Viele Sender und nützliche Extras (2)
Montag, 29. Juli 2013, 13:43 Uhr
Ehe der Radiohörer in Nordthüringen sich ein DAB-Radio zulegt, sollte er noch nachfolgenden Beitrag lesen. Dazu fachlich-kritische Anmerkungen von Jürgen Wiethoff...
Gleich im 2. Absatz des Testberichtes wartet eine Falschaussage, die zu erster Enttäuschung führen kann. Man kann keinesfalls im Norden die gleichen Sender wie im Süden hören, also beispielsweise Bayern 1 in Rostock. Der Kanal 5C, der für deutschlandweit einheitliche Programme vorgesehen ist, ist zudem im nordthüringer Raum zumindest mobil oder mit geringem Antennenaufwand nicht zu empfangen.
Außer allen Programmen des Deutschlandfunks/-radios können Sie dort außerdem Sender empfangen, von denen Sie vorher als bisher normaler Radiohörer noch nie etwas gehört haben. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Wer häufig mal Internet-Radio hört, findet dort teilweise erstaunliche Programmqualität bei Sendern, die er ebenfalls noch nie gehört hat. Aber: Man muss viele Frösche küssen, um einen Prinzen/Prinzessin zu finden.
Wenn Sie wissen wollen, welche Programme Sie zurzeit im nordthüringer Raum empfangen können, schlagen Sie auf www.ukwtv.de, Sender-Tabelle, Deutschland, DAB, Kanal 12 C, Sachsen-Anhalt nach. Dieser Kanal wird mit jeweils 1 kW Strahlungsleistung sowohl vom Brocken als auch vom Kulpenberg abgestrahlt und ist auch mobil manchmal gut zu empfangen. Manchmal hat technische Gründe, die zu erörtern hier zu weit führen würde. mdr-Thüringen suchen Sie dort allerdings vergebens, denn diesen Kanal auf dem Kulpenberg hat der mdr vor etwas über einem Jahr plötzlich und unerwartet abgeschaltet. In den Veröffentlichungen in der Tagespresse sowie auf der mdr Homepage war anschließend zu lesen, dass sich der Empfang von DAB in Nordthüringen dadurch entscheidend verbessert hat!
Nicht nur diese Aussage lässt vermuten, dass die Einführung von DAB in Deutschland auch zum 2. Mal mit voller Wucht vor den Baum gefahren werden soll. Anders als mit kleinstaatlicher Politik auf der Basis von Länderegoismus lassen sich viele Maßnahmen im Rundfunk- und Fernsehbereich einfach nicht erklären.
Sicher ist DAB+ gegenüber dem DAB Mitte der 90-er Jahre ein technischer Fortschritt. Nur in dieser Form braucht den keiner. Das Display zeigt Zusatzinformationen wie Schlagzeilen, Wetterkarten oder den Titel des aktuellen Songs. Per App vom Smartphone lassen sich sechs Radios fernsteuern. Bis zu 45 Minuten zeitversetztes Radiohören erlaubt ein Gerät im Test. Wer liest schon beim Radiohören die Zeitung oder studiert die Wetterkarte? Im Auto, wo ja am meisten Radio gehört wird, ist das außerdem sehr gefährlich. Und nach 45 Minuten ist die Verkehrsmeldung nur noch sinnloses Geschnatter.
Wer Spaß daran hat, mit seinem Smartphone den Kindern und der Partnerin alle sechs Radios zu verstellen, sollte sich dringend in psychologische Behandlung begeben.
Im Ausland hat man das lange erkannt und bleibt teilweise beim alten DAB-Standard. Da auch in Deutschland einige Programme (Deutschlandfunk) im alten DAB-Standard ausgestrahlt werden, sollten Sie bei Anschaffung eines entsprechenden Radios darauf achten, dass beide Standards dekodiert werden können. Selbstverständlich hat DAB+ auch noch andere Vorteile, als nur digitalen Schnick-Schnack zu vertreiben. Wenn man nämlich darauf verzichtet, kann auch eine noch größere Bandbreite pro Sender und damit ein noch besserer Klang erreicht werden.
Wenn Sie darauf achten, dass Ihr kleines Radio einen normalen, ungeregelten NF-Ausgang hat, brauchen Sie auch mit DAB nicht auf den Sound Ihrer alten Stereoanlage oder Ihres guten, alten Dampfradios zu verzichten. Für alle Anwendungen geeignet ist Pure VL-61098A Highway. Dieses sowohl formschöne als auch funktionssichere Gerät überträgt das empfangene DAB-Programm auf eine beliebige freie Frequenz eines UKW-Radios und ist sowohl für den stationären als auch mobilen Betrieb geeignet.
Die mitgelieferte aktive Scheibenantenne sollte man allerdings schnellstens entsorgen. Die Antennenbuchse (2,5 mm Stereo-Klinkenstecker) ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Der Rest jedoch ist sehr empfehlenswert. Leider gehört kein Netzteil zum Lieferumfang, so dass unverhältnismäßig viel Eigeninitiative nötig ist, um das Gerät sinnvoll stationär zu betreiben. Mit den beiden AA-Batterien ist nicht lange Radio zu hören. Es ist im Internet bereits für unter 100 Euro zu erhalten.
