hat. Er identifizierte sich mit allem, was er sieht – und er hat viel gesehen und durch das Sehen eignete er sich die Welt wiederum an, dabei hat er sich seine kindliche Unbekümmertheit im Erschließen der Welt beibehalten.

In den Selbstporträts tritt uns der Künstler in unendlich vielen wechselnden Beleuchtungen, Maskierungen und Kostümierungen gegenüber und entblößt seinen Seelenzustände. Janssen's Selbstporträts suggerieren einerseits seine Schrecken, Ängste und Albträume und halten andererseits, diesen meist nur kurzen und bereits überwundenen Zustand fest. Die Faszination, die sein Werk heute auf den Betrachter ausübt, zeigt, dass sich künstlerischer Ausdruck und Lebenspraxis bedingen.“

„Horst Janssen ist ein außergewöhnlicher Zeichner, der sowohl mit Feder, Stift oder Aquarellpinsel umzugehen vermag, der aber auch mit seinen literarischen Äußerungen großes Aufsehen erregt hat. Horst Janssens Kunst ist einzigartig, genauso wie der Mensch einzigartig war. Vergleiche mit anderen Künstlern sind nur schwer möglich, wenn dann sind am ehesten gemeinsame Charakteristika mit Rembrandt herstellbar, auch wenn Janssen das gerade nie gewollt hat. Kunst war für Janssen Gegenwartsbewältigung und Selbstdokumentation und er forderte den Betrachter auf, daran teilzunehmen.

Neben seinen Selbstporträts hat Janssen unzählige Köpfe gezeichnet, die deshalb auch einen Schwerpunkt in der Nordhäuser Ausstellung einnehmen. Janssen‘s Porträts sind wie ein Stück Kulturgeschichte. Sie stellen Schriftsteller dar, Komponisten, Philosophen, Künstler, Zeitgenossen und historische Persönlichkeiten. Dabei hatte Janssen die erstaunliche Fähigkeit, mit wenigen Blicken – und mit wenigen Strichen – das charakteristische eines Menschen zu erfassen und darzustellen, erkennbar zu machen und in jedem Strich zugleich den eigenen Stil zu dokumentieren. . Dabei saßen ihm die meisten seiner „Köpfe“ nicht Modell. Er hat sich vielmehr deren Gesichtszüge erarbeitet und zur unübertrefflichen Kenntlichkeit umgeformt.

Die Konzeption der Ausstellung im Kunsthaus Meyenburg sieht eine weitgehende thematische Ordnung der in der Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung vorhandenen Werke vor, z.B. Landschaftsmotive, die zahlreichen „Köpfe“ und Selbstporträts und dann natürlich auch einige erotische Blätter. Die Auswahl zeigt auch die verschiedensten grafischen Techniken, die Janssen beherrschte, von der Radierung, der Strichätzung, Lithographie oder den Farboffsetdruck, den er vor allem für seine Plakate verwendete.

Janssens Vielseitigkeit bestand nicht zuletzt in der Fähigkeit, Themen - wie Landschaft und Natur - neu aufzugreifen. So sind seine Landschaften und Stilleben durch so kraftvolle Striche und Linien geprägt, das sich der Betrachter kaum ihrer Faszination entziehen kann. Aus diesem Grund wurde die Ausstellung „Horst Janssen – Genie der Grafik“, die am 6. Juli eröffnet wurde, jetzt noch durch 15 Blätter mit seinen Blumenstilleben erweitert. Diese sind ebenfalls bis zum 15. September im Keller des Kunsthauses zu sehen. Horst Janssen selbst sagte immer:„Ich bin nur Zeichner und Zeichner und Zeichner“, so Frau Hinsching.
Das Kunsthaus Meyenburg hat von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffent. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßgt: 3 Euro. Kinder bis 16 Jahre zahlen nichts.
Autor: red

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