Ist der Traum ausgeträumt?
Mittwoch, 24. Juli 2013, 19:52 Uhr
In der Wache der Nordhäuser Berufsfeuerwehr schrillen die Alarmglocken. Schnell müssen die Männer an ihren Fahrzeugen sein. Schnell am Einsatzort. Was Sie dort erwartet, ist im ersten Angriff nur schwer zu beurteilen. Was sie innerhalb der Wache erwartet, das ist mitunter gefährlich...
Es sind die klassischen Bilder aus diversen Filmen: Alarm und wenige Sekunden später lassen sich die Feuerwehrmänner an einer Stange durch einen Schacht nach unten gleiten. In Nordhausen ist das schon eine gefährliche Angelegenheit. Erstens sind die Verschlüsse der Türen zum Schacht nur unsachgemäß montiert, zweitens besteht der Federteller, der den Rutsch nach unten dämpfen soll, aus einem alten B-Schlauch. Improvisation made in GDR.
Das ist keine emotionale Schilderung, sondern Bestandteil eines Protokolls der gesetzlichen Unfallversicherung, das im Ergebnis einer Überprüfung im Mai dieses Jahres niedergeschrieben wurde.
Weitere Mängel, die einst festgestellt wurden, sind unter anderem die fehlende Absaugung in der Fahrzeughalle, die ungenügende Breite und Höhe der Tore. Die hatte den Fahrzeugen der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts und denen aus DDR-Zeit zwar entsprochen, genügt den Anforderungen, die moderne Fahrzeuge benötigen, in keinster Weise. So müssen beim Rausfahren in Alarmsituationen die Außenspiegel eingeklappt werden. In eine Abstellbucht kann nicht einmal über den Hof eingefahren werden, sondern nur rückwärts aus der Hohekreuzstraße. Rückwärts ohne Seitenspiegel in eine Öffnung, die nur wenige Zentimeter rechts und links Platz lässt... Weitere Fahrzeuge sind in der Werkstatt abgestellt, deren Decke mit Holzpfeilern provisorisch abgestützt wird. Drei Fahrzeuge stehen unter einem Schleppdach.
Bereits vor einigen Jahren wurden also im Nordhäuser Rathaus und im Stadtrat Überlegungen angestellt, wie man diesen Zustand abstellen kann? Ergebnis: ein Neubau sollte her. Der Standort war dann auch klar: an der Zorgestraße, unterhalb des Taschenberges, da, wo der Kindergarten zu finden ist.
Der ist mittlerweile leer, einige Planungsaufträge wurden ausgelöst – ohne Kenntnis des Stadtrates, wie sich herausgestellt hatte (siehe dazu im nnz-Archiv). Doch das war es. Inoffiziell ist klar, die derzeitige Haushaltslage lässt einen Neubau nicht zu, denn alles verfügbare Geld floss und wird noch in die KuBiBo fließen und in die Flohburg, die nun für die Aufnahme der Himmelgarten-Biliothek vorbereitet wird. Wo sollen bei der derzeitigen Haushaltssituation die mehr als sieben Millionen Euro herkommen, selbst, wenn ein Teil davon aus Fördermitteln fließen würde?
Die Planungen zur neuen Feuerwache sind erst einmal gestoppt. Offiziell heißt es, dass noch einige interne Absprachen getroffen werden müssen. Hinzu kommt, dass sich die Kostenseite nur rechnet, wenn der Landkreis mit im Boot ist. Sprich, der Landkreis soll mit finanzieren. Doch der hat nicht mal einen bestätigten Haushalt für 2013 und 2014, in dem übrigens kein Cent für eine neue Feuerwache zu finden ist. Und außerdem ist die finanzielle Lage des Landkreises noch bedauernswerter als die der Stadt Nordhausen.