Wenn man bedenkt, welches enorme technische Potential im Digitalradio steckt, ist absolut unverständlich, weshalb die Einführung in Deutschland nicht zielgerichteter und einheitlicher erfolgt. Wohnen Sie beispielsweise in Bayern, können Sie sich schon heute über fast flächendeckende Versorgung auch mit öffentlich-rechtlichen Programmen freuen.
Nur ein regional nahes Beispiel soll mal über den dicken Daumen durchgerechnet werden: An den Standorten Brocken und Torfhaus (Entfernung rund 5 km) werden zurzeit 13 Hörfunkprogramme mit einer Gesamtstrahlungsleistung von 1070 kW ausgestrahlt. Der Antennengewinn wird einheitlich mit 10-fach (Standard) angenommen. Das entspricht einer gesamten HF-Ausgangsleistung von 107 kW. Wenn der Wirkungsgrad der Anlagen über alles mit 50 % angenommen wird, kann man mit einem Stromverbrauch von 214 kW pro Stunde oder 5136 kW pro Tag rechnen.
Alle 13 Programme passen locker in einen DAB-Kanal (da bleibt sogar noch etwas Platz für weitere private Radiosender) mit 10 kW HF-Ausgangsleistung, dementsprechend 20 kW Stromverbrauch pro Stunde oder 480 kW pro Tag. Eine 10,7-fache Stromeinsparung dieser Größenordnung schafft man nirgends leichter. Die Infrastruktur, bestehend aus Sender und Antenne, sollte nach Umbau der alten Band-III-Fernsehtechnik noch vorhanden sein.
Mit den bundesweit zu erwartenden Einsparungen könnte man leicht die Rundfunk- und Fernsehgebühren senken, die Anschaffung neuer Gerätetechnik beim Hörer subventionieren und....und...
Weitere Einsparungen wären durch Minimierung der Gerätetechnik und Wartungsarbeiten und – ja leider - auch durch Personalabbau zu erreichen.
Die auch dem Fachmann größtenteils unerklärliche Verhaltensweise der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten findet übrigens hinter DAB kein Ende. Dem normalen Nordthüringer Fernsehteilnehmer dürfte unklar bleiben, warum er in diesem Raum terrestrisch zwar 4 NDR-Regionalprogramme und mdr-Sachsen-Anhalt, rbb und wdr empfangen kann. Für mdr-Thüringen braucht man hingegen Kabel oder Satellit.
Jürgen Wiethoff
Autor: redGleich im 2. Absatz des Testberichtes wartet eine Falschaussage, die zu erster Enttäuschung führen kann. Man kann keinesfalls im Norden die gleichen Sender wie im Süden hören, also beispielsweise Bayern 1 in Rostock. Der Kanal 5C, der für deutschlandweit einheitliche Programme vorgesehen ist, ist zudem im nordthüringer Raum zumindest mobil oder mit geringem Antennenaufwand nicht zu empfangen.
Außer allen Programmen des Deutschlandfunks/-radios können Sie dort außerdem Sender empfangen, von denen Sie vorher als bisher normaler Radiohörer noch nie etwas gehört haben. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Wer häufig mal Internet-Radio hört, findet dort teilweise erstaunliche Programmqualität bei Sendern, die er ebenfalls noch nie gehört hat. Aber: Man muss viele Frösche küssen, um einen Prinzen/Prinzessin zu finden.
Wenn Sie wissen wollen, welche Programme Sie zurzeit im nordthüringer Raum empfangen können, schlagen Sie auf www.ukwtv.de, Sender-Tabelle, Deutschland, DAB, Kanal 12 C, Sachsen-Anhalt nach. Dieser Kanal wird mit jeweils 1 kW Strahlungsleistung sowohl vom Brocken als auch vom Kulpenberg abgestrahlt und ist auch mobil manchmal gut zu empfangen. Manchmal hat technische Gründe, die zu erörtern hier zu weit führen würde. mdr-Thüringen suchen Sie dort allerdings vergebens, denn diesen Kanal auf dem Kulpenberg hat der mdr vor etwas über einem Jahr plötzlich und unerwartet abgeschaltet. In den Veröffentlichungen in der Tagespresse sowie auf der mdr Homepage war anschließend zu lesen, dass sich der Empfang von DAB in Nordthüringen dadurch entscheidend verbessert hat!
Nicht nur diese Aussage lässt vermuten, dass die Einführung von DAB in Deutschland auch zum 2. Mal mit voller Wucht vor den Baum gefahren werden soll. Anders als mit kleinstaatlicher Politik auf der Basis von Länderegoismus lassen sich viele Maßnahmen im Rundfunk- und Fernsehbereich einfach nicht erklären.
Sicher ist DAB+ gegenüber dem DAB Mitte der 90-er Jahre ein technischer Fortschritt. Nur in dieser Form braucht den keiner. Das Display zeigt Zusatzinformationen wie Schlagzeilen, Wetterkarten oder den Titel des aktuellen Songs. Per App vom Smartphone lassen sich sechs Radios fernsteuern. Bis zu 45 Minuten zeitversetztes Radiohören erlaubt ein Gerät im Test. Wer liest schon beim Radiohören die Zeitung oder studiert die Wetterkarte? Im Auto, wo ja am meisten Radio gehört wird, ist das außerdem sehr gefährlich. Und nach 45 Minuten ist die Verkehrsmeldung nur noch sinnloses Geschnatter.
Wer Spaß daran hat, mit seinem Smartphone den Kindern und der Partnerin alle sechs Radios zu verstellen, sollte sich dringend in psychologische Behandlung begeben.
Im Ausland hat man das lange erkannt und bleibt teilweise beim alten DAB-Standard. Da auch in Deutschland einige Programme (Deutschlandfunk) im alten DAB-Standard ausgestrahlt werden, sollten Sie bei Anschaffung eines entsprechenden Radios darauf achten, dass beide Standards dekodiert werden können. Selbstverständlich hat DAB+ auch noch andere Vorteile, als nur digitalen Schnick-Schnack zu vertreiben. Wenn man nämlich darauf verzichtet, kann auch eine noch größere Bandbreite pro Sender und damit ein noch besserer Klang erreicht werden.
Wenn Sie darauf achten, dass Ihr kleines Radio einen normalen, ungeregelten NF-Ausgang hat, brauchen Sie auch mit DAB nicht auf den Sound Ihrer alten Stereoanlage oder Ihres guten, alten Dampfradios zu verzichten. Für alle Anwendungen geeignet ist Pure VL-61098A Highway. Dieses sowohl formschöne als auch funktionssichere Gerät überträgt das empfangene DAB-Programm auf eine beliebige freie Frequenz eines UKW-Radios und ist sowohl für den stationären als auch mobilen Betrieb geeignet.
Die mitgelieferte aktive Scheibenantenne sollte man allerdings schnellstens entsorgen. Die Antennenbuchse (2,5 mm Stereo-Klinkenstecker) ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Der Rest jedoch ist sehr empfehlenswert. Leider gehört kein Netzteil zum Lieferumfang, so dass unverhältnismäßig viel Eigeninitiative nötig ist, um das Gerät sinnvoll stationär zu betreiben. Mit den beiden AA-Batterien ist nicht lange Radio zu hören. Es ist im Internet bereits für unter 100 Euro zu erhalten.
Wenn man bedenkt, welches enorme technische Potential im Digitalradio steckt, ist absolut unverständlich, weshalb die Einführung in Deutschland nicht zielgerichteter und einheitlicher erfolgt. Wohnen Sie beispielsweise in Bayern, können Sie sich schon heute über fast flächendeckende Versorgung auch mit öffentlich-rechtlichen Programmen freuen.
Nur ein regional nahes Beispiel soll mal über den dicken Daumen durchgerechnet werden: An den Standorten Brocken und Torfhaus (Entfernung rund 5 km) werden zurzeit 13 Hörfunkprogramme mit einer Gesamtstrahlungsleistung von 1070 kW ausgestrahlt. Der Antennengewinn wird einheitlich mit 10-fach (Standard) angenommen. Das entspricht einer gesamten HF-Ausgangsleistung von 107 kW. Wenn der Wirkungsgrad der Anlagen über alles mit 50 % angenommen wird, kann man mit einem Stromverbrauch von 214 kW pro Stunde oder 5136 kW pro Tag rechnen.
Alle 13 Programme passen locker in einen DAB-Kanal (da bleibt sogar noch etwas Platz für weitere private Radiosender) mit 10 kW HF-Ausgangsleistung, dementsprechend 20 kW Stromverbrauch pro Stunde oder 480 kW pro Tag. Eine 10,7-fache Stromeinsparung dieser Größenordnung schafft man nirgends leichter. Die Infrastruktur, bestehend aus Sender und Antenne, sollte nach Umbau der alten Band-III-Fernsehtechnik noch vorhanden sein.
Mit den bundesweit zu erwartenden Einsparungen könnte man leicht die Rundfunk- und Fernsehgebühren senken, die Anschaffung neuer Gerätetechnik beim Hörer subventionieren und....und...
Weitere Einsparungen wären durch Minimierung der Gerätetechnik und Wartungsarbeiten und – ja leider - auch durch Personalabbau zu erreichen.
Die auch dem Fachmann größtenteils unerklärliche Verhaltensweise der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten findet übrigens hinter DAB kein Ende. Dem normalen Nordthüringer Fernsehteilnehmer dürfte unklar bleiben, warum er in diesem Raum terrestrisch zwar 4 NDR-Regionalprogramme und mdr-Sachsen-Anhalt, rbb und wdr empfangen kann. Für mdr-Thüringen braucht man hingegen Kabel oder Satellit.
Jürgen Wiethoff