Die Männer der Nordhäuser Berufsfeuerwehr werden wohl auch in den kommenden Jahren auf einem B-Schlauch aufkommen, wenn sie die Stange runterrutschen, die werden auch weiterhin die Seitenspiegel einklappen müssen. Der Traum einer neuen Feuerwache scheint – zumindest temporär – ausgeträumt. Dafür können Gerd Jung und seine Mannschaft nach ihrem 24-Stunden-Dienst ein genüssliches Käffchen auf der Terrasse der KuBiBo schlürfen und nachdenken, was einst in Nordhausen politischer Wille war und was nicht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redEs sind die klassischen Bilder aus diversen Filmen: Alarm und wenige Sekunden später lassen sich die Feuerwehrmänner an einer Stange durch einen Schacht nach unten gleiten. In Nordhausen ist das schon eine gefährliche Angelegenheit. Erstens sind die Verschlüsse der Türen zum Schacht nur unsachgemäß montiert, zweitens besteht der Federteller, der den Rutsch nach unten dämpfen soll, aus einem alten B-Schlauch. Improvisation made in GDR.
Das ist keine emotionale Schilderung, sondern Bestandteil eines Protokolls der gesetzlichen Unfallversicherung, das im Ergebnis einer Überprüfung im Mai dieses Jahres niedergeschrieben wurde.
Weitere Mängel, die einst festgestellt wurden, sind unter anderem die fehlende Absaugung in der Fahrzeughalle, die ungenügende Breite und Höhe der Tore. Die hatte den Fahrzeugen der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts und denen aus DDR-Zeit zwar entsprochen, genügt den Anforderungen, die moderne Fahrzeuge benötigen, in keinster Weise. So müssen beim Rausfahren in Alarmsituationen die Außenspiegel eingeklappt werden. In eine Abstellbucht kann nicht einmal über den Hof eingefahren werden, sondern nur rückwärts aus der Hohekreuzstraße. Rückwärts ohne Seitenspiegel in eine Öffnung, die nur wenige Zentimeter rechts und links Platz lässt... Weitere Fahrzeuge sind in der Werkstatt abgestellt, deren Decke mit Holzpfeilern provisorisch abgestützt wird. Drei Fahrzeuge stehen unter einem Schleppdach.
Bereits vor einigen Jahren wurden also im Nordhäuser Rathaus und im Stadtrat Überlegungen angestellt, wie man diesen Zustand abstellen kann? Ergebnis: ein Neubau sollte her. Der Standort war dann auch klar: an der Zorgestraße, unterhalb des Taschenberges, da, wo der Kindergarten zu finden ist.
Der ist mittlerweile leer, einige Planungsaufträge wurden ausgelöst – ohne Kenntnis des Stadtrates, wie sich herausgestellt hatte (siehe dazu im nnz-Archiv). Doch das war es. Inoffiziell ist klar, die derzeitige Haushaltslage lässt einen Neubau nicht zu, denn alles verfügbare Geld floss und wird noch in die KuBiBo fließen und in die Flohburg, die nun für die Aufnahme der Himmelgarten-Biliothek vorbereitet wird. Wo sollen bei der derzeitigen Haushaltssituation die mehr als sieben Millionen Euro herkommen, selbst, wenn ein Teil davon aus Fördermitteln fließen würde?
Die Planungen zur neuen Feuerwache sind erst einmal gestoppt. Offiziell heißt es, dass noch einige interne Absprachen getroffen werden müssen. Hinzu kommt, dass sich die Kostenseite nur rechnet, wenn der Landkreis mit im Boot ist. Sprich, der Landkreis soll mit finanzieren. Doch der hat nicht mal einen bestätigten Haushalt für 2013 und 2014, in dem übrigens kein Cent für eine neue Feuerwache zu finden ist. Und außerdem ist die finanzielle Lage des Landkreises noch bedauernswerter als die der Stadt Nordhausen.
Die Männer der Nordhäuser Berufsfeuerwehr werden wohl auch in den kommenden Jahren auf einem B-Schlauch aufkommen, wenn sie die Stange runterrutschen, die werden auch weiterhin die Seitenspiegel einklappen müssen. Der Traum einer neuen Feuerwache scheint – zumindest temporär – ausgeträumt. Dafür können Gerd Jung und seine Mannschaft nach ihrem 24-Stunden-Dienst ein genüssliches Käffchen auf der Terrasse der KuBiBo schlürfen und nachdenken, was einst in Nordhausen politischer Wille war und was nicht.
Peter-Stefan Greiner







